Puppenstuben Vom Rauchfang bis zum Hühnerstall - alles in klein
Elise Andresen-Bunjes sammelt historische Puppenstuben. In der Mühle ihres Wohnorts Mitling-Mark zeigt sie jetzt Puppenküchen. Den Betrachter erwartet eine Zeitreise durch 100 Jahre Küchenkultur.
Mitling-Mark - In Mitling-Mark, einer ruhigen Ortschaft direkt an der Ems, wohnt Elise Andresen-Bunjes, die vor rund zehn Jahren wieder nach Ostfriesland gezogen ist. Die gebürtige Ostfriesin hat das Gulfhaus ihrer Urgroßeltern wieder hergerichtet und, wie man so schön auf Platt sagt, „kommodig“ eingerichtet.
In dem Haus befinden sich weitaus mehr Stuben als in anderen Gebäuden: Andresen-Bunjes sammelt Puppenstuben. Deren Anfänge reichen zurück bis in das 16. Jahrhundert. Vor allem waren diese Puppenhäuser bei wohlhabenden Männern beliebt. Erst in der Mitte des 18. Jahrhunderts wurden Puppenstuben bei Kindern beliebter. Diese Spielzeuge sollten erzieherisch wirken. Vor allem Mädchen sollten in den Puppenstuben und -küchen auf das Erwachsenenleben vorbereitet werden. Für Jungen gab es Werkstätten oder Bahnhöfe. Der Stil der Puppenstuben und -küchen passte sich dem seiner großen Vorbilder an. So finden sich Biedermeier, Gründerzeit und Jugendstil auch en miniature wieder.
Viel auf Flohmärkten unterwegs
Mehr als 100 Puppenstuben und -küchen hat Andresen-Bunjes in vier Jahrzehnten zusammengetragen. Jedes Möbelstück ist original. Als Kind wollte die Ostfriesin immer mit Puppenstuben spielen. Eine Klassenkameradin besaß eine, und bei jeder Gelegenheit saßen die beiden Mädchen davor und spielten damit. Zu diesem Kindheitswunsch kam auch die Freude an historischen Gegenständen, die von gelebtem Leben zeugen sowie die Freude von Andresen-Bunjes an Einrichtung und Innenarchitektur.
Leicht war es für sie nicht, so viele Puppenstuben im Originalzustand zu akquirieren. Kaum eine Puppenstube war vollständig, denn die Miniaturheime wurden oft weitervererbt und renoviert, wobei einiges verloren gehen konnte. Dementsprechend mussten einzelne Möbel und Gegenstände mühsam gesammelt werden. Dafür besuchte Andresen-Bunjes Antikmärkte, Flohmärkte und Auktionen. Einmal wurde sie sogar im Sperrmüll fündig. Mittlerweile ist auch das Internet eine gute Möglichkeit, um ihre Sammlung zu erweitern.
Wiedersehen mit der Küche der Kindheit
Eine kleine Ausstellung von acht ihrer Puppenküchen kann man in „Omas Küche“ in der Mühle in Mitling-Mark besuchen. Der Betrachter erlebt dabei eine kleine Zeitreise durch Küchenmoden und Küchentechnik von der Mitte des 19. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts.
Es gibt viel zu lernen, und vieles wiederzuerkennen aus den Küchen der eigenen Kindheit. Viele Gäste würden feststellen: „ So sah es bei uns zu Hause auch aus“, oder „das kenne ich von meinen Großeltern“, erzählt Andresen-Bunjes. Begleitet sind die Szenerien von Info-Täfelchen.
2016 und 2020 stellte die Markerin ihre Sammlung in der Evenburg in Leer-Loga aus. Diese Ausstellung war deutlich größer und stieß auf unglaubliche Resonanz. Noch nie sei es so voll in der Evenburg gewesen, hätten die Verantwortlichen ihr erzählt, berichtet die Sammlerin stolz. 2021 zeigte sie einen Teil ihrer Puppenküchen auf Norderney.
Platz gesucht für kulturelles Lebenswerk
Eine solche Ausstellung vorzubereiten und zu begleiten, ist mit sehr viel Aufwand verbunden - selbst für die sehr fitte 74-Jährige. Die Energie dafür bringt sie auf, weil sie es zu schade fände, wenn ihre umfangreiche Sammlung auf dem Dachboden verstauben würde. Andresen-Bunjes wünscht sich, dass ihre Sammlung in Ostfriesland einen Platz findet und ihr Lebenswerk aus Kultur und Geschichte die hiesige kulturelle Schatzkiste erweiterte.