Erinnerung ans „Apex“  „Geile Feten, nette Leute“ vom ersten bis zum letzten Tag

Gerd Schade
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Von Gerd Schade
| 08.04.2023 12:23 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Ein Herz und eine Seele schon zu „Apex“-Zeiten und bis heute: DJ Peer Gunnar Hein und seine Ehefrau Silvia Peitz. Foto: Hein
Ein Herz und eine Seele schon zu „Apex“-Zeiten und bis heute: DJ Peer Gunnar Hein und seine Ehefrau Silvia Peitz. Foto: Hein
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Peer Gunnar Hein legte als DJ Peer in der Kult-Disco „Apex“ in Papenburg auf. Jetzt gibt es eine Revival-Party am Ostersonntag.

Papenburg - Markenzeichen dunkle Mähne: Als DJ Peer genoss Peer Gunnar Hein zu den besten Zeiten der Disco „Apex“ in Papenburg Kultstatus. Wie und wo lebt er heute? Die Geschichte eines Abenteurers, Lebenskünstlers und Freigeistes.

Die Schwelle unter dem königsblauen Scheunentor eines alten Bauernhofes in Diele nahe Papenburg ist die Grenze in die Welt von Peer Gunnar Hein. Der Weg in Richtung Werkstatt inklusive Theke der Marke Eigenbau und allerlei Devotionalien aus der Musik- und Motorwelt führt durch eine Handvoll alter Autos. Es sind Liebhaberstücke, an denen Hein gern herumschraubt. Zu jedem hat er eine Bindung. Eines der Fahrzeuge war mal ein Leichenwagen. Er ist jetzt weiß. „Alte Autos sind eine meiner Leidenschaften“, sagt Hein. Im Gegensatz zu dem Ex-Leichenwagen ist das Haar des inzwischen 67-Jährigen immer noch dunkel – und immer noch lang.

Das gab es nicht davor und nicht danach

Hein wundert sich ein wenig, dass unsere Zeitung mit ihm ausgerechnet über das „Apex“ sprechen möchte. „Ich habe ein ziemlich abenteuerliches Leben hinter mir“, sagt der gebürtige Oldenburger. Die Zeit der Disco in Papenburg sei da nur eine Episode gewesen und aus seiner Sicht auch nicht die spannendste. Viel mehr und anekdotenreicher erzählen könne er beispielsweise über seine zehnjährige Tätigkeit im „Zollhaus“ in Leer, wo Hein nach der „Apex“-Ära (1985 bis 1998) tätig war.

Für Papenburg aber war das „Apex“ auf dem Gelände des heutigen Kinos nun mal etwas Besonderes, weil es in der Fehnstadt so etwas weder davor noch danach gab. Vielleicht mag auch deshalb mancher zu Verklärung neigen, meint Hein. Nach seiner Einschätzung hat das aber eher mit der Erinnerung an die Jugendzeit zu tun. Aber das sei ja auch etwas Schönes, und Hein selbst erinnert sich an „eine tolle Zeit, geile Feten, nette Leute und gute Kollegen“.

Vom ersten bis zum letzten Tag

„Ich habe den Laden mit aufgebaut, war vom ersten bis zum letzten Tag dort beschäftigt und habe aufgelegt.“ Als das „Apex“ seinen Betrieb aufnahm, sei er zunächst als Geschäftsführer tätig gewesen. „Anfangs brummte der Laden wie die Hölle“, erinnert sich Hein, der in dieser Zeit seine Frau Silvia Peitz kennenlernte, mit der er bis heute zusammenlebt.

Das Geheimnis des Erfolgs sei die progressive musikalische Stilrichtung gewesen: Independent, Rock, Hardrock, Metal. Hinzu kommt nach Heins Auffassung, dass das Musikhörverhalten damals anders gewesen sei. „Man konnte noch richtig auf Entdeckungsreise gehen.“ Dazu gehört auch, sich auf die Suche nach Songs zu machen, die es in der Region noch nicht gab. Hein berichtet, dass er häufiger in die Niederlande gefahren sei, um dort aus England importierte Schallplatten zu kaufen. Auf diese Weise sei ein Fundus „kleiner Kostbarkeiten“ entstanden. „Musik ist leider zur Wegwerfware geworden“, meint Hein. Heute zumindest in ländlichen Regionen kaum vorstellbar sei auch, dass das „Apex“ einst an vier Abenden pro Woche geöffnet war: mittwochs, freitags, samstags und sonntags. Zusammen mit Uwe Müller, der nach 2019 zum inzwischen dritten Mal eine „Apex“-Revival-Party (Ostersonntag, 9. April 2023, ab 21 Uhr im Kolpinghaus Papenburg) organisiert, sei er als DJ die Konstante in der Disco gewesen, sagt Hein.

„Smells Like Teen Spirit“ war ein Lieblingslied

Als Songs, die zu den besten „Apex“-Zeiten nicht fehlen durften, nennt „DJ Peer“ auf Nachfrage „Smells Like Teen Spirit“ von Nirvana, „Our Darkness“ (Anne Clarke) und Klassiker von The Cure („A Forest“). Für Hein gewissermaßen Fluch und Segen zugleich war indes „Like I do“ von Melissa Etheridge. Er selbst mag den Song weniger, aber: „Da war die Tanzfläche immer voll“ – und für ihn die Gelegenheit, mal kurz zur Toilette zu gehen.

Etwa zehn Jahre nach der Eröffnung sei der Erfolg des „Apex“ langsam abgeebbt, sagt Hein. Dann hätten die damaligen Betreiber versucht, ihr altes Publikum loszuwerden. „Sie wollten mit anderen Leuten mehr Geld verdienen“, meint der 67-Jährige. In diesem Zuge seien auch die DJs ausgewechselt worden. „Am letzten Abend habe ich ,Das ist unser Haus von‘ Ton, Steine, Scherben gespielt.“ Dann habe es noch einen kurzen Sitzstreik auf der Tanzfläche gegeben – „und das war’s dann. Das Apex war Geschichte.“

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