Verkehrsstatistik im Oldenburger Münsterland Zu hohes Tempo bleibt Unfallursache Nummer eins
Der Bleifuß ist in den Landkreisen Cloppenburg und Vechta auch 2022 der häufigste Grund für einen Verkehrsunfall gewesen. Das galt besonders bei schweren Unfällen außerhalb geschlossener Ortschaften.
Cloppenburg - Auf den Straßen im Oldenburger Münsterland sind im Jahr 2022 insgesamt 6606 Unfälle passiert. Das zeigt die am Mittwoch veröffentlichte Unfallstatistik der Polizeiinspektion Cloppenburg/Vechta. Damit ist die Gesamtzahl der Unfälle mit Blick auf das Vorjahr leicht gestiegen (2021: 6489).
Etwas gesunken ist hingegen die Zahl der tödlichen Unfälle: Bei 17 Unfällen sind demnach 19 Menschen verstorben. Acht der Verkehrstoten starben bei Unfällen im Landkreis Cloppenburg, davon alleine drei bei einem schweren Unfall in der Gemeinde Lastrup. Im Jahr zuvor hatten sich im gesamten Oldenburger Münsterland 19 Unfälle mit 21 tödlich Verletzten ereignet.
Ein Unfalltoter 2022 in Friesoythe
Das Unfallgeschehen im Nordkreis Cloppenburg sein im Großen und Ganzen ein Abbild der Gesamtstatistik, erklärte Jürgen Kuhlmann. Der 58-jährige Erste Polizeihauptkommissar ist Leiter des Kommissariats in Friesoythe. Was tödliche Unfälle betrifft, habe der Nordkreis Cloppenburg im Vergleich zum Gesamtgebiet der Inspektion, den beiden Landkreisen Cloppenburg und Vechta, mit nur einem einzigen, tödlich verlaufenen Unfall 2022 zwar gut abgeschnitten. Doch manchmal, schildert Kuhlmann, sei es vom schwerverletzten Unfallopfer bis zum Unfalltoten nur ein kleiner Schritt, und es sei oft nicht absehbar, ob jemand, der einen schweren Verkehrsunfall erlitten hat, später an dessen Folge sterbe.
Im gesamten Oldenburger Münsterland ereigente sich bis auf zwei Ausnahmen im vergangenen Jahr alle tödlichen Unfälle außerhalb geschlossener Ortschaften – hauptsächlich, weil die Autofahrer mit einer nicht angepassten Geschwindigkeit unterwegs waren. So verhält es sich auch bei dem tödlichen Unfall in Friesoythe, bei dem ein 27-jähriger Autofahrer auf der Kreisstraße 147 mit überhöhter Geschwindigkeit gegen einen Baum gefahren war.
Je höher das Tempo, desto schlimmer die Verletzungen
„Bei vier von neun Verkehrsunfällen, bei denen die Unfallursache aufgeklärt werden konnte, ist nicht angepasste Geschwindigkeit als Unfallursache festgestellt worden“, heißt es im Analysebericht der Polizei. Allerdings sei hier ein abnehmender Trend erkennbar. Während im vorigen Jahr 260 Unfälle wegen nicht angepasster Geschwindigkeit passiert sind, lag die Zahl im Jahr 2016 mit 504 Tempo-Unfällen noch deutlich höher.
„Je höher das Tempo, umso schwerwiegender die Verletzungen. Um dem etwas entgegenzusetzen, sind weiterhin Geschwindigkeitskontrollen an den Unfallschwerpunkten, auch natürlich auf Landstraßen, unerlässlich“, verdeutlicht der Cloppenburger Polizeidirektor Walter Sieveke. Er kündigte, mit Blick auf die aktuelle Statistik, an, dass die Polizei präventiv besonders Fahranfänger ansprechen wolle. Besonders die Altersgruppe der jungen Erwachsenen ist nach wie vor auffällig im Zahlenwerk: So konnten in der Gruppe der 18- bis 24-Jährigen insgesamt 236 Verkehrsunfälle verzeichnet werden, in der nächsten Altersgruppe, die der 25- bis 34-Jährigen, konnten 257 und bei den 45- bis 54-Jährigen 205 Verkehrsunfälle gezählt werden. In den darauffolgenden Altersgruppen ist die Beteiligung an Verkehrsunfällen weiter abnehmend.
Alkohol, Drogen und Ablenkung ebenfalls Unfallgründe
Alkohol und Drogen sind die Hauptursache für Unfälle, bei denen Menschen schwer verletzt worden sind. Im Jahr 2002 sind es 247 Schwerverletzte bei 192 Unfällen gewesen (2021: 212 Unfälle mit 261 Schwerverletzten) – auch hier ist also ein leichter Rückgang gegenüber dem Vorjahr zu verzeichnen gewesen. In 42 Fällen standen Autofahrer unter dem Einfluss berauschender Mittel, in 23 Fällen waren die Unfallverursacher zu schnell unterwegs.
