Den Haag  Eine letzte Party: Niederländer will seine eigene Beerdigung feiern

Helmut Hetzel
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Von Helmut Hetzel
| 14.04.2023 14:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Der Niederländer Jan Troost plant seine eigene Begräbnisfeier - auf der er selber eine Rede halten will. Foto: colourbox/Tormod Rossavik
Der Niederländer Jan Troost plant seine eigene Begräbnisfeier - auf der er selber eine Rede halten will. Foto: colourbox/Tormod Rossavik
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Der Niederländer Jan Troost hat nicht mehr lange zu leben. Sein letzter Wunsch: Er will seine eigene Pre-Begräbnisfeier – auf der er aus einem Sarg steigt und eine Rede hält.

Obwohl er schon seit seiner Kindheit an einer seltsamen Knochenkrankheit leidet, ist Jan Troost ein fröhlicher Mensch. Jetzt aber, ausgerechnet an seinem 65. Geburtstag am 3. April, erhielt er die Schocknachricht: Darmkrebs mit lauter Metastasen im Körper. Lange hat er nicht mehr zu leben. Dennoch bleibt er fröhlich: „Ik ben optimist tot in de kist.“ – Ich bin und bleibe ein Optimist bis ich im Sarg liege.

Nun hat Jan Troost einen kuriosen Plan. Er will seine Beerdigung selbst erleben und plant dafür eine Pre-Begräbnisparty. Und das ist kein verspäteter April-Scherz. „Ich kann doch nicht einfach so die Erde verlassen. Ich will wissen, wie das ist, wenn man beerdigt wird,“ so der letzte Wunsch des todkranken Optimisten Jan Troost. Er wird sich also in den Sarg legen und in einem Leichenwagen ins Kulturzentrum „De Lindenberg“ in Nimwegen zur Fake-Beerdigungszeremonie fahren.

Seine Familie und Freunde, alle werden da sein. Auf Wunsch von Jan spielen sie das Pre-Begräbnis mit. Sie werden Abschied von ihm nehmen. Während er aufgebahrt im Sarg liegt – aber noch alles miterlebt. Die Begräbniszeremonie wird in typisch niederländischem Stil stattfinden. Familienmitglieder und Freunde werden kurze Reden halten, Anekdoten aus dem Leben des Jan Troost erzählen, gemeinsame Erlebnisse schildern und sagen was er für ein Mensch war und wie sehr sie ihn vermissen werden. Die klassischen Beerdigungsreden also.

Jan ist neugierig, er will wissen, was seine Familie und Freunde über ihn sagen werden, wenn sie ihn eines Tages wirklich beerdigen müssen. Der Clou: Kurz vor Ende wird Jan aus dem Sarg steigen und selbst eine Rede halten. „Denn ich muss immer das letzte Wort haben,“ scherzt er.

Seine Tochter Jeske unterstützt ihren todkranken Vater bei der Umsetzung. Da Familie Troost die teure Beerdigungsfeier nicht aus eigener Tasche stemmen kann, hat Jans Tochter Jeske in den sozialen Medien eine Crowd-Funding-Aktion gestartet, um ihrem Vater seinen letzten Wunsch zu erfüllen.

Die Reaktionen sind überwältigend und die Spendenbereitschaft vieler Niederländer ist groß. Jeske hat bereits 12.000 Euro an Spenden gesammelt. Am Samstag, dem 22. April, kann in Nimwegen also die große Pre-Beerdigung für Jan Troost zelebriert werden. Auf Häppchen muss er allerdings verzichten, da er aufgrund des fortgeschrittenen Krebsstadiums bereits künstlich ernährt werden muss. Wein kann er – wenn überhaupt – höchstens noch mit Strohhalm trinken. Aber die Pre-Beerdigungsparty soll steigen. Und alle Anwesenden sollen Spaß haben. Das ist sein letzter Wunsch.

Wann die tatsächliche Beisetzung von Jan Troost stattfinden wird, wissen auch seine Ärzte nicht. Aber sie sind sicher: Lange hat er nicht mehr. Die zweite Beerdigung muss also auch geplant werden, soll aber etwas einfacher gehalten werden: „Ich brauche keine große Beerdigung und kein großes Fest mehr, wenn ich tot bin,“ so Jan Troost.

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