Wedel Erste Stadt im Norden setzt auf 4-Tage-Woche – wo das Arbeitsmodell noch gilt
Die 4-Tage-Woche kann für Angestellte vorteilhaft sein, aber auch Nachteile mit sich bringen. Als erste Kommune nutzt die Stadt Wedel in Schleswig-Holstein das Arbeitszeitmodell. Welche Varianten es gibt und wo in Norddeutschland Betriebe bereits darauf setzen.
Die Stadt Wedel in Schleswig-Holstein übernimmt beim Kampf gegen Fachkräftemangel die Vorreiterrolle: Noch im laufenden Jahr wird die 4-Tage-Woche für Mitarbeiter der Stadt eingeführt. Deutschlandweit ein Novum im öffentlichen Dienst.
Keine Änderung beim Arbeitsentgelt, die volle wöchentliche Arbeitszeit von bis zu 41 Stunden verteilt auf vier Tage, da wo es dienstlich möglich ist: So sieht Wedels Plan für das neue Arbeitszeitmodell aus. Laut Jörg Amelung, zuständiger Fachbereichsleiter Innerer Service in der Wedeler Verwaltung, trifft dies auf die weit überwiegende Zahl der Stellen zu. Arbeit am Sonnabend soll aus Gründen der Fürsorgepflicht tabu bleiben und weiter nur in Ausnahmefällen zugelassen werden.
Angesprochen auf die Vereinbarkeit mit geltenden Arbeitsschutzbestimmungen, teilte der Fachbereichsleiter mit, dass die Verteilung der vollen Arbeitszeit auf vier Tage bereits geprüft sei. „Tarif- und beamtenrechtlich ist das möglich“, so Amelung.
Eine Sprecherin des Deutschen Städtetages sagte der Deutschen Presse-Agentur, ein Modell wie in Wedel sei ihr aus einer anderen deutschen Stadt nicht bekannt. Der Verband habe aber auch keinen vollständigen Überblick. Aus dem schleswig-holsteinischen Gemeindetag hieß es, es stellten sich rechtliche Fragen, zum Beispiel zur täglichen Höchstarbeitszeit. Ähnliche konkrete Vorhaben im Land seien nicht bekannt.
Auch interessant: Wie gesund ist die Vier-Tage-Woche? Interview mit einer Expertin
Die Verteilung der vollen Arbeitszeit auf weniger Tage – wie in Wedel – ist ein Modell bei der 4-Tage-Woche – es gibt aber noch weitere.
Eine zweite Variante der 4-Tage-Woche sieht weniger Wochenarbeitszeit, aber auch weniger Gehalt vor. Durchaus erfreulicher für Beschäftigte gestaltet sich die dritte Möglichkeit: Die Wochenarbeitszeit sinkt, das Gehalt bleibt gleich.
Eine 4-Tage-Woche mit verkürzter Arbeitszeit hatte auch die IG Metall gefordert. Konkret solle die Wochenarbeitszeit von 35 auf 32 Stunden sinken; durch Umstellung der Dienst- und Schichtpläne entstehe so eine 4-Tage-Woche. Auf Arbeitgeberseite stieß die Forderung jedoch auf Ablehnung. Eine solche Vereinbarung würde „zu einer exorbitanten Kostensteigerung“ führen und somit „zu einer Verschlechterung der Wettbewerbsposition“, sagte der Vorstand des Arbeitgeberverbands Stahl, Gerhard Erdmann, der „Bild“-Zeitung.
Ein sechsmonatiges Pilotprojekt aus Großbritannien setzte ebenfalls auf eine 4-Tage-Woche bei voller Bezahlung. Das Ergebnis: Eine deutliche Mehrheit der beteiligten Firmen wollte an dem Konzept festhalten.
Der „Norddeutsche Rundfunk“ (NDR) listet in einem Bericht Betriebe aus Norddeutschland auf, die sich für Modelle der 4-Tage-Woche entschieden haben. Demnach bietet eine Software-Firma aus Hamburg statt 40 Stunden eine 32-Stunden-Woche an. Im niedersächsischen Nordstemmen erhöht ein Dachdecker-Betrieb die tägliche Stundenanzahl von acht auf zehn. Ähnlich verfährt ein weiterer Handwerksbetrieb: Bei dem Tischlermeister aus Hamburg sollen die Beschäftigten ebenfalls zehn Stunden pro Tag arbeiten. Beträgt die Anzahl der geleisteten Arbeitsstunden am Ende etwas weniger, etwa 36 oder 37, wird trotzdem das volle Gehalt gezahlt.
In Mecklenburg-Vorpommern ist das Interesse an einer 4-Tage-Woche laut Axel Fick vom Kompetenzzentrum „mv works“ bislang noch „überschaubar“, wie er gegenüber dem NDR berichtet. Fick weist aber auch daraufhin, dass es kaum noch Bereiche gebe, in denen eine 4-Tage-Woche oder andere flexible Arbeitszeitmodelle nicht vorstellbar seien.
Wie wichtige flexible Arbeitszeiten mittlerweile für Arbeitnehmer sind, zeigt eine Auswertung des Portals „Statista“ auf Basis einer Erhebung der Jobbörse Stepstone. Demnach ist dies der entscheidende Punkt bei der Wahl eines Arbeitgebers.
Als Pionier der 4-Tage-Woche gilt der Bielefelder Lasse Rheingans. Der Familienvater hatte in seiner Agentur Rheingans Digital Enabler im November 2017 zunächst als Experiment den Fünf-Stunden-Tag bei gleichem Gehalt eingeführt. Seine Erfahrungen beschrieb der Unternehmer in dem Buch „Die 5-Stunden-Revolution“.
Die Kanzlei von Steuerberater Erich Erichsen aus Schenefeld in Schleswig-Holstein hat für das fünfköpfige Team eine neue Arbeitszeitrechnung eingeführt. Von der üblichen 38,5-Stunden-Woche wurde kurzerhand auf 25 Stunden umgeschaltet – ohne das Gehalt zu kürzen.
Lesen Sie auch: Das sind die Auswirkungen einer 4-Tage-Woche auf Angestellte und Firmen
Welcher Tag bei einer 4-Tage-Woche frei ist, wird unterschiedlich gehandhabt. Es muss nicht immer der Freitag sein, auch wenn dieser für ein langes Wochenende durchaus infrage kommt und auch genommen wird. In Abstimmung mit dem Arbeitgeber können Angestellte ihren freien Tag auch selbst wählen. Zu beachten ist: Arbeitgeber können nicht ohne Weiteres die Arbeitszeit reduzieren, sondern das Modell sollte mit einem Betriebsrat oder dem Team ausgehandelt werden. Zudem dürfen nicht für einzelne Mitarbeiter unterschiedliche Regelungen gelten.