Kampfmittelbeseitigungsdienst im Einsatz  Weltkriegs-Bombe in Rhauderfehn-Mitte gefunden

| | 30.03.2023 17:30 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Die Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg wurde von Jann Kirchner und Hinrich Brand entschärft. Foto Hellmers
Die Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg wurde von Jann Kirchner und Hinrich Brand entschärft. Foto Hellmers
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Bei Sondierungsarbeiten in Rhauderfehn-Mitte ist eine Weltkriegs-Bombe gefunden worden. Der Kampfmittelbeseitigungsdienst aus Wardenburg war im Einsatz. Wie gefährlich wäre die Bombe gewesen?

Westrhauderfehn - In dem Baugebiet am Bohlendamm will die Gemeinde Rhauderfehn mit Baugrundstücken, Kindergarten und Umgehungsstraße die Zukunft gestalten. Nun wurde sie von der Vergangenheit eingeholt: Dort ist am Donnerstag eine Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden. „Eine amerikanische Fliegerbombe“, sagt Jann Kirchner. Er ist Sprengmeister beim Kampfmittelbeseitigungsdienst in Wardenburg bei Oldenburg. Mit seinen Kollegen ist er zu dem Bombenfund gerufen worden. Sie wurde wahrscheinlich in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs im Frühjahr 1945 abgeworfen. Beim Aufprall auf dem Boden hätte sie explodieren sollen. Das passierte aber nicht. Warum, ist unklar. Die Bombe hatte eine Sprengkraft von ungefähr 30 Kilo TNT, sagt Kirchner.

Der Fundort der Bombe.
Der Fundort der Bombe.

Hätten sie sie nicht entschärfen können, sondern sprengen müssen, wäre der Krater etwa sechs Meter breit und drei Meter tief, erläutert der Experte. Dazu hätten Splitter im Umfeld von rund 300 Metern Menschen verletzen und Gebäude beschädige können. So groß war auch das Gebiet, dass die Freiwillige Feuerwehr Westrhauderfehn während der Entschärfung abgesichert hat. Menschen mussten nicht evakuiert werden.

Mit dem Bagger ausgegraben

Dass alles glimpflich ausging, lag aber auch an dem Vorgehen der Gemeinde Rhauderfehn. Denn bevor dort die ersten Arbeiten beginnen sollten, sei alles von einer Fachfirma abgesucht worden. „Wir waren 14 Tage hier“, erläutert Ute Smidt vom gleichnamigen Unternehmen zur Kampfmittelsondierung aus Ramsloh. Donnerstag sei der letzte Tag gewesen und etwa 100 Meter südlich vom Kindergarten gab es den Treffer. Ausgegraben hat sie Matthias Brunken vom gleichnamigen Lohnunternehmen. „Wir tasten uns da langsam heran“, sagt er. Sie lag etwa 40 Zentimeter tief im Boden.

Zwei Mal hätte er nur mit dem Bagger graben können, dann ging es mit einer Schaufel weiter. Nach der Entschärfung hat der Kampfmittelräumdienst um Kirchner die Bombe abtransportiert. Sie wird in Wardenburg zwischengelagert und dann nach Munster im Heidekreis zur Entsorgung gebracht. Dass auch fast 80 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs noch Bomben gefunden werden, sei keine Seltenheit, sagt Sprengmeister Kirchner. In dieser Woche hätten sie bereits eine am Fliegerhorst in Oldenburg gefunden.

In Rhauderfehn gab es schon lange keinen Fund mehr. „Seitdem ich Bürgermeister bin, ist es der erste“, sagt Geert Müller. Er ist seit 2011 im Amt. Wie viele Bomben auf Westrhauderfehn von den Alliierten geworfen wurden, ist unklar. Über dem Ort habe es häufig Luftkämpfe gegeben, erinnerte sich der Zeitzeuge Hermann Ewen kürzlich im Gespräch mit dieser Zeitung. Laut seinen Angaben sind zwei Häuser durch Bombenangriffe zerstört worden. Das von Kapitän Park am Rajen, und besonders tragisch war der Angriff auf die Mühle am Verlaat nahe des Langholter Meeres. Durch die Explosion am 12. April 1945 kam fast die ganze Familie des Müllers um, nur der Sohn überlebte.

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