Hubschrauber im Ammerland Polizei trainiert Kampf gegen Moor- und Waldbrände
Seit 2021 hat die niedersächsische Polizei spezielle Lösch-Eimer für ihre Helikopter. Im Ammerland wurden Piloten und Boden-Crews jetzt auf die Probe gestellt.
Bad Zwischenahn - Wo sonst Segelflieger und Motorsegler starten, war am Freitag in Rostrup im Kreis Ammerland das laute Dröhnen von Helikoptern zu hören. Die Hubschrauberstaffeln der niedersächsischen und sächsischen Polizei hatten sich den Bad Zwischenahner Segelflugplatz als Ausgangspunkt für ein umfangreiches Training ausgesucht. Geübt wurde mit sogenannten Bambi Buckets – am Mittwoch und Donnerstag theoretisch, am Freitag in der Praxis. Auch an diesem Sonnabend steht noch ein Trainingsprogramm an.
Bambi Buckets sind faltbare Behälter, die an der Unterseite von Hubschraubern befestigt werden. Mit Wasser gefüllt, werden sie bei der Bekämpfung von etwa Wald- und Moorbränden eingesetzt. Das Wasser wird kontrolliert über den Brandherden abgeworfen. Die niedersächsische Polizei mit Heli-Standorten in Rastede und Hannover setzt die Behälter seit Sommer 2021 ein. Die bayrischen Kollegen tun dies schon länger – und waren in Rostrup deshalb als Berater für die Niedersachsen und Sachsen mit dabei.
Wie ist Niedersachsens Polizei ausgestattet?
Die faltbaren Wassereimer werden an einem Lasthaken am Rumpf der Hubschrauber befestigt. Laut Polizeirätin Natalie Preiß, Leiterin der Hubschrauberstaffel, haben beide niedersächsische EC135-Helikopter dafür die technischen Voraussetzungen. „Wir haben allerdings nur einen Haken“, sagte sie.
Ausgeschrieben hat das Innenministerium des Landes die Beschaffung zweier weiterer Helikopter, allerdings aus einer größeren Klasse mit einem maximalen Abfluggewicht von etwa vier Tonnen. Die EC135 sind nur für bis zu drei Tonnen zugelassen.
Laut Preiß werden die beiden Vier-Tonnen-Neuanschaffungen der Polizei direkt mit den nötigen Lasthaken ausgeliefert, sodass diese Maschinen sofort zum Löschen von Wald- oder Moorbränden eingesetzt werden könnten.
Wie funktioniert die Arbeit mit den Bambi Buckets?
Laut Michael Peters, Polizist, Pilot, Ausbilder und Prüfer, gibt es drei Möglichkeiten, den großen Eimer mit Wasser zu füllen: Erstens können die Bambi Buckets befüllt werden, indem der Pilot niedrig über ein Gewässer wie etwa das Zwischenahner Meer fliegt und das Wasser dort abschöpft. Die zweite Möglichkeit ist das Befüllen durch einen Tank, der ein bisschen wie ein großer Swimmingpool aussieht. Und drittens gibt es ein spezielles Schlauchsystem, mit dem eine Bodencrew Wasser in den Riesen-Eimer pumpen kann. „Das ist der anspruchsvollste Teil“, sagte Uwe Lange, Vizepolizeipräsident der Zentralen Polizeidirektion Niedersachsen.
Was sind die Herausforderungen?
„Wenn man sich im Schwebeflug über Menschen befindet, ist das grundsätzlich immer eine Gefahrensituation“, sagte Peters. Eine genaue Abstimmung zwischen dem Piloten, dem Flugtechniker an Bord und den Einsatzkräften am Boden sei essenziell, damit niemand verletzt werde. Laut Polizeirätin Preiß wurde die Bodencrew bisher ausschließlich von speziell ausgebildeten Mitarbeitern der Hubschrauberstaffel gestellt. An der Übung in Bad Zwischenahn waren außer den etwa 25 Polizeibeamten aber auch ungefähr 35 Mitglieder der Ammerländer Feuerwehr beteiligt. Die Polizei wolle auch Feuerwehrleute schulen, um im Ernstfall auf die freiwilligen Helfer zurückgreifen zu können, erklärte Preiß. Sie schloss nicht aus, dass auch weitere Feuerwehren in künftige Übungen eingebunden werden könnten.
Was sind die Aufgaben der Hubschrauberstaffel?
„Die Staffel ist nicht die Feuerwehr“, stellte Niedersachsens Innenministerin Daniela Behrens (SPD) in Bad Zwischenahn im Gespräch mit der Redaktion klar. Die Politikerin, die neu auf ihrem Posten ist, war ins Ammerland gekommen, um sich die Ausbildung der Polizeibeamten aus der Nähe anzuschauen.