Energiewende  Windenergiebranche sieht sich im Aufwind

Martin Alberts
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Von Martin Alberts
| 13.04.2023 15:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Zwei Techniker warten eine Windkraftanlage vom Typ Enercon E92 im sächsischen Landkreis Zwickau. Der Auricher Konzern hofft, vom Ausbau der erneuerbaren Energien zu profitieren. Foto: Woitas/DPA-Zentralbild/DPA
Zwei Techniker warten eine Windkraftanlage vom Typ Enercon E92 im sächsischen Landkreis Zwickau. Der Auricher Konzern hofft, vom Ausbau der erneuerbaren Energien zu profitieren. Foto: Woitas/DPA-Zentralbild/DPA
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Hersteller von Windkraftanlagen hoffen, dass sie von den Plänen der Bundesregierung zum Ausbau der erneuerbaren Energien profitieren. Wie wirkt sich der Wandel beim Auricher Konzern Enercon aus?

Aurich/Hamburg/Hannover - Deutschland steht vor der großen Aufgabe der Energiewende: Am Sonnabend sollen auch die letzten drei Atomkraftwerke – darunter die Anlage im Emsland – vom Netz gehen. Die Zukunft soll stattdessen den erneuerbaren Energien gehören. Die Ampel-Koalition in Berlin hatte im vergangenen Jahr umfangreiche Maßnahmen beschlossen, um den Ausbau der erneuerbaren Energien aus Wind und Sonne zu beschleunigen – ein Schritt, der in der Windkraftbranche auf breite Zustimmung stößt.

Der Auricher Anlagenbauer Enercon, der in den vergangenen Jahren unter dem stockenden Ausbau der Windkraft an Land litt, sieht wieder eine bessere Perspektive: „Noch nie waren für Wind Onshore die mittel- und langfristigen Marktaussichten in Europa so vielversprechend wie heute“, teilte Unternehmenssprecher Felix Rehwald auf Anfrage mit. „Die ambitionierten Ausbauprogramme von Bundesregierung und EU (...) erscheinen als langersehnter Turbo, um den Zubau wieder auf Touren zu bringen.“

In Krisenjahren gingen in Ostfriesland Tausende Arbeitsplätze verloren

Die Energiewende lässt die Zuversicht in der Branche steigen – und auch den Personalbedarf: Die erwartete Verdoppelung der installierten Windkraftleistung bis 2030 „geht nicht ohne Aufstocken des Personals“, sagte der Geschäftsführer des Bundesverbands Windenergie, Wolfram Axthelm. Das werde „nicht bedeuten, dass man 100 Prozent mehr Personal hat, aber es wird einen signifikanten Personalzuwachs geben“, fügte er hinzu. „Wir reden über mehrere Zehntausende.“

In den vergangenen Jahren zog die Branche Konsequenzen aus dem ins Stocken geratenen Ausbau der Windkraft an Land und strich viele Stellen. Auch Enercon hatte sich 2019 nach Krisenjahren dazu entschlossen, die Rotorblattfertigung am Standort Aurich einzustellen und die Produktion größtenteils ins Ausland zu verlagern. Knapp 3000 Arbeitsplätze gingen damals bei Partnerfirmen von Enercon verloren. Bundesweit waren es weit mehr: „Wir haben in den Jahren 2019/2020 ungefähr 50.000 Beschäftigungsverhältnisse über die ganze Breite der Branche verloren“, sagte Axthelm. Das entspricht ungefähr einem Drittel der Jobs.

Enercon braucht noch Zeit, bis der Aufschwung ankommt

Ob Enercon die Produktionskapazitäten in Ostfriesland irgendwann wieder hochfahren könnte, um eine steigende Nachfrage nach Windkraftanlagen im Inland zu bedienen, ist unklar. Nur so viel schreibt Sprecher Rehwald: „Wir stehen bereit, um Energiewende und Energieunabhängigkeit in Deutschland und Europa zu unterstützen.“ Als Hersteller wolle man einen Beitrag zur Energiewende leisten. „Aurich spielt dabei als Produktionsstandort eine wichtige Rolle“, so Rehwald. Schon jetzt sei die Stadt der Hauptstandort für die Fertigung der neuen E-Gondeln, die als Maschinenhäuser Standard bei allen neuen Enercon-Anlagen seien.

Von einer Ausweitung der Produktion ist Enercon aber offenbar noch ein gutes Stück entfernt: Zunächst brauche es mehr Flächen für neue Windenergieanlagen und rasche Genehmigungen für Onshore-Windparks. „Ohne eine ausreichende Zahl an Projekten können wir unsere vorhandenen europäischen Fertigungskapazitäten nicht auslasten“, so Rehwald.

Der Ausbau der Windkraft bekam in Niedersachsen nach Jahren der Flaute zuletzt zwar neuen Schwung. Nach einer vorläufigen Auswertung der Fachagentur Windenergie an Land wurden im ersten Quartal landesweit 22 neue Anlagen in Betrieb genommen. Das sind mehr als doppelt so viele wie zur selben Zeit vor einem Jahr, als nur neun Windräder hinzukamen. Beim Auricher Konzern Enercon spricht man dennoch von Installationszahlen „auf dramatisch niedrigem Niveau“. „Bei uns als Hersteller kommen die Effekte der ambitionierten Zielsetzungen der Politik nur langsam an“, so Rehwald.

Mit Material von DPA

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