Mehr als 1500 Wohnungen betroffen Bauverein in Leer erhöht Miete deutlich
Der Bauverein in Leer ist der größte Vermieter der Stadt. Nun reagiert die Genossenschaft auf gesteigerte Preise und politische Vorgaben – mit einer Mieterhöhung.
Leer - Es sind keine angenehmen Nachrichten die Thomas Exner und Thorsten Tooren vom hauptamtliche Vorstand des Bauvereins Leer mitteilen müssen. „Wir wollen uns unserer Verantwortung nicht entziehen und stellen uns auch der Kritik“, sagt Tooren. Der Bauverein stehe vor großen Herausforderungen. In einem Gespräch mit dieser Zeitung teilte der Vorstand in dieser Woche mit, dass auf die Mieter der 1675 Bauvereinswohnungen in und um Leer eine Mieterhöhung von 5,5 Prozent zukommt.
Was und warum
Darum geht es: Der Bauverein in Leer erhöht seine Miete um 5,5 Prozent. Der Grund sind vor allem Kosten für anstehende Sanierungen.
Vor allem interessant für: Mieter des Bauvereins
Deshalb berichten wir: Der Bauverein ist der größte Vermieter in Leer. Die Autorin erreichen Sie unter: n.nording@zgo.de
Ab wann wird die Miete erhöht?
Ab Juni werden die Kaltmieten teurer. In der Regel erhöht der Bauverein alle zwei Jahre seine Mieten. In der Corona-Zeit verschob die Genossenschaft eine Erhöhung. Die letzte Mietanpassung war demnach 2021. Damals lag sie bei 2,5 Prozent. Der Quadratmeterpreis einer Wohnung beim Bauverein lag bisher bei 4,98 Euro. „Mit unseren Mieten bewegen wir uns für Leer noch immer auf einem niedrigem Niveau“, sagt Tooren. Künftig werde man für eine etwa 60 Quadratmeter große Wohnung statt 298 Euro, 314 Euro Kaltmiete zahlen, rechnet er vor. Einige Bauvereinswohnungen hätten eine Mietpreisbindung, die seien nicht betroffen, erklärt Tooren. Alle anderen Mieter würden in den nächsten Tagen informiert.
Warum wird erhöht?
„Wir erhöhen im Sinne der Genossenschaft“, sagt Tooren. Der Bauverein müsse seine rund 200 Gebäude stetig sanieren – vor allem energetisch. „Die Bundesregierung und die EU zwingen uns dazu, zu handeln“, sagt Tooren. Klarer Grund für die Steigerung, die deutlich höher ist als vergangene Mieterhöhungen, sind die gestiegenen Kosten für Bauen, Materialien und auch Zinsen. Die politischen Vorgaben, die der Bauverein in den nächsten Jahren bewältigen muss, seien anspruchsvoll und teuer. „Allein für den Hydraulischen Abgleich in den Wohnungen müssen wir mit 1,2 Millionen Euro Kosten rechnen“, sagt Exner. In der Regel gehe man beim Bauverein von drei Millionen Euro pro Jahr für Instandhaltungskosten aus. Auch der Einsatz von erneuerbarer Energie und die Optimierung bei den Gebäudeeffizienzklassen stellten den Verein vor Herausforderungen. Wenn zum Beispiel von der EU entschieden würde, dass alle Gebäude bis 2033 auf den Stand einer Energieeffizienzklasse von A bis D saniert werden müssten, um sie zu vermieten, hätte das heftige Folgen für den Bauverein. „Im schlimmsten Fall müssten wir dann 27 Gebäude im Jahr sanieren“, sagt Exner. Der Großteil des Bauverein-Bestands komme aus den 1970er Jahren und älter. „Die Zeitvorgaben sind nicht umsetzbar. Uns ist bewusst, dass wir im Sinne des Klimaschutzes reagieren müssen, aber die Lage derzeit ist toxisch“, sagt Tooren.
Warum muss so viel gemacht werden?
Geschlafen habe der Bauverein in den vergangenen Jahren in Sachen Sanierung nicht, betont Exner, technischer Vorstand. Man habe stetig saniert und dennoch einen Sanierungsstau. Da der Bauverein aber keine anderen Einnahmequellen als die Mieten habe, müssten nun die Mitglieder der Bauverein-Genossenschaft ran. „Das ist der Genossenschaftsgedanke“, sagt Tooren, kaufmännischer Leiter. Der Bauverein plant, eine Ist-Analyse des Bestandes vorzunehmen. Danach würde geprüft, wo welche Maßnahmen sinnvoll seien und es Einsparmöglichkeiten gebe. „Einfach planlos anfangen geht nicht“, betont Tooren. Er macht deutlich: Schönheitssanierungen, wie Hauseingänge oder Badezimmer werde es zunächst nicht geben. „Die energetischen Vorgaben haben nun Vorrang“, so Tooren.
Was passiert, wenn Mieter nicht zahlen können?
Für die Mieter sei die Erhöhung dennoch eine Belastung, darüber sei sich der Vorstand bewusst. Gerade, weil beim Bauverein auch Menschen mit geringem Einkommen eine Wohnung hätten. Für diejenigen, bei denen es nun eng werde, habe der Bauverein ein umfangreiches Beratungsangebot. „Wir liefern alle Informationen mit, damit zum Beispiel Wohngeld beantragt werden kann“, sagt Tooren. Wer dennoch mit der Erhöhung nicht klar komme, solle sich an den Bauverein wenden. „Wir versuchen, etwas möglich zu machen“, sagt Tooren.