Nicht zu unterschätzen sei bei den Unfallursachen die Ablenkung durch elektronische Geräte, macht Friesoythes Kommissariatsleiter Kuhlmann deutlich. Das fange an beim Hantieren mit dem Handy hinterm Steuer. Aber abgelenkt würden Autofahrer auch durch ein großes Display im Wagen mit vielen Funktionen. „Alles, was vom Autofahren ablenkt, führt dazu, dass man sich in wenigen Sekunden mit seinem Auto etliche hundert Meter vorwärtsbewegt, ohne den Blick auf der Fahrbahn zu haben“, schildert Kuhlmann.
Vorfahrt missachtet und zu wenig Abstand gehalten
Etwas höher als im Vorjahr liegt im Oldenburger Münsterland die Zahl der Unfälle mit Leichtverletzten. Bei 957 Unfällen sind laut Statistik 1299 Personen leicht verletzt worden (2021: 899 Unfälle mit 1199 Leichtverletzten). Hier sind es vor allem Vorfahrtverstöße (62). In 54 Fällen waren die Unfallverursacher zu schnell unterwegs. Dahinter folgen Alkohol und Drogen am Steuer, Fehler beim Abbiegen und ein zu geringer Abstand zum Vordermann als Unfallursachen.
Von Jahr zu Jahr entwickelt sich offenkundig eine weitere Risikogruppe im Straßenverkehr: Fahrrad- und Pedelec-Fahrer sind im vergangenen in 559 Unfälle verwickelt gewesen (2021: 489). 59 Personen sind dabei schwer verletzt worden. „Ihnen fehlt die sogenannte Knautschzone, die sie im Auto haben. Sie können sich auf jeden Fall besser schützen, indem sie einen Sturzhelm tragen. Dieser kann die Gefahr schwerer Kopfverletzungen deutlich absenken“, mahnt Ingo Vogt, Sachbearbeiter Verkehr bei der Polizei.
Bundesstraßen im Nordkreis wenig unfallträchtig
Im vergangenen Jahr sind laut Polizeiangaben 1467 Wildunfälle in den Landkreisen Cloppenburg und Vechta passiert. Das entspricht einem Anteil von rund 22 Prozent aller registrierten Unfälle im letzten Jahr. Die erfreuliche Nachricht: In nur zehn Fällen sind dabei Menschen verletzt worden – und diese Unfälle sind offenbar auch nur durch missglückte Ausweichmanöver passiert.
Im Nordkreis Cloppenburg befinden sich keine besonders unfallträchtigen Strecken. Das weist der Blick in den interaktiven Online-Unfallatlas aus, den die Statistischen Ämter von Bund und Ländern zusammenstellen. Auf dieser Internet-Landkarte sind alle Straßen rund um Friesoythe, Barßel und dem Saterland dunkel- oder mittelblau - Farben, die für ein geringes Unfallaufkommen stehen.
Auf der Bundesstraße 401, die am Küstenkanal entlangführt, komme es zwar durchaus zu Unfällen, erläutert Jürgen Kuhlmann. Allerdings seien davon die Landkreise Ammerland und Emsland, durch die die Bundesstraße ebenfalls führt, intensiver betroffen als der Abschnitt im Nordkreis Cloppenburg. Auch auf der Bundesstraße 72 habe es im vergangenen Jahr dort keine gravierenden Unfälle gegeben - anders als 2021, als sich auf der Strecke zwei tödliche Unfälle ereignet hatten.
Pandemie senkte auch 2022 Anzahl der Unfälle
Wie die Polizei mitteilt, müsse bei der Entwicklung des Unfallgeschehens im Oldenburger Münsterland noch immer der Effekt der Pandemie berücksichtigt werden. Es waren auch 2022 weniger Menschen auf den Straßen unterwegs. Betrachtet man die Zahlen von 2019, ist ein signifikanter Rückgang beim Unfallgeschehen festzustellen. Damals waren noch 7157 Unfälle auf den Straßen der Landkreise Cloppenburg und Vechta registriert worden. „Bei der Entwicklung der Verkehrsunfallzahlen sehen wir uns auf einem guten Weg. Die Zahl der schweren Folgen hat sich verringert“, hebt Inspektionsleiter Jörn Kreikebaum am Mittwoch hervor. Sein Kollege Kuhlmann aus Friesoythe will von einer Trendwende nicht sprechen. Ob sich die Entwicklung fortsetze, bleibe abzuwarten, sagte der Kommissariatschef vom Grünen Hof.Autofahrer im Wagen eingeklemmt
Überhöhte Geschwindigkeit weiter eine Hauptunfallursache
Auf der Bundesstraße 438 kracht es am häufigsten