Kolumne „Alles Kultur“  Blankes Entsetzen

Annie Heger
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Eine Kolumne von Annie Heger
| 20.03.2023 08:41 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Annie Heger
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Am Montag geht es an dieser Stelle immer um Kultur. Diesmal hat unsere Kolumnistin einen Tipp zu einer gebürtigen Ostfriesin parat, die auf der Bühne überzeugen kann.

Annika Blanke ist die beste Slam-Poetin! Ja, manchmal muss man mit der Tür gleich ins Haus fallen, denn ich möchte, dass Sie das wissen – und ich kann mir nicht sicher sein, dass Sie diese Kolumne bis zum Schluss lesen werden.

Das hier ist eine Meinungskolumne und die Bewertung „beste“ muss sich nicht an gewonnen Preisen, Meisterschaften und Poetry-Slams orientieren. Ich finde nicht nur, dass Annika Blanke die Beste ihres Fachs ist, weil sie aus Ostfriesland kommt – nicht, dass hier der Eindruck der Vetterinnenwirtschaft entsteht. (Ich weiß, dass es das Wort nicht gibt, Sie brauchen mir dazu also keine Briefe oder E-Mails schreiben.)

Zur Person

Annie Heger (39), geboren in Aurich und heute hauptsächlich in Berlin lebend, ist abgebrochene Religionslehrerin, abgebrochene Diätassistentin und geprüfte Heilpraktikerin für Psychotherapie, aber vor allem ist sie als Künstlerin bekannt. Sie singt, ist Schauspielerin und moderiert Shows, Festivals, Varietés und Galas. Außerdem ist sie Plattdeutsch-Aktivistin, unter anderem als Intendantin des „PLATTart“-Festivals.

Ich finde, Annika Blanke ist die Beste, weil ich sie auf der Bühne erlebt habe, und das nicht nur einmal und dazu auch noch in den verschiedensten Kontexten: vom legendären Wacken Open Air über renommierte Kleinkunstbühnen bis zum Fernsehen beim Wettbewerb der „St. Ingberter Pfanne“, für die sie nominiert war.

Die aus Leer stammende Poetin weiß um die Macht von Worten und jongliert sie behutsam und so kraftvoll zugleich. Ihre Worte sind eindringlich, unterhaltsam, herzerwärmend, unbequem – all das, was wir so nötig brauchen. Wenn sie so richtig in Fahrt kommt und ihre präzise Beobachtungsgabe sich verbal überschlägt, dir mit jedem Relativsatz eine Welt präsentiert, in der du dich selbst wiederfindest, obwohl du niemals dort warst und trotzdem ein „Kenn ich!“ in dir widerhallt, dann liest du „Wenn man Sie jetzt so sehen könnte“.

So heißt ihr Buch, das am Donnerstag dieser Woche, also am 23. März, im Handel erscheint. Gleichzeitig feiert sie an dem Abend Premiere mit ihrem Bühnenabend „Blankes Entsetzen“ in Oldenburg im Unikum. Dort kann man live erleben, wie sie sich einen Reim auf die Welt macht.

Ich lehne mich vielleicht weit aus dem Fenster, doch Blanke traue ich sogar zu, dass sie einen glatten Reim auf das Wort „Mensch“ findet. Zum Schluss grüße ich dich und deinen Vater, Annika, der dir wahrscheinlich gerade wie an jedem Montag diese Kolumne vorliest.

Kontakt: kolumne@zgo.de

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