Osnabrück So lange dauerte es, bis Osnabrücker Bischof Bode gewählt wurde
Es dauert Monate, bis ein neuer Bischof gewählt wird. Fest steht, dass vor der Verabschiedung des zurückgetretenen Bischofs Franz-Josef Bode im Juni kein neuer Bischof ernannt wird. Wie lange war der Bischofsstuhl vor der Wahl der bisherigen Bischöfen im Bistum Osnabrück verwaist? Ein Blick ins Archiv.
„Die Wahl des Bischofs ist ein längerer und komplizierter Prozess“, erklärt Bistumssprecher Thomas Arzner. Vor Juli werde das Bistum Osnabrück keinen neuen Bischof haben, sagt er und fügt hinzu: „Höchstwahrscheinlich dauert es sogar noch deutlich länger.“
Doch wie lange kann es im schlimmsten Fall dauern, bis das Bistum Osnabrück wieder einen neuen „Oberhirten“ hat?
Nach dem Kirchenrecht darf einzig das „Domkapitel“ aus einer Liste von drei geeigneten Kandidaten den neuen Bischof wählen. Im Bistum Osnabrück handelt es sich dabei um ein Kollegium von neun Priestern, das den Bischof normalerweise in der Leitung des Bistums unterstützt und sich um eine würdige Gestaltung des Gottesdienstes in der Domkirche kümmert. In den kommenden Monaten ist die wohl wichtigste Aufgabe dieses Gremiums, den künftigen Bischof zu wählen. Fraglich ist noch, inwiefern auch Laien an diesem Prozess – etwa durch Hinweise für mögliche geeignete Kandidaten auf einer Vorschlagsliste – beteiligt werden können, wie es Bode noch vor zwei Wochen ankündigt hatte.
Bodes Vorgänger war Ludwig Averkamp. Dessen Zeit als Osnabrücker Bischof endete am 4. November 1994, weil er als Erzbischof nach Hamburg wechselte. Ab diesem Zeitpunkt war der Bischofsstuhl unbesetzt, was man auch als sogenannte „Sedisvakanz“ bezeichnet. Es dauerte bis zum 12. September 1995, bis Bischof Bode, der zuvor Weihbischof von Paderborn war, als Osnabrücker Bischof ernannt wurde. Allerdings wurde er erst am 26. November 1995 offiziell in sein Amt eingeführt, womit die „Sedisvakanz“ endete. Der bischöfliche Stuhl war nach der Definition des komplizierten katholischen Kirchenrechts somit mehr als ein Jahr verwaist.
Bode-Vorgänger Ludwig Averkamp wurde am 27. September 1987 Osnabrücker Bischof, nachdem dessen Vorgänger Helmut Hermann Wittler den Papst zuvor aus gesundheitlichen Gründen gebeten hatte, ihn von seinen Aufgaben als Bischof zu entbinden. Außergewöhnlich war, dass Papst Johannes Paul II. Ludwig Averkamp bereits vor Wittlers Ausscheiden zum „Koadjutor“ des Bischofs von Osnabrück mit dem Recht der Nachfolge ernannt hatte. Averkamp wurde mit dem Rücktritt von Wittler somit automatisch Bischof von Osnabrück. In diesem Fall gab es somit keine Sedisvakanz.
Helmut Hermann Wittler wurde am 22. Juni 1957 zum Bischof gewählt, am 21. Juli 1957 vom Papst zum Bischof ernannt und am 2. Oktober 1957 zum Bischof geweiht.
Wittler hatte das Amt nach Franziskus Demann übernommen. Dieser war am 23. Mai 1956 zum Bischof ernannt worden und unmittelbar nach seiner Bischofsweihe am 27. März 1957 an einem Herzinfarkt verstorben. Zwischen den Bischofsweihen von Demann und Wittler lag somit mehr als ein halbes Jahr.
Wilhelm Berning wurde am 25. Mai 1914 zum Bischof gewählt und am 29. September 1914 zum Bischof geweiht. Berning verstarb am 23. November 1955. Zwischen dem Tod von Bischof Berning und der Ernennung von Nachfolger Demann zum Osnabrücker Bischof (Mai 1956) lag somit ein halbes Jahr. Weil Demanns Bischofsweihe wegen gesundheitlicher Probleme ins Frühjahr 1957 verlegt werden musste, war der Bischofsstuhl in diesem Fall offiziell sogar ein Jahr und vier Monate verwaist.
Bernings Vorgänger war Hubertus Voß. Er wurde am 19. Juni 1899 zum Bischof geweiht und verstarb am 3. März 1914. Da Berning im September 1914 zum Bischof geweiht worden war, war der Bischofsstuhl in diesem Fall ein halbes Jahr verwaist.
*Bischof Franz-Josef Bode war ab 1991 Weihbischof und nicht Erzbischof im Erzbistum Paderborn. Unsere Redaktion hat den Text an dieser Stelle korrigiert. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.