Osnabrück  Kriminalstatistik 2022: Corona-Effekte vorbei – Kriminalität steigt teils rasant an

Christian Ströhl
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Von Christian Ströhl
| 21.03.2023 07:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Die Polizeidirektion Osnabrück hat die Kriminalstatistik für das Jahr 2022 veröffentlicht. Welche Trends zeigen die Daten? Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa
Die Polizeidirektion Osnabrück hat die Kriminalstatistik für das Jahr 2022 veröffentlicht. Welche Trends zeigen die Daten? Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa
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Die Kriminalität im Nordwesten nimmt wieder zu. Das zeigen die neuen Daten der Polizeidirektion Osnabrück für 2022. So hat die Gewaltkriminalität das Vor-Corona-Niveau erreicht, Straftaten gegen Senioren haben sich verdoppelt und Kinder verschicken immer öfter kinderpornografische Inhalte. Und trotzdem sieht die Polizei Lichtblicke.

Die Polizeidirektion Osnabrück, die vom Teutoburger Wald bis zu den Ostfriesischen Inseln reicht, hat die Kriminalstatistik des Jahres 2022 veröffentlicht. Daraus geht hervor, dass die Gesamtzahl der erfassten Straftaten ist im vergangenen Jahr gestiegen ist. „Wir schaffen es, zwei von drei Taten aufzuklären – das ist eine gute Nachricht“, sagt Andrea Menke, Vizepräsidentin der Polizeidirektion Osnabrück.

Trotzdem kamen im vergangenen Jahr 5660 Straftaten auf 100.000 Einwohner im Bereich der Polizeidirektion. Der Vergleich der Daten mit denen der Vorjahre zeigt deutlich, dass die positiven Nebeneffekte der Corona-Pandemie vorbei zu sein scheinen. Die Straftaten stiegen 2022 rasant an.

Insgesamt registrierte die Polizeidirektion Osnabrück im vergangenen Jahr 83.000 Straftaten. Im Vergleich zu 2021 sind die Straftaten um 10,12 Prozent (+7631 Fälle) gestiegen. Die Gesamtzahl der erfassten Delikte blieb 2022 allerdings unter dem durchschnittlichen Straftatenaufkommen der letzten zehn Jahre (2013 bis 2022), welches bei 86.294 Fällen lag.

Dennoch blickt der Osnabrücker Polizeipräsident Michael Maßmann im Gespräch mit unserer Redaktion mit Sorge auf die aktuellen Zahlen. Gerade die drastische Zunahme bei Ladendiebstählen und Trickbetrügereien könnten ein „Dauertrend für die nächsten Jahre werden“.

Ein Lichtblick: Die Aufklärungsquote liegt bei 64,07 Prozent und damit deutlich über dem Landesdurchschnitt (61,73 Prozent). Menke: „Wir klären zwei von drei Straftaten auf. Das ist einerseits der Verdienst unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und andererseits der unserer Bürgerinnen und Bürger, die tatkräftig durch zahlreiche Hinweise die Polizei unterstützen.“

Mit 3001 Taten nahm die Gewaltkriminalität um 19,85 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zu (2021: 2504 Fälle). Den Großteil der Fälle machen regelmäßig Körperverletzungsdelikte aus. Auch hier sieht die Polizei den Grund im Ende der Corona-Restriktionen: Mit Aufhebung der pandemiebedingten Einschränkungen habe das öffentliche Leben wieder an Fahrt aufgenommen, Veranstaltungen fänden wieder statt und das vermehrte Zusammentreffen von Menschen führte zu einem Anstieg in diesen Deliktsfeldern. Die Aufklärungsquote liegt bei rund 83 Prozent.

Nach dem Hoch von 2455 Einbrüchen im Jahr 2016 war die Zahl in den Folgejahren stets gesunken. 2022 ist die Zahl nun das erste Mal wieder gestiegen. So fanden im Gebiet der Polizeidirektion Osnabrück 827 Wohnungseinbrüche statt. 383 Mal blieb es nur beim „Versuch“. Die Aufklärungsquote liegt bei 29,02 Prozent.

Nicht nur für die Polizei ist das Phänomen Gewalt gegen Einsatzkräfte ein Dauerthema, sondern auch für Feuerwehr- und Rettungskräfte. Im Jahr 2022 hat die Direktion insgesamt einen Anstieg von Gewalt gegenüber Polizeibeamten um 21,78 Prozent auf 699 Taten erfasst – ein neuer Rekordwert. Knapp die Hälfte geschahen unter dem Einfluss von Alkohol oder anderer Drogen. Traurig: 1650 Polizisten wurden im vergangenen Jahr in der Polizeidirektion selbst Opfer von Gewalt. Nahezu jeder zweite Polizeibeamte in der Direktion ist somit statistisch im vergangenen Jahr selbst Opfer geworden.

Bei der Verbreitung von pornografischen Inhalten verzeichnet die Direktion bereits seit fünf Jahren einen starken Anstieg. Im vergangenen Jahr wurden 978 Fälle registriert – 2013 waren es noch 290. Der Anteil der tatverdächtigen Kinder- und Jugendlichen nahm um 25,91 Prozent zu. In den allermeisten Fällen geht es um das Verbreiten von pornografischen Inhalten über die sozialen Netzwerke und vor allem Messengerdienste wie WhatsApp. Besonders das Versenden und Teilen von entsprechenden Nackt- oder freizügigen Bildern beziehungsweise Videos via Smartphone hat überproportional zugenommen.

Ältere Menschen werden durch perfide Tricks und immer neue Maschen der Täter um ihr Erspartes gebracht. Auffällig ist laut Polizei: Die Täter passen ihre kriminellen Machenschaften ständig an gesellschaftspolitische und technische Veränderungen an. Immer öfter nutzen Täter neben den klassischen Telefonanrufen Messenger, SMS oder E-Mails. Die Zahl der Fälle stieg von 854 im Jahr 2021 auf 2105 im vergangenen Jahr – in 421 Fällen waren die Täter erfolgreich. Traurig: Der Schaden der Opfer hat sich mit 3,6 Millionen Euro in der Direktion fast verdreifacht. 

Im vergangenen Jahr registrierte die Direktion neun Fälle von Geldautomatensprengungen im eigenen Bereich – eine Tat weniger im Vergleich zum Vorjahr. Insgesamt lag der entstandene Sachschaden im vergangenen Jahr bei 677.000 Euro – auch die Beutesumme lag im sechsstelligen Bereich. Seit 2015 verzeichnete die Polizeidirektion Osnabrück 94 Sprengungen von Geldautomaten. Hierbei entstanden Sach- und Vermögensschaden in Höhe von mehr als zwölf Millionen Euro.

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