Hamburg  Ich habe Olaf Scholz getroffen – und es völlig vermasselt

Marie Busse
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Von Marie Busse
| 22.04.2023 12:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Ein paar Tage später nach dem Treffen mit dem Kanzler hat Marie Busse ein Selfie gemacht – aber ohne Olaf Scholz. Foto: Marie Busse
Ein paar Tage später nach dem Treffen mit dem Kanzler hat Marie Busse ein Selfie gemacht – aber ohne Olaf Scholz. Foto: Marie Busse
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Mitte April war der Kanzler mal nicht in Berlin, sondern in Hamburg unterwegs. Unsere Autorin Marie Busse hat ihn fast mit dem Fahrrad angefahren. Sie konnte den Bundeskanzler in ein kurzes Gespräch verwickeln – mit enttäuschendem Ausgang.

Am Freitag ist mein Sporttag. Beim letzten Mal war der Kurs besonders anstrengend und ich sehr verschwitzt, als ich auf mein Fahrrad stieg, um nach Hause zu fahren. Nach ziemlich genau 49 Metern und um ziemlich genau 18.07 Uhr musste ich eine Vollbremsung hinlegen. Vor mir stand: Olaf Scholz. Begleitet von zwei Sicherheitsbeamten und einer weiteren Frau überquerte er die Straße.

Geistesgegenwärtig rief ich: „Herr Scholz, wie schön, Sie zu sehen“ und streckte meine Hand aus. Der Kanzler blieb tatsächlich stehen und lächelte mich ungefähr so an: 

Ich stellte mich kurz vor und fragte Scholz, ob wir ein Foto machen könnten. Der Kanzler kam zu mir rüber und nahm neben mir schon mal die Selfie-Position ein. Das hat er nicht zum ersten Mal gemacht, dachte ich, als ich in meinen Taschen nach meinem Handy wühlte. Seine Mitarbeiterin rief von der Autotür: „Wir müssen jetzt langsam los“, zwei Passanten riefen eher leise „Olaf, Olaf, Olaf“. Der Bundeskanzler sagte: „Jetzt machen Sie aber auch das Foto.“

Ich dachte an meinen Aufbruch zum Sport und meinen Vorsatz, nicht ständig am Handy zu sein. Nichts anmerken lassen, dachte ich und sagte: „Herr Scholz, ich habe mein Handy gar nicht dabei, aber ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende. Vielleicht klappt es beim nächsten Mal.“

Der Bundeskanzler stieg in die Limousine und ich auf das Fahrrad. An der nächsten Ampel fragte der Fahrradfahrer neben mir: „Kennen Sie Herrn Scholz persönlich?“ Leider nein, musste ich zugeben. Ich hätte einfach nur gern ein Foto mit ihm gehabt. 

Wieder zuhause schnappte ich mir direkt mein Handy und rief diverse Freunde, Kollegen und Bekannte an. Ich hatte gelesen, dass Zeugen besonders glaubwürdig sind, wenn sie direkt nach dem Ereignis davon berichten. Wenn ich schon kein Foto habe, das ich auf Instagram teilen kann, dann erzähle ich die Geschichte eben ganz analog. Und wirklich jede Person fragte bislang: „Warum hattest du denn kein Handy dabei?” 

Und es gab noch andere Vorschläge, wie ich meine Zeit mit dem Kanzler hätte nutzen sollen. „Hast du gefragt, ob es eine Migrationskrise gibt?”, „Hast du gefragt, was er über Cum Ex wusste?”, und „Hast du ihn gefragt, was er überhaupt da wollte?”.

Das habe ich natürlich alles nicht. Aber ich habe eine Vermutung, was er gemacht hat. In der Straße, in der ich ihn getroffen habe, ist die Lieblingsboutique seiner Ehefrau. Ihr Kleid für den G7-Gipfel hat sie dort gekauft. Vielleicht wollte der Kanzler einfach ein Geschenk besorgen.

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