Volontärin berichtet  Plötzlich waren fremde Chatverläufe auf meinem Handy

| | 09.04.2023 08:02 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Bei einem Wechsel der Handynummer muss einiges beachtet werden. Symbolfoto: Pixabay
Bei einem Wechsel der Handynummer muss einiges beachtet werden. Symbolfoto: Pixabay
Artikel teilen:

Volontärin Denise Cordes hat eine neue Handynummer und bekommt nun ständig Anrufe und Nachrichten, die nicht für sie bestimmt sind. Wir klären auf, woran das liegt und wie man sich davor schützt.

Ostfriesland - Ich habe eine neue Nummer. Direkt wollte ich meine Handynummer bei Whatsapp aktualisieren. Und schon trudelten Nachrichten der Klassengruppe einer 12. Klasse ein. Dabei gehe ich nicht mehr zur Schule. Das, was auf meinem Handy zu sehen war, waren Nachrichten, die eigentlich demjenigen galten, dem die Nummer vor mir gehörte. Meine neue Nummer wurde nämlich recycelt, also neu vergeben.

Was und warum

Darum geht es: Telefon- und Handynummern werden vom Anbieter recycelt, sobald sie nicht mehr verwendet werden. Was muss man dabei beachten?

Vor allem interessant für: alle, die ihre Handynummer wechseln möchten und ihre Daten schützen wollen

Deshalb berichten wir: Die Autorin hat eine neue Nummer und bekommt nun ständig Anrufe und Nachrichten, die nicht für sie bestimmt sind. Zuletzt: Glückwünsche zum 18. Geburtstag per Whatsapp.

Die Autorin erreichen Sie unter: d.cordes@zgo.de

Das ist jetzt schon Monate her. Noch heute trudeln Nachrichten und Anrufe von Menschen bei mir ein, die eigentlich einen jungen Mann sprechen wollten. Was für Informationen ich bisher über diesen Mann sammeln konnte, ist erschreckend: seinen Namen, seinen Geburtstag und seine Klasse. Ich sehe Profilbilder von seinen Freunden und Familienmitgliedern. Ich weiß, dass er Spanisch in der Schule hat, sein Vater Türke ist und er Türkisch spricht. Er hat einen jüngeren Bruder. Ich kenne die Beschreibungen und Namen aller Gruppen, in denen er war – denn jetzt bin ich es. Ein älterer Herr, vielleicht sein Großvater, hat mir Fotos von seiner Geburtstagsfeier geschickt. Außerdem hat er Probleme mit einem anderen Jugendlichen: Ich habe eine gruselige Sprachnachricht bekommen, in der mir gesagt wurde, jemand stehe vor meinem Haus und ich solle doch sofort rauskommen. Und das nur, weil ich eine alte Nummer bekommen habe und der Vorbesitzer sich nicht gekümmert hat.

Woran liegt das?

Wenn eine Rufnummer nicht mehr verwendet wird, wird sie irgendwann recycelt und jemand Neues erhält sie. Dirk Wende, Unternehmenssprecher der Telekom, erklärt das so: „Netzbetreiber wie die Telekom kaufen die Mobilfunk-Rufnummern bei der Bundesnetzagentur in Blöcken von jeweils eine Million Rufnummern ein. Mit Abschluss eines Mobilfunkvertrages werden die Rufnummern dann den Nutzerinnen und Nutzern überlassen.“ Weiter führt er aus: „Rufnummern, die nicht mehr genutzt werden, fallen an den Netzbetreiber zurück, der sie einmal von der Bundesnetzagentur erworben hat.“ Das könne zum Beispiel nach einer Vertragsauflösung, bei einem Umzug ins Ausland oder einem Todesfall passieren. Diese alten Rufnummern bleiben laut Wende „zumeist mehrere Monate“ liegen, bis sie weitergegeben werden. Die Dauer hänge aber auch von der Anzahl der zur Verfügung stehenden Rufnummern ab.

