Osnabrück Ukraine-Krieg: So groß ist die Gefahr eines Dritten Weltkriegs wirklich
Kann aus dem Krieg gegen die Ukraine ein Dritter Weltkrieg werden? Es gibt Experten, die schließen das kategorisch aus und sprechen von Panikmache im Sinne Putins. Doch das ist gefährlicher Unsinn.
Denn klar ist: Natürlich gibt es seit dem Beginn des Überfalls der russischen Armee auf die Ukraine eine wachsende Gefahr, dass der Krieg in eine Eskalationsspirale gerät.
In Deutschland gibt es zwar immer noch viele Stimmen, die beschwichtigen: Putin würde es niemals wagen, einzelne Nato-Länder zu attackieren oder taktische Nuklearwaffen einzusetzen. Aber das sind oft dieselben Stimmen, die vor dem 24. Februar 2022 einen russischen Angriff für unmöglich hielten. Oder die bewusst die Risiken klein reden, um nicht die Waffenlieferungen des Westens zu torpedieren.
Wie gefährdet Europas Friedensordnung in Wirklichkeit ist, zeigt der neuerliche militärische Zwischenfall zwischen Russland und den USA über dem Schwarzen Meer. Diesmal verlief die Konfrontation rund um einen mutmaßlichen US-Spionageflug zugunsten des ukrainischen Generalstabs zum Glück relativ glimpflich. Es gab keine Toten oder Verletzte, nur gegenseitige Schuldzuweisungen und Warnungen.
Doch was passiert, wenn beim nächsten Mal russische oder amerikanische Gefallene zu beklagen wären? Oder wenn tatsächlich eine russische Rakete in Polen einschlagen würde? Nicht mit Absicht, sondern als ungewollter Querschläger - so wie vor wenigen Monaten eine ukrainische Abwehrrakete? Wird dann der Nato-Bündnisfall ausgerufen, wie es damals Politiker im Westen gefordert hatten, als sie fälschlicherweise vermuteten, bei der Rakete hätte es sich um eine russische gehandelt?
Es klingt paradox: Je stärker die USA und Russland auf Konfrontationskurs sind, desto wichtiger wird es sein, dass Joe Biden und Wladimir Putin im Geheimen einen engen Draht zueinander unterhalten. Eine unglückliche Verkettung von Ereignissen kann ausreichen, einen verheerenden Automatismus auszulösen. Dass es nicht dazu kommt, hängt entscheidend von Moskau und Washington ab. Deshalb muss sich der Westen bei aller berechtigten Wut über Putins Krieg auch immer wieder fragen: Ist die Ukraine-Unterstützung so klug ausbalanciert, dass der Despot in Moskau verlieren kann, ohne eine noch verheerendere Eskalation zu riskieren?