Hamburg Ist es noch okay, Harry Potter toll zu finden?
J.K. Rowling ist die Schöpferin von Harry Potter. Mit ihrer Geschichte hat sie Millionen von Menschen geprägt – doch die Autorin fällt immer wieder wegen transfeindlicher Kommentare auf. Wir haben Hogwarts-Expertin und Youtuberin Coldmirror gefragt, ob man Harry Potter noch lieben darf.
Seit sieben Jahren analysiert Coldmirror in ihrem „Harry-Podcast“ pro Folge fünf Minuten des ersten Harry-Potter-Films „Der Stein der Weisen“ bis ins kleinste Detail. Ihr Podcast erscheint als reine Audiodatei auf Spotify und als Video mit Screenshots und lustigen Animationen auf Youtube. Wenn sich jemand mit Harry Potter auskennt, dann sie.
Hier sehen Sie die aktuellste Folge des 5-Minuten-Harry Podcasts von Coldmirror:
Kathrin Fricke, wie Coldmirror mit bürgerlichem Namen heißt, hat sich so eine riesige Fan-Base aufgebaut. In unserem Interview verrät die 38-Jährige das schönste Kompliment, das sie jemals von einem Hörer erhalten hat: „Wenn jemand zu mir sagt: ‚Was für dich damals Harry Potter war, bist du heute für mich.‘ Das spiegelt wider, dass es einem scheiße geht und man durch meine Inhalte wieder Lebensfreude bekommen kann.“
Harry Potter war und ist für Coldmirror selbst eine Art Held. Aber darf man den Zauberschüler und seine Welt in Hogwarts eigentlich noch toll finden? Schließlich stammt die Geschichte von Autorin J.K. Rowling, die wegen transfeindlicher Aussagen seit Jahren in der Kritik steht. Coldmirror meint für ihren Teil: „Harry ist eine fiktive Figur. Wenn Dir seine Geschichte in der Kindheit, oder jetzt immer noch, irgendetwas bedeutet hat, dann ist das Deine Geschichte – und was in Deinem Kopf passiert, ist für immer Deins.“
Zu J.K. Rowling scheint die Youtuberin keine gute Meinung zu haben: „Ich bin so sauer auf sie und gleichzeitig finde ich sie einfach nur lächerlich. Man kann sich eigentlich nur noch über sie lustig machen, was sie da auf Twitter fabriziert“, sagt Coldmirror. „Man sollt ihr einfach das Handy wegnehmen.“
Gemeint ist unter anderem der Tweet von Rowling, bei dem sie einen Zeitungsartikel teilt, in dem es um „menstruierende Menschen“ geht. Die Bestseller-Autorin zieht die Formulierung ins Lächerliche und schreibt: „Ich bin sicher, dass es früher ein Wort für diese Menschen gab. Kann jemand helfen?“ Rowling sucht wohl das Wort „Frauen“.
Das Problem an dem Tweet: Nicht alle Frauen menstruieren, zum Beispiel trans Frauen. Diese schließt sie in ihrem Tweet kategorisch aus. Diese Äußerung ist nur eine von vielen, für die Rowling – sogar von den Darstellern aus dem Film – kritisiert wird.
Die Frage ist, ob man in diesem Fall den Künstler von seinem Werk trennen kann. Darf man Harry Potter noch lieben, wenn man J.K. Rolwing nicht gut findet? Coldmirror sagt: „Aber natürlich darf man Harry Potter noch lieben. Mir hat Harry Potter viel bedeutet. Das kann mir keiner wegnehmen. Sie auch nicht.“