Osnabrück  Unter Dach und Fach: Warum steht diese Redeweise für Sicherheit?

Stefan Lueddemann
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Von Stefan Lueddemann
| 14.04.2023 06:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Unter Dach und Fach gut aufgehoben: Häuser in der historischen Altstadt von Augsburg. Foto: www.imago-images.de
Unter Dach und Fach gut aufgehoben: Häuser in der historischen Altstadt von Augsburg. Foto: www.imago-images.de
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Unter Dach und Fach: Warum vermittelt diese Sprachformel eigentlich das gute Gefühl der Sicherheit? Liegt die Antwort im Reim? Und was ist eigentlich mit dem Fach gemeint?

Etwas unter Dach und Fach bringen – wer möchte das nicht, vor allem in Zeiten, die wieder unsicherer werden? Junge Paare erfahren gerade schmerzlich, was es mit Dach und Fach auf sich haben kann, wenn sie erfahren müssen, dass steigende Zinsen ihr Bauprojekt zu einem fernen Wunschtraum werden lassen. Wer etwas unter Dach und Fach gebracht hat, der hat etwas zu einem guten und glücklichen Ende gebracht.

Die Formel mit den beiden Wörtern, die sich reimen, klingt wie die beschwörende Redeweise: Ende gut, Alles gut. Was sich unter Dach und Fach befindet, kann einem nicht mehr genommen werden. Die Wortfügung klingt nach dem Unterpfand finaler Sicherheit.

Dabei erklärt sich noch leichthin, warum es gut sein kann, etwas unter einem Dach schützend zu bergen. Aber was hat es mit dem Fach auf sich? Wir legen doch etwas in ein Fach und nicht darunter, oder? Wer das Fach zum Fachwerk erweitert, kommt schnell auf den Sinn der Redensart. In früheren Zeiten konnte sich nicht jeder ein festes Haus aus Steinen leisten.

Das Fachwerk war das Brot-und-Butter-Format des Hausbaus, preiswert zu errichten, im Zweifelsfall aber nicht gegen alle Unbill gefeit. Trotzdem: Unter Dach und Fach meinte so viel wie: Unter Dach und Wand. Die beiden Wörter stehen gleichbedeutend für das Haus, Inbegriff der Sicherheit.

Unter Dach und Fach: Diese Redensart zeigt übrigens auch, wie wirkungsvoll Doppelformeln in der gesprochenen Sprache wirken. Wir schwören Stein und Bein, verreisen mit Kind und Kegel – und nehmen bei diesen Formeln veraltete Wörter mit in den aktuellen Sprachgebrauch, deren Sinn uns heute nicht immer gleich aufgeht.

Bei den genannten Redeweisen wüsste nicht jeder zu sagen, was denn mit dem Bein oder dem Kegel gemeint sein könnte. Den Sinn dieser Formeln verstehen wir trotzdem. In der Doppelung der Wörter liegt der stärkende, auch beruhigende Effekt, den die Wiederholung hat. Sie signalisiert: Ja, es ist alles, es ist umfassend gemeint. Deshalb ist gut dran, wer alles unter Dach und Fach hat.

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