In Schatteburg aufgewachsen Fehntjerin Margarete Sterrenberg feiert ihren 100. Geburtstag
An diesem Samstag ist ein ganz besonderer Tag für Margarete Sterrenberg. Die in Rhauderfehn lebende Frau berichtet im Gespräch mit dieser Zeitung, was sie in ihrem Leben alles erlebt hat.
Westrhauderfehn - Margarete Sterrenberg feiert am heutigen Samstag Geburtstag. Doch dabei handelt es sich nicht um irgendeinen Ehrentag. Die rüstige Jubilarin kann auf ein bewegtes Leben und 100 Jahre Lebenserfahrung zurückblicken. Und die Schar der Gratulanten ist groß: Am Vormittag machen im Reilstift, wo Margarete Sterrenberg seit fünf Jahren wohnt, Rhauderfehns Bürgermeister, Westrhauderfehns Ortsbürgermeister, der Ortsvorsteher von Schatteburg sowie die Pastorin Ulrike Sundermann ihre Aufwartung. Der Posaunenchor wird ein Ständchen bringen. Nachmittags gehen die Feierlichkeiten an gleicher Stelle mit der Familie und Freunden weiter. Zur Familie gehören sechs Kinder, zwölf Enkel und neun Urenkel.
Als eines von sieben Kindern des Ehepaares Johann und Lümkea Hinken erblickte die heutige Jubilarin am 22. April 1923 das Licht der Welt. Sie wuchs mit zwei Brüdern und vier Schwestern auf einem Bauernhof in Schatteburg auf. Dort betrieben ihre Eltern eine große Landwirtschaft mit Kühen, Schweinen und Hühnern. Der 2. Weltkrieg war für die Familie Sterrenberg eine entbehrungsreiche Zeit, obgleich der Ort Schatteburg vom Bombardement der Alliierten verschont blieb. „In jungen Jahren hat unsere Mutter mit Pferd und Wagen die Felder bestellt“, berichten ihre Töchter übereinstimmend.
Tochter lebt in Kalifornien
Im Jahr 1950 heiratete sie Johann Sterrenberg, der auch einen Bauernhof in Schatteburg besaß. Ihr Mann starb vor 45 Jahren. Gemeinsam mit Sohn Wiard, dessen Frau und den zwei Enkelkindern lebte Margarete Sterrenberg bis ins hohe Alter auf dem Hof. Da ihre Schwiegertochter sehr krank war, kümmerte sich Margarete Sterrenberg liebevoll um die beiden Engelkinder, die bei ihr groß wurden. „Mutter war immer Präsent für die Familie“, berichtet Tochter Johanne Homes. Bis auf Tochter Beate, die in Kalifornien (USA) lebt und sie zweimal im Jahr besucht, wohnen alle anderen Familienangehörigen noch in der näheren Umgebung.
Noch bis zu ihrem 95. Geburtstag lebte Margarete Sterrenberg auf dem Hof in Schatteburg. „Mutter hatte auch immer einen großen Garten, in dem sie Bohnen und Erbsen züchtete. Wir mussten nach der Ernte dann immer die Erbsen auspulen“, müssen die Töchter heute noch lachen, wenn sie daran denken. An regelmäßigen Urlaub war bei all der Arbeit nicht zu denken.
„Ich fühle mich wohl hier im Heim“
Einzige Ausnahme blieb eine gemeinsame Fahrt mit Tochter Marga nach Reit im Winkl in die Bayerischen Alpen. „Davon spricht sie immer wieder“, sagen ihre Töchter. Mit ihrer Freundin Gertrud unternahm sie zudem immer wieder Tagesfahrten. Nach einem Sturz in der Diele ihres Hauses im Jahr 2017, bei dem sie sich einen Wirbel brach, erfolgte ein Umzug ins Reilstift nach Westrhauderfehn. „Unsere Mutter ist nie ernsthaft krank gewesen. Nur im Alter von 17 Jahren hatte sie einmal eine Blinddarmentzündung“, berichten ihre Töchter. Ihr neues Zuhause hat Margarete Sterrenberg schnell akzeptiert. „Ich fühle mich wohl hier im Heim“, sagt sie immer wieder. Obwohl die Jubilarin mittlerweile im Rollstuhl sitzt, gibt es Rituale, an die sie sich hält.
„Sie schaut jeden Abend gerne die NDR-Sendung ‚Das rote Sofa‘ mit Bettina Tietjen“, berichten ihre Töchter. Auf ihre Mutter halten die Töchter große Stücke. „Sie ist sehr umgänglich. Bei ihr gibt es kein böses Wort. Es muss immer alles ordentlich und perfekt sein, der Garten muss in Ordnung sein, die Küche aufgeräumt“, erzählen ihre Töchter. „Sie legte auch viel Wert auf ihr Äußeres. Es gilt immer ordentlich angezogen zu sein.“ Obwohl keine ihrer Brüder und Schwestern noch leben wird Margarete Sterrenberg diesen Ehrentag mit der Familie genießen. Insbesondere, wenn der Posaunenchor spielt. Dann kann die Jubilarin, die viele Lieder und Gedichte noch von früher kennt, leise mitsingen.