Bad Neuschanz  Niederländische Thermen bald energieneutral – ein Vorbild für Norddeutschland?

Tatjana Gettkowski
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Von Tatjana Gettkowski
| 26.03.2023 12:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Ab dem kommenden Jahr soll auch das Wasser in den Pools der Thermen Bad Neuschanz ohne Gas erwärmt werden. Foto: Tatjana Gettkowski
Ab dem kommenden Jahr soll auch das Wasser in den Pools der Thermen Bad Neuschanz ohne Gas erwärmt werden. Foto: Tatjana Gettkowski
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Bis Anfang kommenden Jahres sollen die beliebten Thermen im niederländischen Bad Neuschanz komplett energieneutral betrieben werden. Saunen in der Region Ostfriesland wollen sich daran ein Beispiel nehmen. Kann das gelingen?

Geplant ist das Nachhaltigkeitsprojekt in Bad Neuschanz laut einem Bericht des niederländischen Senders RTV Noord bereits seit 2019. Vor der Krise verschlangen die Energiekosten drei Prozent des Gesamtbudgets. Inzwischen sind es zehn Prozent. Auf die Entwicklung musste reagiert werden.

Die Energiekrise hat die Unternehmensgruppe dazu veranlasst, Gas zu geben und das Projekt noch zügiger umzusetzen. Dazu wurden nach Angaben des Senders auf den Dachflächen der Thermen inzwischen etwa 1800 Solarmodule installiert. Neun der aktuell zehn Saunen in dem niederländischen Wellnessressort können mittlerweile ohne Gas beheizt werden.

Damit ist das Nachhaltigkeitsprojekt aber noch längst nicht abgeschlossen. Auch das Wasser in den Pools der Therme soll künftig ohne Gas erwärmt werden. Der Einsatz der Sonnenkollektoren ist der erste Schritt auf dem Weg zur Unabhängigkeit vom Gas.

Ziel ist es, neben dem Einsatz einer Wärmepumpe durch die Sonnenenergie einen Puffer zu bilden, der je nach Bedarf genutzt werden kann. „Die Kosten für das Nachhaltigkeitsprojekt liegen zwischen 15 und 20 Millionen Euro“, heißt es in dem Beitrag.

Auch für das „Badewerk“ im niedersächsischen Neuharlingersiel sind die gestiegenen Energiekosten ein Thema. „Wenn wir Strom- und Gaskosten in der Höhe hätten, wie sie Anfang des Jahres verlangt wurden, hätten wir Mehrkosten von 700.000 Euro“, erzählt der Neuharlingersieler Kurdirektor Andreas Eden. „Wir beziehen Gas und Strom nicht gebündelt mit dem Landkreis Wittmund, sondern haben beides über die Strom- und Gasbörse Leipzig selbst eingekauft und das ist für uns locker bezahlbar.“

Im Gegensatz zu vielen anderen Bädern bleibt im Hallenbad die Wassertemperatur von 31 Grad unangetastet und es wird in den Bau einer zusätzlichen großen Sauna investiert. Insgesamt neun Saunen gibt es derzeit im „Badewerk“. „Nichtsdestotrotz werden wir weitere energetische Einsparmöglichkeiten wie den Einsatz einer Wärmepumpe und Solaranlage prüfen.“

Die Saunen im „De Baalje“ im ostfriesischen Aurich laufen derzeit noch zu 100 Prozent auf Gasbetrieb. „Wir sind derzeit aber trotzdem am recherchieren, welche Alternativen es gibt“, sagt Gerhard Boekhoff, Leiter des Fachdienstes Liegenschaften und Gebäudemanagement bei der Stadt Aurich. Die Situation auf dem Gasmarkt habe sich inzwischen etwas entspannt. „Wir schreiben das EU-weit aus und können im Zusammenschluss mit mehreren Kommunen vergleichsweise gute Gaspreise erzielen.“ Nichtsdestotrotz sei Nachhaltigkeit ein Thema. Es gebe beispielsweise erste Überlegungen zum Einsatz eines Holzschnitzelkraftwerks.

Der Nutzung von Photovoltaik und Solarthermie steht er für das „De Baalje“ skeptisch gegenüber, weil in den Monaten November bis März Sonnenstunden fehlten. „Es fehlen Möglichkeiten, die Energie der sonnenreichen Monate zu speichern und später zu nutzen“, sagt der Fachdienstleiter. Untersucht werden solle daher der Einsatz sogenannter kalter Fernwärme. Insgesamt liege der Gasverbrauch allein fürs „De Baalje“ bei neun Millionen Kilowattstunden. Der Gesamtbedarf für alle städtischen Einrichtungen in Aurich liegen laut Boekhoff bei 20 Millionen Kilowattstunden.

Dieser Artikel erschien zuerst in der Ostfriesen-Zeitung in Leer.

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