Kiew  Putins kremltreue Mönche sollen Höhlenkloster in Kiew räumen

Michael Clasen
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Von Michael Clasen
| 28.03.2023 09:04 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Das Kiewer Höhlenkloster gilt als eines der bedeutendsten Klöster der Orthodoxie. Foto: Michael Clasen
Das Kiewer Höhlenkloster gilt als eines der bedeutendsten Klöster der Orthodoxie. Foto: Michael Clasen
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Das Kiewer Höhlenkloster ist weltberühmt. Jetzt eskaliert der Streit zwischen einer orthodoxen Kirche und Präsident Wolodymyr Selenskyj. Es zeigt sich: Putins Krieg hat auch eine religiöse Dimension.

Die Anordnung kam am 10. März überraschend: Kulturminister Olexander Tkatschenko setzte der Ukrainische Orthodoxe Kirche (UOK) eine Frist bis zum 29. März, das Höhlenkloster in Kiew zu räumen. Der Konflikt offenbart, wie sehr die orthodoxe Kirche durch den Krieg gespalten ist.

Die ukrainische Regierung vermutet, dass die rund 300 Mönche „eine fünfte Kolonne“ Putins sei, erklärt Pater Aleksey Samsonov von der katholischen Kirche, der als Programmdirektor den Sender „Radio Maria Ukraine“ betreibt. „Ich denke, es ist richtig, die Verbindung nach Moskau zu kappen“, sagt er.

Offiziell hatte sich die UOK im Mai 2022 vom Kreml-treuen Moskauer Patriarchen Kyrill I. unabhängig erklärt und auch den Krieg verurteilt. Doch Kiew glaubt, dass weiterhin Russland hinter den Klostermauern das Sagen hat. Die Regierung schickte Ermittler, um bei einer Durchsuchung weitere Beweise zu finden. Die Sicherheitsbehörden werfen dem Abt Metropolit Pawlo und anderen Würdenträger vor, den Angriffskrieg zu unterstützen und mit russischen Besatzungsbehörden in den okkupierten Gebieten zusammengearbeitet zu haben.

Der russisch-orthodoxe Patriarch Kyrill I. ist ein glühender Anhänger von Präsident Wladimir Putin und seiner Ideologie von einem wiedererstarkten russischen Imperium. Mehrfach rühmte Kyrill I. den Angriffskrieg gegen die Ukraine als „metaphysischen Kampf“ im „Namen der Wahrheit Gottes“.

Aus seiner Sicht zieht „die westliche Welt gegen uns zu Felde“. Die russischen Soldaten rief er zu größter Opferbereitschaft auf und lobte: „Sie erheben sich aus den Schützengräben und gehen dem Tod entgegen.“ Nur so sei der Sieg möglich.

Was künftig mit dem 24 Hektar großen Areal passiert, soll eine Regierungskommission entscheiden. Die zum Weltkulturerbe zählende Anlage am Ufer des Dnipro mit seinen mehr als 100 Gebäuden gehört dem Staat. Wahrscheinlich ist, dass sich dort die unabhängige Orthodoxen Kirche der Ukraine (OKU) weiter ausbreiten kann.

Sie entstand 2018 durch Fusion zweier nationaler Kirchen und ist vom mächtigen Ökumenischen Patriarch von Konstantinopel, Bartholomaios I., anerkannt. Er ist ein Widersacher von Patriarch Kyrill I. in Moskau. „Angesichts des Todes unschuldiger Menschen, der Bombardierung von Zivilisten, der Zerstörung ganzer Städte, angesichts dieser menschlichen Tragödie kann es keine Predigten geben, die einen Krieg als ‚heilig‘ charakterisieren“, kritisierte Bartholomaios I. Patriarch  Kyrill I. scharf.

Oberhaupt der unabhängigen Orthodoxen Kirche der Ukraine ist Metropolit Epiphanij. Der appellierte an die Mönche im Höhlenkloster, sich endlich von Moskau zu befreien: Jeder könnte sehen, wie sehr Russland gegen das ukrainische Volk vorgehe.

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