Osnabrück  Das alte Wort vierschrötig: Die Warnung vor dem ungehobelten Mann

Stefan Lueddemann
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Von Stefan Lueddemann
| 17.03.2023 05:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Er löste mit seinen Belästigungen von Frauen die MeToo-Kampagne aus: Harvey Weinstein. Er ist das, was früher als vierschrötig bezeichnet worden wäre. Foto: Etienne Laurent/EPA Pool/AP/dpa
Er löste mit seinen Belästigungen von Frauen die MeToo-Kampagne aus: Harvey Weinstein. Er ist das, was früher als vierschrötig bezeichnet worden wäre. Foto: Etienne Laurent/EPA Pool/AP/dpa
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Was war ein vierschrötiger Mann? Das alte Wort ist weitgehend vergessen. Schade. Die Redewendung konnte auch eine Warnung sein. Bei Harvey Weinstein zum Beispiel wäre sie am Platz gewesen.

Was für ein vierschrötiger Kerl! So hätte sie wohl gelautet, die spontane Reaktion auf Harvey Weinstein, zumindest in früheren Zeiten. Der Filmproduzent hat diesem ersten Eindruck auf traurigste Weise entsprochen. Er belästigte zahlreiche Frauen, verging sich an ihnen. Der Protest gegen seinen rabiaten Umgang mit Frauen löste die MeToo-Kampagne aus. Und was hat das mit vierschrötig zu tun? Das alte Wort bezeichnet einen plumpen und derben Menschen im doppelten Sinn: grobschlächtig von Gestalt und Charakter.

Wer einen Mann seinerzeit als vierschrötig bezeichnete, schloss von einem ersten, äußerlichen Eindruck auf Charaktereigenschaften. Deshalb bezeichnen vergleichbare Wörter wie bullig, dick oder feist auch nicht genau das Gleiche. Sie bleiben bei der äußerlichen Wahrnehmung. Wer hätte jemals eine Frau als vierschrötig bezeichnet? Das Wort war auf Männer gemünzt und meinte unangenehme Typen, handfest in Gestalt und Verhalten.

Das althochdeutsche Wort fiorscroti bezeichnet die Ecke oder Kante. Vierschrötig war also etwas viereckig Zugehauenes. Seit dem 16. Jahrhundert wurde der Begriff auf Menschen bezogen. Ein vierschrötiger Mann: Diese Qualifizierung konnte auch als Warnung vor einem ungehobelten Charakter aufgefasst werden.

Interessant, wie doppeldeutig das Wort Schrot verwendet werden kann. So unangenehm ein vierschrötiger Mensch sein kann, so gibt es doch auch sein Gegenstück, den Kerl von echtem Schrot und Korn. Diese, heute ebenfalls ungebräuchliche Redewendung meinte einen Menschen von aufrechtem Charakter.

In dieser Redeweise meint das Schrot keine Ecke, sondern das Gewicht einer Münze, dessen Korn ihren Anteil an Edelmetall auswies. Von echtem Schrot und Korn war also die solide geprägte Münze, die als Zahlungsmittel ihr Geld wert war. Sie zu erkennen gehörte ebenso zu den Fertigkeiten des Alltags wie die richtige Einschätzung eines anderen Menschen.

Zwischen vierschrötig und echtem Schrot und Korn klaffte ein Abgrund der Wertigkeiten. Schade, dass diese Redewendungen verloren zu sein scheinen. Sie verwiesen immer auf kluge Lebenspraxis.

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