Nicht erster Fall im Kreis Leer Katze mit Jungen in Karton ausgesetzt – Tierschützer ahnen Böses
Die Kätzchen hatten die Augen noch nicht geöffnet, als sie mit ihrer Mutter in einem Karton ausgesetzt wurden. Dort im Kreis Leer, wo kaum einer wohnt. Tierschützer warnen.
Landkreis Leer - Auf der Pappe glitzert der Frost, durch einen freigekratzten Spalt schaut eine Katzenmutter. Sie wurde mit ihren drei Jungen, die nicht einmal ihre Augen geöffnet hatten, in einem Karton ausgesetzt. Die Strecke, an deren Seite die gut verklebte Schachtel mit Müll abgelegt worden war, wird häufiger genutzt, wenn zum Beispiel die B70 von Papenburg nach Leer gesperrt ist. Etwas Durchgangsverkehr gibt es, Häuser nur wenige.
Was und warum
Darum geht es: Nur wenige Tage waren die Kätzchen alt, als eine Frau sie in einem Karton entdeckte. Sie wurden mit dem Muttertier ausgesetzt. Die vier wurden vom Tierschutz aufgenommen. Das dürfte nicht das Ende solcher Fälle sein – im Gegenteil, Tierschützer ahnen Böses.
Vor allem interessant für: Tierfreunde
Deshalb berichten wir: In den sozialen Medien wird von solchen Fällen berichtet. Die Autorin erreichen Sie unter: v.vogt@zgo.de
Die Stelle Stintricker Straße Ecke Arnold-Goudschaal-Weg liegt in der Nähe der Amdorfer Brücke. Keine guten Chancen für die Tiere, rechtzeitig gefunden zu werden. Aber Stephanie Frey hatte einen geschärften Blick, als sie letzte Woche zur Arbeit fuhr: „Ich bin angehalten, um zu schauen“, sagt sie. Es sei nicht das erste Mal, dass sie an dieser Stelle ausgesetzte Kätzchen fand, so Frey.
Glück im Unglück
Der Karton müsse über Nacht dort gestanden haben, da oben Frost drauf gewesen sei und die Katze versucht habe, herauszukommen, erzählt sie. Die drei Jungen und das Muttertier konnten gerettet werden. Sie sind beim Verein Streunerkatzen Rheiderland untergekommen. „Es ist eine Sauerei, dass Menschen so etwas tun“, sagt Vorsitzende Andrea Pastoor. „Die Kleinen waren keine fünf Tage alt. Es war sehr kalt in der Nacht. Hätte sich das Muttertier befreien können, hätten die Jungtiere keine Chance gehabt“, sagt sie. Jetzt entwickelten sich Fenna, Feemke und Friso – so wurden sie genannt – in der Pflegestelle bestens.
Es werde immer schlimmer, so empfinde es Pastoor. „Man muss sein Tier nur kastrieren lassen, dann müsste man so etwas nicht tun“, sagt sie. Stattdessen höre sie immer, dass Personen kein Geld für Katzen ausgeben wollten, weil sie vielleicht bald überfahren würden. Kastrieren, chippen, entwurmen, impfen lassen: „Rausgeschmissenes Geld nennen sie das dann. Das ist unmöglich.“ Die drei Jungtiere seien die ersten, die dieses Jahr zum Verein kamen. „Es ist der Anfang. Wir hoffen jedes Jahr, dass es nicht so viele werden, kastrieren und kastrieren“, sagt sie. Solange Besitzer nicht mitzögen, könne man das Streuner-Problem nicht in den Griff bekommen. Bereits seit 2012 gilt im Kreis Leer eine Kastrationspflicht für freilaufende Katzen. Vereine führen immer wieder größere Aktionen durch. Gelöst ist das Problem der sich weitervermehrenden Tiere allerdings nicht.
Es könnte noch dicker kommen
So sind beim Tierheim in Stapelmoor ebenfalls die ersten jungen Katzen zur Welt gekommen. Eine scheue Katze, die lange auf dem Grundstück einer Entsorger-Firma lebte und dort immer wieder Nachwuchs bekommen hat, konnte endlich eingefangen werden. „Sie bescherte uns so zu Ostern drei Jungen im Tierheim. In den Jahren zuvor musste ich den Nachwuchs einsammeln und mit der Flasche aufziehen, in diesem Jahr kann sich das Muttertier selbst kümmern. Dann wird sie kastriert und darf wieder dort leben“, sagt Iris Holzapfel, Leiterin des Tierheimes und Vorsitzende des Tierschutzes Rheiderland. Sie befürchtet, dass die Welle der Kätzchen in diesem Jahr und in den kommenden zunehmend größer werden könnte.
„Aufgrund der Kosten einer Kastration könnten sich noch weniger Menschen dafür entscheiden“, so Holzapfel. Je nach Fall könnten die Kosten für eine Katze im dreistelligen Bereich liegen. „Und ich möchte auch nicht bestreiten, dass das gerechtfertigt ist“, sagt sie. Letztlich seien es aber die Tiere, die das Nachsehen hätten. „Die Katzen, die sich unkontrolliert vermehren, kommen fast alle mit Krankheiten zu uns. Das geht leider fast Hand in Hand“, so Holzapfel. Parasiten, aber auch ansteckende Krankheiten seien bei Fundkatzen an der Tagesordnung.
Kranke Tiere
Deswegen appelliert auch der Kreis Leer eindringlich an alle Halter von freilaufenden Katzen, ihre Tiere kastrieren zu lassen: „Katzenbesitzer müssen sich darüber im Klaren sein, dass sie grob fahrlässig handeln, wenn sie ihre Katzen unkastriert frei herumlaufen lassen“, heißt es dazu in einer Pressemitteilung.
Denn dies führe zu einer ungehinderten Vermehrung der Katzen - mit ernsthaften Folgen für Tier und Mensch, weil schwere Infektionskrankheiten übertragen werden können. Bei Verstößen könne es Geldbußen bis zu 5000 Euro geben. Zuständig für die Kontrolle sind die Ordnungsämter der Städte und Gemeinden.