Berlin Wie viel teurer sind klimafreundliche Heizungen im Einfamilienhaus wirklich?
Welche Mehrkosten fallen an, wenn künftig statt einer Gasheizung die jeweils günstigste klimafreundliche Alternative genutzt wird? Der Entwurf des Gebäudeenergiegesetzes enthält dazu Berechnungen. Sie relativieren teilweise kursierende Horror-Zahlen.
In Bestandsgebäuden sind rund 21 Millionen Heizungen eingebaut, von denen pro Jahr etwa 3,5 Prozent ausgetauscht werden müssen, weil sie das Ende ihrer Lebensdauer erreicht haben. Demnach müssen durchschnittlich etwa 742.000 Heizungsanlagen pro Jahr ausgetauscht werden. Ab 2024 gelten dabei strengere Regeln: Jede neu eingebaute Heizung muss dann zu 65 Prozent mit erneuerbaren Energien betrieben werden.
Der Entwurf des Gebäudeenergiegesetzes stellt dar, welche Heizungs-Optionen in verschiedenen Gebäuden am wirtschaftlichsten sind. Den Investitionskosten werden dafür die erzielbaren Einsparungen im Vergleich zu den Betriebskosten eines Gaskessels über eine Betriebsdauer von 18 Jahren gegenübergestellt. Bei den Investitionskosten wurde nicht nur der Preis für eine Wärmepumpe sondern auch ein etwaig notwendiger Heizflächentausch mitberücksichtigt.
Bei einem Einfamilienhaus ist die Luft-Wasser-Wärmepumpe in allen Sanierungszuständen die wirtschaftlichste Option, um das Gebäudeenergiegesetz zu erfüllen. Je nach Zustand des Einfamilienhauses kostet eine solche Wärmepumpe heute zwischen 12.840 und 34.540 Euro mehr als eine Gasheizung.
Laut Gesetzentwurf werden die Investitionsmehrkosten allerdings über 18 Jahre vollständig durch Einsparungen bei den Betriebskosten kompensiert, egal ob es sich um unsanierte oder sanierte Einfamilienhäuser handelt:
Experten des Öko-Instituts und Frauenhofer-Instituts rechnen damit, dass die Preise für Wärmepumpen in den nächsten Jahren um bis zu 40 Prozent sinken. Bereits 2029 sollen sie 30 Prozent niedriger sein als heute. Wenn man das berücksichtigt, liegen die Investitionsmehrkosten für eine Wärmepumpe künftig nur noch zwischen 5720 und 20.720 Euro.
Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe rechnet sich über 18 Jahre also noch mehr. Je nach Sanierungszustand des Einfamilienhauses sparen Eigentümer sogar zwischen 8860 und 21.706 Euro.
Die Bundesregierung geht dabei von folgenden künftigen Energiepreisen aus, die einem wissenschaftlichen Gutachten zum Gebäudeenergiegesetz (GEG) entnommen sind:
Allerdings gibt sie zu, dass eine Prognose derzeit schwierig und mit vielen Unsicherheiten behaftet ist.
Wie die Berechnungen zeigen, rechnen sich Wärmepumpen in Einfamilienhäusern selbst ohne Förderung über 18 Jahre hinweg. Dazu kommt, dass Wärmepumpen aktuell mit 35 bis 40 Prozent gefördert werden. Damit reduzieren sich in einem Einfamilienhaus im Bestand die Investitionsmehrkosten gegenüber einer Gasheizung von knapp 20.000 Euro auf etwa 10.000 Euro. Alternativ gibt es die Möglichkeit einer Förderung über die steuerliche Abschreibung der Kosten für Sanierungen in Höhen von 20 Prozent.