Osnabrück  Rücktritt von Bischof Bode: Das sagt die Domgemeinde Osnabrück nach der Messe

Jean-Charles Fays
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Von Jean-Charles Fays
| 26.03.2023 14:58 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Anna-Maria Horn, Fritz Brickwedde, Pfarrer Dirk Meyer (v.l.n.r.) und viele Mitglieder der Domgemeinde Osnabrück bedauern den Rücktritt von Bischof Bode sehr. Foto: Benjamin Beutler
Anna-Maria Horn, Fritz Brickwedde, Pfarrer Dirk Meyer (v.l.n.r.) und viele Mitglieder der Domgemeinde Osnabrück bedauern den Rücktritt von Bischof Bode sehr. Foto: Benjamin Beutler
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Der Schock über den Rückritt von Bischof Bode stand einigen Mitgliedern der Domgemeinde Osnabrück am Sonntag ins Gesicht geschrieben. Viele zeigten sich erschüttert und traurig über den überraschenden Abgang, einige waren aber auch erleichtert. Wir haben die Stimmung der Kirchgänger nach der 11.30-Uhr-Messe am Dom eingefangen.

Nachdenklich läuft Anna-Maria Horn nach der Messe zu ihrem Auto auf dem Domparkplatz. Sie kann immer noch nicht so recht begreifen, was da am Vortag passiert ist. Der Pfarrer hatte in der Messfeier die 28-jährige Amtszeit von Franz-Josef Bode als Osnabrücker Bischof Revue passieren lassen und war auf die von Bode genannten Gründe für den Rücktritt eingegangen. Zudem wurde eine Fürbitte für den zurückgetretenen Bischof gesprochen. Für die streng gläubige Seniorin ist das alles noch sehr unwirklich.

Der Rücktritt traf die Osnabrückerin völlig unvorbereitet. Sie fühlt sich traurig und verlassen. Es beschleicht sie das Gefühl: „Der Chef ist weg!“ Den Bischof, zu dem sie in den vergangenen 28 Jahren aufgesehen hat, beschreibt sie als „Hüter der Seele“. Sein Rückzug trifft sie hart. Enttäuscht sagt sie: „So ein Mann kann doch nicht einfach von jetzt auf gleich weggehen.“

Der Pfarrer der katholischen Kirchengemeinde Dom St. Petrus, Dirk Meyer, hat eine besondere Verbindung zu Bode. Er hatte ihn einst zum Priester geweiht. Als Meyer bereits am Freitagabend davon hörte, dass Bode am darauf folgenden Tag nicht mehr Bischof des Bistums Osnabrück sein würde, war er „natürlich erst einmal überrascht“.

Zugleich stellt er aber heraus: „Er ist der erste Bischof, der seinen Rücktritt mit den Missbrauchsereignissen verbunden hat. Er hat deutlich bekannt, dass er die Betroffenen zu spät in den Blick genommen hat. Das fand ich sehr stark.“ Darüber hinaus habe Bode auch Reformschritte auf den Weg gebracht, „sodass er jetzt guten Gewissens gehen kann“. Für Meyer steht fest, dass das Bistum „den Weg der Aufarbeitung der Missbrauchsfälle weitergehen wird“.

Der Osnabrücker Kommunalpolitiker Fritz Brickwedde ging angesichts der Ereignisse durchaus angespannt in die 11.30-Uhr-Messe im Dom. Als ihn Samstag die Nachricht vom Rücktritt erreicht hatte, war er „tief erschüttert“, wie er auf dem Domvorplatz berichtet. „Ich habe ihn sehr geschätzt“, macht der Katholik deutlich. Ihm sei völlig klar, dass Bode auch Fehler gemacht habe. „Überwiegend hat er aber sehr große Verdienste um unser Bistum“, betont der CDU-Politiker und bedauert den Rücktritt daher sehr.

Da er Bode kennt, weiß er aber auch, dass der Bischof in den vergangenen Monaten „körperlich und psychisch in keiner guten Verfassung war“. Das Leid rund um die Missbrauchsfälle und die Fehler, die im Umgang damit gemacht wurden, hätten ihm schwer zugesetzt. Daher sei der Druck letztlich wohl zu groß geworden. Brickwedde hofft, dass in den kommenden ein würdiger Nachfolger gewählt wird, der sich genau wie Bode um die Reform der katholischen Kirche bemüht.

Eine andere Frau, die lieber anonym bleiben möchte, tut Bode einfach nur leid. In ihren Augen wird Bode in der Öffentlichkeit ungerecht behandelt: „Nach all den Diskussionen in der Öffentlichkeit – auch von Leuten, die absolut keine Ahnung haben – kann ich mir schon vorstellen, dass er sich verletzt fühlt.“ In einer Videobotschaft hatte Bode seinen Rücktritt damit erklärt, dass der im September veröffentlichte Zwischenbericht zur Aufarbeitung sexualisierter Gewalt im Bistum Osnabrück ihm noch einmal deutlich seine eigenen Fehler im Umgang mit Missbrauchsfällen vor Augen geführt habe.

Bereits nach dem Bericht hatte Bode mit engen Mitarbeitenden über die Frage beraten, ob er nach den Ergebnissen zurücktreten solle, kam damals aber noch zu dem Schluss, dass er trotz schwer beschädigter Glaubwürdigkeit weitermachen will. Beim Betroffenenrat der norddeutschen Bistümer stieß dies auf Unverständnis. Der Betroffenenrat warf ihm vor, noch im vergangenen Jahr einen Fall von sexualisierter Gewalt gegen Minderjährige als „Beziehung“ deklariert zu haben und brachte Ende 2022 eine kirchenrechtliche Anzeige auf den Weg, die auch den Vatikan erreichte.

Auch einige Kirchgänger sahen Bodes Umgang mit den Missbrauchsfällen am Sonntag sehr kritisch: „Es ist eigentlich zu spät. Der Rücktritt hätte früher kommen müssen“, sagt ein geschätzter Mittsechziger aus Georgsmarienhütte, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will. Im Hinterkopf habe Bode vielleicht aber auch gehabt, „dass es ohne ihn mit der Aufarbeitung der Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche gar nicht weitergeht“. Ein anderer Mann, der nach der Messe schnellen Schrittes den Dom verlässt und seinen Namen nicht preisgeben will, bestätigt nach der 11.30-Uhr-Messe im Dom den Eindruck des Georgsmarienhütters und kommentiert den Rücktritt schlicht mit den Worten: „Das wurde aber auch Zeit!“

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