Kolumne „Alles Kultur“ Auch kleine Feuer zählen
Unsere Kolumnistin liebt Traditionen – und trotzdem müssen auch mal Veränderungen her. Diesmal trifft es den Brauch des Osterfeuers.
Ostern 2023 – das erste Jahr des Feuerkorbs. Wir verändern unsere Tradition, es wird zum ersten Mal kein Osterfeuer geben, sondern die kleinere, sicherere und arbeitsärmere Variante. Ich kann nicht gut mit Veränderungen bei Traditionen umgehen, das wissen bereits die, die meine Kolumne regelmäßig lesen, und das fängt bei Orten und Uhrzeiten an und hört beim Essen noch lange nicht auf. Und doch war ja pandemiebedingt alles anders in den letzten Jahren und so langsam werde ich gelassener, wenn Menschen entscheiden, Dinge zu verändern, die wir „aber doch immer so gemacht haben“. Und ich sehe ja die Vorteile und weiß insgeheim, dass ich im emotionalen Ergebnis gar keine Abstriche machen muss.
Wir werden um das kleine Feuer sitzen, das wie ein riesiger, knisternder Kluntjeberg klingt, der unter einer heißen Teequelle steht. Es wird uns wärmen und wir erzählen uns Geschichten davon, wie es war, als Opa noch mit der Forke, die ganze Nacht das Feuer bewacht und die Glut umgeschichtet hat, lachen über versengte Haare und geschmolzene Gummistiefel. Wir werden die alten Lieder singen, vielleicht aber auch neue, den Kartoffelsalat nach Omas Rezept essen, vielleicht aber auch nicht, sondern etwas anderes ausprobieren. In dem kleinen Feuer tanzen trotzdem die ganzen Erinnerungen und vielleicht auch ein paar Zukunftsträume und Wünsche.
Mit dem Osterfeuer wird traditionell, symbolisch der Winter vertrieben und der Frühling willkommen geheißen. Doch jeder, der schon vor einem Feuer gesessen hat, das langsam ausgeht und so die Nacht um einen immer dunkler wird, weiß, wie plötzlich es dann kalt wird. Das Feuer brennt runter und im Nu ist alles vorbei.
Es gilt die Wärme in uns zu bewahren, genau so wie die Erinnerungen an die vergangenen, großen Feuer, das laute Lachen, die geschnitzten Stöcke, auf die wir unsere Wurst stecken konnten und all die Menschen, die mit uns schon ins Feuer geschaut haben. Ja, wie pathetisch, aber es sind auch die kleinen Feuer im Leben, die zählen. Oder wie wir gerne sagen: Man muss die Feste rauchen, wie sie brennen.
Kontakt: kolumne@zgo.de
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