Holthusen Marie Krethe vermietet ihr Wohnmobil an wildfremde Camping-Fans
Marie Krethe aus Mecklenburg-Vorpommern hat ein Wohnmobil gekauft – für eigene Reisen und für andere Abenteurer. Über die Plattform „Paulcamper“ können Urlauber ihren oder andere Camping-Vans mieten.
Camper Homi ist abfahrbereit. Das silber-schwarze Wohnmobil von Marie Krethe steht am Schweriner See und wartet auf die nächsten Abenteurer. Außenaufnahmen und Fotos der Küchenzeile mit Gaskocher, WC mit Dusche und Zwei-Meter-Bett reihen sich im Online-Profil neben Fahrzeugdaten und Mietbedingungen. Homi kann man mieten: nicht bei einem Wohnmobilverleiher, sondern direkt bei Marie Krethe aus Holthusen. Seit drei Jahren bietet die 33-jährige Sachbearbeiterin ihr Wohnmobil auf der Plattform „Paulcamper“ wildfremden Menschen zum Ausleihen an.
„Paulcamper ist Airb‘n‘b für Wohnmobile und Campervans“, sagt Dirk Fehse, Gründer von „Paulcamper“. „Es ist ein Vermittler zwischen Menschen, die Wohnmobile besitzen und nicht nutzen, und denen, die gern im Wohnmobil Urlaub machen möchten und keins besitzen.“
Camper-Sharing nennt es der Berliner, dessen Plattform mittlerweile 13.000 Fahrzeuge in Deutschland, Österreich, Großbritannien und den Niederlanden zwischen Privatpersonen vermittelt. In Mecklenburg-Vorpommern bieten 194 Vermieter 222 Wohnmobile, Wohnwagen und Camper an. Eine der „Owner“ ist Marie Krethe.
Vor drei Jahren hatte die Holthuserin mit ihrem Mann das Wohnmobil gekauft. Bereits bei der Anschaffung planten sie die Vermietung. „Es ist eine gute Möglichkeit, um die Kosten des Fahrzeugs zu decken“, sagt sie und ergänzt: „Es wäre zu schade, wenn er steht. Deshalb teilen wir.“ In den Herbstferien 2020 unternahm die vierköpfige Familie den ersten Campingurlaub mit Homi, direkt im Anschluss starteten die ersten Mieter ihre Touren.
Das Wohnmobil ist begehrt. „In den vergangenen zwei Jahren waren wir von April bis Oktober fast ausgebucht“, sagt Marie Krethe. In den Sommermonaten ist das Wohnmobil drei, vier Wochen am Stück unterwegs, im Frühjahr und Herbst wochenweise oder über ein verlängertes Wochenende. Mal buchen Paare, mal alleinerziehende Mütter mit Kind, mal Familien. Sie kommen aus Schwerin, Rostock und Umgebung und reisen mit Homi nach Norwegen, Schweden, Süditalien oder durch ganz Europa.
Schlafplätze gibt es dank Aufstelldach für vier Personen, dazu WC, Dusche, Campingmöbel und eine vollausgestattete Campingküche, „vom Flaschenöffner bis Teekessel“. Mitbringen müssen die Urlauber nur Kleidung, Handtücher und Bettzeug.
Drei Wochen im Sommer ist Homi für Marie Krethe und ihren Familienurlaub geblockt. „Seit zehn Jahren sind wir jedes Jahr auf Campingplätzen unterwegs“, erzählt sie. 2013 hatten ihnen Bekannte einen alten Wohnwagen angeboten, 2020 sind sie auf das Wohnmobil umgestiegen. „Wir wollten mal weiter fahren und größere Rundreisen machen.“ Mittlerweile bereisten sie schon Österreich, Italien und Kroatien. „Skandinavien steht auf der To-do-Liste.“
In MV haben sie drei Lieblingscampingplätze, die sie über Pfingsten, Himmelfahrt oder spontan, wenn das Wohnmobil mal frei ist, besuchen: den in Kühlingsborn, in Ückeritz auf Usedom und in Havelberge an der Seenplatte. Gerade überlegen sie, sich wieder einen Wohnwagen anzuschaffen, denn „das Wohnmobil ist viel vermietet und wir können uns vorstellen, eine längere Zeit auf dem Campingplatz zu stehen.“
Familie Krethe sind begeisterte Camper. „Man ist viel mehr draußen, findet auf den Campingplätzen immer Anschluss und ist flexibler, denn man fährt einfach weiter, wenn es einem nicht mehr gefällt“, sagt Marie Krethe. Auch für ihre sechs- und neunjährigen Kinder sei Camping toll. „Während wir aufbauen, haben die Kinder schon neue Freundschaften geschlossen.“
Diese Begeisterung teilt auch „Paulcamper“-Gründer Dirk Fehse. Mit dem Camper zu reisen, sei „die schönste Art zu reisen, weil es einfach Freiheit ist.“ Die meisten Urlauber, die über die Plattform buchen, leben zum allerersten Mal im Wohnmobil und wollen Vanlife testen, bevor sie selbst einen Bulli anschaffen oder ausbauen, berichtet der CEO.
Holthuserin Marie Krethe steht auf der anderen Seite der Vermietung und ist „super zufrieden“ mit „Paulcamper“: „Man braucht keine extra Werbung für das Auto machen und ist versicherungstechnisch abgesichert.“ Am Freitag geht Wohnmobil Homi wieder auf Reisen. Und auch Familie Krethe plant ihre nächsten Touren: „In diesem Jahr gehts auf jeden Fall auf den Campingplatz Havelberge.“ Und im Sommer an die norwegischen Fjorde.