Dieses Rufnummern-Recycling löst ein Problem beim Messengerdienst Whatsapp aus. Die Registrierung folgt nämlich über die eigene Handynummer: Ein sechsstelliger Code wird per SMS geschickt, der dann in der App eingegeben werden muss. Und schon ist man registriert – keine E-Mail-Adresse oder Passwort nötig. Bekommt ein Whatsapp-Nutzer eine neue Handynummer, ändert sie sich aber nicht auf Whatsapp, kann sich der neue Inhaber Zugriff auf das Konto verschaffen. Das kann man sich so ähnlich vorstellen, als gehörte plötzlich jemand anderem die eigene E-Mail-Adresse, mit der man sich über die „Passwort vergessen“-Funktion, Zugang zu sämtlichen Accounts verschaffen kann.

Das versucht Whatsapp zu tun

WhatsApp schreibt im Hilfebereichauf seiner Webseite, dass es einen Account lösche, sobald er 45 Tage inaktiv sei und auf einem neuen Mobilgerät neu aktiviert werde. So will der Messengerdienst das Problem mit dem Rufnummern-Recycling verhindern. Das Problem: Ein Account ist weiterhin nutzbar, auch wenn kein Zugriff mehr auf die verknüpfte Nummer besteht. Ändert man also nicht seine Handynummer in der App, nützt diese Funktion nichts.

Auch die Verbraucherzentrale warnt: „Wer seinen Account bei einem Rufnummernwechsel nicht löscht oder vor dem Wechsel in den Einstellungen der App seine Nummer nicht ändert, riskiert damit, dass die alte Nummer inklusive aller Inhalte des verknüpften Accounts an eine fremde Person geht.“ Die Handynummer sollte also unbedingt in der App geändert werden. Das ist auch gar nicht so schwer: Zuerst öffnet man die Einstellungen der App. In der Rubrik „Konto“ klickt man dann auf „Nummer ändern“. Die App führt einen dann weiter. Eine genaue Anleitung für Android und iPhone gibt es hier. Aber nicht nur auf Whatsapp, sondern auch auf anderen Konten in sozialen Netzwerken und Internetseiten sollte die Verknüpfung der Handynummer gelöst werden.

Weitere Tipps und Tricks

Zudem kann eine Zwei-Faktor-Authentifizierung den Account vor ungewollten Zugriffen schützen. Eine Zwei-Faktor-Authentifizierung schützt einen Account über zwei unterschiedliche Komponenten. Bei Whatsapp funktioniert das über eine sechststellige Pin und die E-Mail-Adresse. Die „Verifizierung in zwei Schritten“, so nennt Whatsapp dieses Verfahren, können Nutzer in den Einstellungen der App über die Rubrik „Konto“ aktivieren. Eine detailliertere Anleitung gibt es hier.

Dem Problem kann man auch entgehen, indem man seine Rufnummer bei einem Vertragswechsel mitnimmt. Bei einem Anbieterwechsel können Kunden ihre Rufnummer mitnehmen und weiternutzen, so Telekom-Sprecher Dirk Wende. Bei der Telekom fielen dafür auch keine Gebühren an. Die Rufnummernmitnahme zu einem anderen Anbieter sei bis zu 90 Tagen nach Vertragsende möglich.

Eine reibungslose Rufnummernmitnahme bei einem Anbieterwechsel ist laut Telekommunikationsgesetz auch verpflichtend. Bei einem Vertragswechsel beim selben Anbieter hingegen nicht. So kommt es in der Regel zu Problemen, wenn man nicht nur den Tarif wechselt, sondern von den Konditionen eines Neuvertrages Gebrauch machen will. Eine Lösung ist die Rufnummer zunächst auf einem Prepaid-Tarif eines anderen Anbieters zu portieren, also zwischenzulagern. So schlägt beispielsweise Vodafone vor, die gewünschte Rufnummer auf einer Call-Ya-Prepaidkarte zu portieren. So sei auch der Wechsel von einem alten zu einem neuen Vodafone-Vertrag möglich.

Ähnliche Artikel