Arbeitskampf in Leer  Verdi ließ 1500 Demonstranten durch die Innenstadt ziehen

Katja Mielcarek
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Von Katja Mielcarek
| 16.03.2023 14:49 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Die Demonstranten taten ihren Forderungen lautstark kund. Foto: Ortgies
Die Demonstranten taten ihren Forderungen lautstark kund. Foto: Ortgies
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Gut 1500 Demonstranten sind am Donnerstag durch Leer gezogen. Die einen hat‘s gefreut, andere mussten Geduld mitbringen.

Leer - Morgens um 9 Uhr ist es in der Leeraner Innenstadt in der Regel ziemlich ruhig. Am Donnerstag allerdings wird es immer lebhafter, je näher man der Großen Bleiche kommt. Von allen Seiten strömen Menschen mit gelben Warnwesten zu dem Ort. Reisebus nach Reisebus rollt auf den Platz. Die Gewerkschaft Verdi hatte zur zentralen Kundgebung und Warnstreik des Öffentlichen Dienstes im Bereich Weser-Ems aufgerufen und gut 1500 Personen sind dem gefolgt. Die Polizei hatte im Vorfeld mit bis zu 2000 gerechnet.

Was und warum

Darum geht es: Die Gewerkschaft Verdi will ihre Forderungen mit Demonstrationen und Streiks durchsetzen. Die zentrale Kundgebung im Nordwesten fand in Leer statt.

Vor allem interessant für: alle, die sich über mehr Lohn freuen würden, die hoffen, dass sie nicht mehr Lohn zahlen müssen und diejenigen, die auf den Demonstrationszug gestoßen sind

Deshalb berichten wir: Die Gewerkschaft Verdi hatte in Leer zu einer Demonstration aufgerufen.

Den Autor erreichen Sie unter: j.rodeck@zgo.de

Die Stimmung vor dem Abmarsch um 10 Uhr ist gut, Musik dröhnt über den Platz, die benachbarte Bäckerei Bruhns macht den Umsatz des Jahres. Die Schlachtrufe werden noch einmal in Erinnerung gerufen: „Ein, zwei, drei, vier, fünfhundert Euro!“ – Verdi fordert für die Beschäftigten eine Erhöhung der Löhne um 10,5 Prozent oder um mindestens 500 Euro, Auszubildende sollen mindestens 200 Euro mehr im Monat bekommen.

Abwechslung für Bewohnerin des Seniorenheims

Als sich der Zug schließlich in Bewegung setzt, ist die Zeit der Trillerpfeifen gekommen. Einer hat eine Trommel mitgebracht, einer zwei Becken. Immer wieder werden die Schlachtrufe gerufen: „Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Kohle klaut!“ Einige Kinder sind dabei, auf den Schultern der Väter oder im Kinderwagen, Ohrenschützer halten den größten Lärm ab.

Die Bäckerei Bruhns, direkt am Versammlungsplatz, machte das Geschäft des Jahres. Foto: Ortgies
Die Bäckerei Bruhns, direkt am Versammlungsplatz, machte das Geschäft des Jahres. Foto: Ortgies

Hinter einem Fenster des Seniorenheims an der Blinke steht eine ältere Dame und winkt mit beiden Armen. Wenn jemand zurückwinkt strahlt sie über das ganze Gesicht. Sprachschüler der VHS schauen sich das Spektakel an, einige filmen mit dem Handy.

Autofahrer brauchen Geduld

Elke Krause will mit ihrem Auto vom Conrebbesweg in die Ubbo-Emmius-Straße fahren und ist erst einmal ausgebremst. Der Demonstrationszug füllt die ganze Ubbo-Emmius-Straße von der Hajo-Unken-Straße bis zur Blinke und darüber hinaus. „Hätte ich das gewusst, wäre ich andersrum gefahren“, seufzt sie. Dass demonstriert wird, hält sie für richtig, aber sie sei wenig optimistisch, dass es viel bringe: „Wer soll es denn bezahlen?“ Hinter ihr stehen mittlerweile zwei weitere Wagen, die warten müssen.

Die Trillerpfeife war das vorherrschende Instrument, aber einige hatten auch größere mitgebracht. Foto: Ortgies
Die Trillerpfeife war das vorherrschende Instrument, aber einige hatten auch größere mitgebracht. Foto: Ortgies

Am Klinikum wird es richtig eng. Der Demonstrationszug hält an, die wichtigsten Thesen und Forderungen der Gewerkschaft werden hier noch einmal kundgetan. Aus den Fenstern und vom Dach wird von Pflegern und Patienten applaudiert und gejubelt. Solidarität ist spürbar. Ab dem Klinikum stehen immer mehr Passanten am Straßenrand. Sie schauen, positionieren sich aber nicht.

Stimmung bei der Abschlusskundgebung

Am Gewerkschaftshaus gibt es – wenig überraschend – Unterstützung. Zwei Männer zeigen sich solidarisch und schließen sich dem Demonstrationszug an. Bei der Agentur für Arbeit und der Sparkasse fordert ein Redner die Kunden und Mitarbeiter auf, doch mitzukommen, ohne durchschlagenden Erfolg.

Der Demonstrationszug zog sich über eine lange Strecke. Foto: Ortgies
Der Demonstrationszug zog sich über eine lange Strecke. Foto: Ortgies

Die Abschlusskundgebung ist auf dem Denkmalsplatz. Ein Mitarbeiter der Stadtverwaltung Wilhelmshaven macht ordentlich Stimmung. Er nennt Missstände, fordert, gibt sich kämpferisch. Aus der Menge wird gejubelt und Beifall gepfiffen. Viele Demonstranten haben sich da schon in die umliegenden Cafés zurückgezogen oder auf den Heimweg gemacht.

Zufriedene Organisatoren

„Wir wollten den Druck auf die Straße bringen“, sagt Heike Boldt, Gewerkschaftssekretärin aus Oldenburg, hinterher. Sie ist hochzufrieden: „Die Stimmung war mega“, sagt sie und meint damit vor allem die Entschlossenheit der Teilnehmer.

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Verdi-Demonstration in Leer
16.03.2023

Die Polizei spricht hinterher von einem reibungslosen Ablauf der Demonstration, der nur zu minimalen Verkehrsbehinderungen geführt habe. Verdi habe die Kundgebung gut organisiert. Die Aufgaben der Polizei hätten sich auf das reine Absperren von Straßen für den Durchzug der Demonstration beschränkt.

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