Drei Tipps vom Meister  Windige Anzeigen? Dachdecker aus Leer klärt über Betrüger auf

Vera Vogt
|
Von Vera Vogt
| 18.04.2023 11:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Betrüger geben sich als Dachdecker aus. Symbolfoto: Pixabay
Betrüger geben sich als Dachdecker aus. Symbolfoto: Pixabay
Artikel teilen:

Ob im Internet-Portal oder an der Haustür: Betrüger geben sich als Dachdecker aus und ziehen ihre Opfer über den Tisch. Ein echter Dachdecker gibt drei Tipps, wie man falsche Fünfziger erkennt.

Ostfriesland - Ganz schnell muss es gehen, die Schäden am Dach sind schlimm. Die Angebote günstig und dann kommt das dicke Ende. Betrüger geben sich immer wieder als Handwerker aus, um ihre Opfer über den Tisch zu ziehen. Es kursierten in den vergangenen Wochen unterschiedliche windige Anzeigen beim Portal Ebay-Kleinanzeigen: „Dachdecker, schnell und günstiger“ oder „Dachdecker hatte Termin frei“ waren die Titel. Unter anderem in Rhauderfehn gab es „Angebote“, Tage später waren alle wieder verschwunden. Fälle, in denen sich Betrüger als Handwerker ausgeben, gebe es immer wieder, erklärt Svenia Temmen, Sprecherin und Beauftragte für Kriminalprävention bei der Polizei Leer/Emden.

Was und warum

Darum geht es: Im Internet kursierten wieder windige Anzeigen. Das sagt ein echter Dachdecker über die falschen Fünfziger.

Vor allem interessant für: Hausbesitzer

Deshalb berichten wir: Wir sind über Fake-Anzeigen gestolpert, haben bei Facebook von Fällen gelesen, in denen Betrüger vom Grundstück geworfen werden mussten.

Die Autorin erreichen Sie unter: v.vogt@zgo.de

Das weiß auch Dachdecker-Meister Uwe Gasch. Er ist seit 45 Jahren im Geschäft, führt seit 21 Jahren ein Unternehmen in Leer und ist sauer auf die falschen Handwerker. „Eine ältere Dame aus Hamburg rief bei mir an. ‚Herr Gasch, wann kommen Sie?‘, fragte sie mich. Ich konnte mir nicht erklären, wie ein Auftrag in Hamburg hätte zustande kommen sollen. Sie sagte, es seien aber Leute da gewesen, wie genau das Unternehmen hieß, wusste sie nicht mehr. Klang aber ähnlich wie meines, sagte sie“, erinnert sich Gasch. „Dann musste ich ihr erklären, dass wir das nicht gewesen sind, da hatte sie den Betrügern schon 3000 Euro gegeben. Da konnte ich nicht mehr helfen“, sagt er. Das mache ihn wütend und auch traurig. „Diese Betrügereien sind unmöglich.“

Rat eines echten Dachdeckers

Die Anruferin konnte er nicht mehr warnen, aber er hat einige Tipps, wie man echte Handwerker von den falschen Fünfzigern unterscheiden kann:

  • 1) Wer klingelt und sich aufdrängt, meint es nicht gut.
  • 2) Wenn auf dem Fahrzeug nur eine Handynummer, aber keine Festnetznummer und keine Adresse zu finden ist, sollte man vorsichtig sein.
  • 3) Vertrauenswürdige Handwerker fordern kein Bargeld auf die Hand.

Klingeln Dachdecker denn überhaupt an Türen? „Ja, das kommt schon vor“, sagt Gasch. „Als Handwerker geht man mit einem wachen Auge durch die Welt. Wenn einem ein Schaden auffällt, macht man die Menschen schon darauf aufmerksam.“ Aber: „Wir würden uns nie aufdrängen. Wir lassen eventuell ein Kärtchen da, aber jeder soll überlegen, ob und von wem er etwas reparieren lassen möchte“, sagt er.

Rat der Polizei

Die Maschen der Betrüger sind derweil verschieden. „Sie machen den Opfern Angst, indem sie ihnen einreden, dass es einen schlimmen Schaden gibt, den sie unbedingt sofort reparieren lassen müssen“, sagt Polizistin Temmen. Es würden dreistellige Kosten versprochen. „Nach der Zusage geht es schnell in den vierstelligen Bereich und es wird unheimlich viel Druck ausgeübt, um das Geld herauszupressen“, sagt sie. Mit echten Handwerkern aus der Region habe das so rein gar nichts zu tun. „Das muss man streng unterscheiden“, sagt sie. Manchmal lenkten die Betrüger – die auch andere Arbeiten anbieten – ihr Opfer ab und bestehlen sie. Was also tun, wenn die Betrüger vor der Tür stehen?

  • 1) Breit in die Tür stellen und penetrante Angebote vehement ablehnen.
  • 2) Nicht reinlassen, Tür nicht offen stehen lassen.
  • 3) Wenn man sie nicht los wird: Anruf bei der Polizei androhen.

„Man kann gerne sagen, dass die Betrüger ihr Angebot mit der Polizei besprechen können, wenn sie nicht gehen“, sagt Temmen. Bei einem Anruf kämen die Beamten vorbei und klärten sie Situation. „Man darf ruhig selber sehr deutlich werden“, sagt sie. Es lohne sich immer, Bedenkzeit einzufordern. „Niemals an der Tür etwas unterschreiben“, rät sie. Es lohne sich ein Anruf oder ein Besuch bei einem echten Unternehmen in der Region, falls wirklich etwas kaputt sei. Bevor man Geld übergeben hat. Damit echte Handwerker noch etwas retten können.

Ähnliche Artikel