Erinnerungen an Horst Milde Verlässlich, verbindlich, versiert
Horst Milde ist am Mittwoch gestorben. Er war Vater der Moormerland-Siedlung, der Flugplatzes und des Kinderschutzbundes in Leer. Einige Leeraner erinnern sich.
Leer - Es war eine besondere Zeit: Die Wohnungsnot war groß und der Aufbruchswille in Leer stark. Viele junge Paare suchten einen Ort, an dem sie eine Familie gründen konnten. Da hatte Horst Milde die zündende Idee: Als Verantwortlicher für den Wohnungsbau in Leer rief er das Projekt „Moormerland-Siedlung“ ins Leben. Horst Milde ist am Mittwoch im Alter von 89 Jahren gestorben.
Horst Milde ist gestorben
„Eine einzige Erfolgsgeschichte“
Deutsche und türkische Kinder schreiben Leeraner Geschichte
„Das ich heute wohne, wo ich wohne, verdanke ich Horst Milde“, erzählt Adolf Langwisch. Der heute 95-Jährige war einer der ersten, die ein Haus in der Moormerland-Siedlung bezogen. „Wir hatten erst einen anderen Platz, der mir gar nicht gefiel. Ich ging zu Milde ins Rathaus, der regelte das“, sagt Langwisch. Der Politiker sei immer offen und ansprechbar gewesen. Er sei Milde bis heute dankbar für sein Haus in der Moormerland-Siedlung.
Moormerland-Siedlung gestartet
Sie war sein größtes Projekt, wie Günther Boekhoff meint. Der Politiker war sein Stellvertreter und Nachfolger als Bürgermeister von Leer. Auf Nachfrage erzählt Boekhoff von der Zusammenarbeit mit Milde in dieser Zeit. „Ärger hatte eigentlich niemand mit Horst Milde“, sagt Boekhoff. Er sei verbindlich, verlässlich und versiert gewesen. „Ich habe oft mitbekommen, dass die Menschen gern zu Milde ins Rathaus gekommen sind“, sagt Boekhoff. Er habe sich Zeit genommen, sei zugewandt gewesen, „aber kannte sich auch aus in seinem Fach“, erinnert sich Boekhoff. Zudem sei er auch zu den Leuten gekommen: „Er war immer viel unterwegs“, sagt Boekhoff, in Bürger- und Ortsvereinen habe er sich engagiert und auch Vorträge gehalten. Während seiner Zeit im Landtag habe er viel für die Region erreicht.
Milde war von 1990 bis 1998 Landtagspräsident gewesen. Die amtierende Präsidentin Hanna Naber (SPD, Oldenburg) würdigte ihn am Donnerstag: „Mit großer Bestürzung habe ich vom Tod von Horst Milde erfahren. Mit ihm verliert Niedersachsen eine herausragende Kraft der Kommunal- und Landespolitik sowie unserer repräsentativen Demokratie“, so Naber. Er sei auch noch nach seiner aktiven Amtszeit den Idealen des Parlamentarismus stets verpflichtet gewesen. „Bis zuletzt war der ehemalige Landtagspräsident auch für mich persönlich ein wichtiger und geschätzter Gesprächspartner – wie etwa bei der konstituierenden Sitzung dieser Wahlperiode“, so Naber.
Flugplatz an den Start gebracht
Milde war in seinem Handeln stets auf das Wohlergehen der Leeraner bedacht und baute daher möglichst viele bürokratische Hürden ab. Das war bei der Vergabe der Siedlungsgründstücke so, das war aber auch bei der Gründung des Flugplatzes Leer-Papenburg so. Er unterstützte von 1967 an, die Pläne zur Gründung des Flugplatzes. „Wir kümmerten uns wenig um bürokratische Hindernisse und handelten einfach“, wird Milde in der Festschrift zitiert. Er unterstützte die Initiative einiger Privatleute. „Er war die treibende politische Kraft, die schon früh vorausgesehen hat, dass ein Verkehrslandeplatz für den Wirtschaftsstandort wichtig ist“, sagt Dieter Backer, Geschäftsführer des Flugplatzes. Milde habe maßgebliche Überzeugungsarbeit an vielen Stellen geleistet. Zum Dank saß er auch in der ersten Maschine, die in Leer landete.
Doch nicht nur politisch war Milde aktiv. Die Verbindung zu seiner Schlesien riss für Milde nie ab. In Vorträgen und Austauschen pflegte er bis zuletzt die deutsch-polnische Freundschaft. Einige prägende Jahre verbrachte der Politiker in Holtland, wo seine Familie nach der Flucht 1945 im Lehrerhaus Unterschlupf fand. Bei der Vorstellung der Dorfchronik erinnerte sich Milde an die Zeit: „Mir bedeuten die Jahre in Holtland viel. Ich denke, trotz aller Not, gern an die Zeit und die Menschen zurück“, sagte er damals.
Den Kontakt zu Menschen suchte Milde immer, das berichten viele, die ihn kennengelernt haben. Besonders am Herzen lagen ihm Kinder. Deswegen gründete er 1973 den Kinderschutzbund. Bei der Feier zum 50-jährigen Jubiläum war er im Februar dabei. „Er kam regelmäßig zu Besuch, meistens nach der Gallimarkt-Eröffnung“, sagt Richard Heeren, Vorsitzender des Kinderschutzbundes in Leer. Dort sei man erschüttert gewesen von der Nachricht des Todes des Politikers, der zuletzt in Oldenburg lebte. Vom Kinderschutzbund sei er nicht wegzudenken gewesen.
Kindern geholfen
Dass er immer da war, bestätigt auch Antje Hoß, die lange beim Kinderschutzbund arbeitete. „Zusammen mit Klaus Hinzpeter hat er vieles umgesetzt“, erinnert sich die erste Leiterin des Kinderschutzhauses. Dabei sei er ganz nah dran geblieben. „Er hat immer gesagt: Wenn ihr was braucht, ruft an“, sagt sie. Und wenn der Kinderschutzbund, zum Beispiel finanzielle Schwierigkeiten hatte, habe Milde einen Weg gefunden. Weich sei er aber mit den Kindern gewesen. „Auf die ging er zu und sprach mit ihnen, genau so wie seine Frau. Die beiden waren bei Festen oder Aktivitäten immer dabei“, sagt Hoß. „Er war wirklich ein ganz starker Mann“, sagt Hoß.