Ärger in Stapelmoor Pastorin und Kirchenrat werfen hin – ein Einzelfall?
Die Pastorin fühlte sich ausgebremst von „patriarchalen Strukturen“, der Stapelmoorer Kirchenrat wies das zurück und trat zurück. Einzelfall oder grundlegendes Problem?
Stapelmoor - Die Unruhe in der 1700-Seelen-Kirchengemeinde in Stapelmoor ging durch überregionale Medien. Am Ende sah es so aus: Pastorin Barbara Wündisch-Konz und auch der Kirchenrat wollen nicht mehr in Stapelmoor tätig sein.
Was und warum
Darum geht es: Eine Pastorin will nicht mehr: Der Kirchenrat habe sie nicht respektiert, sagt sie. Der Rat wies das zurück. Unruhe im kleinen Stapelmoor.
Vor allem interessant für: diejenigen, die sich für Kirche interessieren
Deshalb berichten wir: Es schlug hohe Wellen. Die Autorin erreichen Sie unter: v.vogt@zgo.de
Was war passiert?
Pastorin Barbara Wündisch-Konz bewarb sich auf eine neue Stelle, dies berichtete die Rheiderland-Zeitung zunächst. In einem Radio-Interview sagte die Pastorin, dass sie nichts erneuern oder verändern konnte, weil der Kirchenrat das nicht gewünscht habe. Insbesondere ein vor ihrer Amtszeit gespendeter Geschirrspüler, der mit der Begründung, dass „es so schön sei, wenn sich Frauen beim Abspülen unterhielten“, abgelehnt worden sei, wurde oft zitiert.
Um die Wogen zu glätten, schaltete sich der Präses des reformierten Synodalverbandes, Pastor Ard Nap, ein. Er lud zu einem internen Treffen. Auch das wurde öffentlich, mehr als 150 Menschen kamen zusammen, um die Pastorin vom Bleiben zu überzeugen. Der Kirchenrat zeigte sich in einer Stellungnahme überrascht, von der Kritik aus den Medien erfahren zu haben. Und weist sie ausdrücklich zurück. Geschlossen entschied man sich zum Rücktritt.
Kommt so etwas öfter vor?
„Dass sich Pastorinnen und Pastoren auf eine neue Stelle bewerben, ist nichts Ungewöhnliches“, sagt Ulf Preuß, der Sprecher der evangelisch-reformierten Kirche. Es sei wie bei allen anderen Berufen, wenn jemand nicht zufrieden mit seinem Arbeitsplatz sei. Dass es wie in diesem Falle ein so großes öffentliches Echo gegeben habe, sei der ungewöhnlichere Teil. „Dass ein Kirchenrat sein Amt niederlegt, ist seltener, kommt aber auch vor.“
Ob wegen eines Konfliktes oder weil es aus anderen Gründen mit der Ausübung des Amtes nicht mehr klappt – es gibt immer einen rechtlichen Rahmen, der das gut auffange, so Preuß. Durch den Rücktritt übernimmt das sogenannte Moderamen als eine Art „Not-Kirchenrat“. Das Moderamen ist das Vorstandskollegium einer reformierten Synode.
Kirchenrat oder Geistliche: Wer hat die Hosen an?
Der Kirchenrat entscheidet. Pastor oder Pastorin sind qua Amt Mitglied im Rat. „Finanzen, Gebäude, Veranstaltungen – darüber entscheidet der Kirchenrat“, so Preuß. Bis hin zu der Entscheidung, ob der Konfirmanden-Unterricht im Block oder mehrmals die Woche stattfinden soll, ob und wann es Kindergottesdienste gibt und wann die Gottesdienste losgehen. All das liege im Ermessen des gewählten Gremiums. Pastorinnen und Pastoren könnten Anregungen einbringen. Aber: Bei der Predigt und der Seelsorge kann dem Pastor oder der Pastorin niemand reinreden.
Gibt es da ein grundlegendes Problem?
Nein – meint die reformierte Kirche. „Wir hören nicht oft von solchen Konflikten“, sagt Preuß. Dass in Kirchenräten Strukturen vorherrschen, die Frauen benachteiligen, werde kaum an ihn herangetragen.
Es gehe niemandem darum, einen Schuldigen zu finden, das führe auch zu nichts. „Es lässt sich nicht verhindern, dass Konflikte entstehen, wenn Menschen zusammenarbeiten“, sagt Preuß. Zwar sei man bei der reformierten Kirche stolz, dass es flache Hierarchien gebe, niemand „von oben“ die Kirche durchregieren könne, „aber das ändert nichts daran, dass nicht alles harmonieren kann.“
Was kann man lernen?
Das Positive: „Stapelmoor ist eine sehr lebendige Gemeinde“, sagt Preuß. Oft lese man von einer Gleichgültigkeit gegenüber der Kirche. „In diesem Fall kamen 150 Menschen zusammen und machten sich für etwas stark“, so Preuß. Vielleicht stellten sich ja bald einige dieser Personen zur Wahl für den nächsten Kirchenrat.