Rückhalt für Kräuterkenner Tausend Menschen stimmen für Pflanzenwanderung in Hesel
Von Karl-Heinz Peper wurde nach 30 Jahren ein Zertifikat verlangt. Die Landesforsten sprechen von Missverständnis und prüfen ihren Vertrag mit der Firma Waldwohl.
Hesel - Für seine Heilkräuterwanderung im Heseler Wald hat Karl-Heinz Peper aus Detern viel Rückhalt erfahren. Schon mehr als 1000 Menschen haben seine Online-Petition für die Veranstaltung unterschrieben, die er seit 30 Jahren anbietet, aber für die er nun plötzlich einen Lehrgang besuchen soll.
Was und warum
Darum geht es: Für den Erhalt seiner Heilpflanzen-Wanderung im Heseler Wald hat Karl-Heinz Peper schon mehr als 1000 Unterschriften bekommen.
Vor allem interessant für: Menschen, die sich gerne in Wäldern aufhalten
Deshalb berichten wir: Nach mehreren Berichten zu dem Thema haben die Landesforsten zu dem Thema und ihrem Verhältnis zu der Firma Waldwohl Stellung genommen. Die Autorin erreichen Sie unter: k.lueppen@zgo.de
„Am Wochenende habe ich im Edeka-Markt in Detern Unterschriften gesammelt“, sagt Peper, mit großem Erfolg, wie er sagt. Er hofft, mit der Petition zu erreichen, dass ihm die Führung im Heseler Wald, die er als Dozent der Volkshochschule Leer leitet, wieder erlaubt wird. Viele Menschen hätten ihm schon versichert, dass sie auf seiner Seite sind und die Auflage der Landesforsten nicht verstehen können.
Landesforsten gehen auf Peper zu
Diese hatten Peper nach 30 Jahren die Durchführung der Wanderung untersagt. Um die Führung weiter anbieten zu können, sollte er auf eigene Kosten einen Lehrgang bei der Firma Waldwohl machen. Doch von dieser Version rücken die Landesforsten in einer Stellungnahme nun ab: „Nachdem die von Herrn Peper angebotenen Leistungen zunächst irrtümlich dem Bereich der „Waldgesundheitsangebote“ zugeordnet worden waren, hat das Forstamt Neuenburg Herrn Peper im Februar einen entsprechenden Gestattungsvertragsentwurf zukommen lassen“, so Pressesprecher Mathias Aßmann.
Darauf habe es jedoch keine Rückmeldung von Peper gegeben. Der Heilpraktiker aus Detern begründet das auf Nachfrage damit, dass es in diesem Vertragsentwurf gar nicht um die Heilpflanzenwanderung gehe, sondern um zwei ganz andere Veranstaltungen, die er für die Hochschule Emden-Leer sowie die Landwirtschaftskammer durchführen soll. Für die VHS-Veranstaltung dagegen steht Peper zufolge nach wie vor die Forderung nach dem Sachkundenachweis im Raum, und für diesen solle er an dem Waldwohl-Lehrgang teilnehmen.
Dieses Unternehmen hat seit 2021 einen Exklusiv-Vertrag mit den Niedersächsischen Landesforsten (NLF). Offenbar sollen Dutzende Dozenten in Niedersachsen, die für Volkshochschulen auf dem Gebiet der Landesforsten Veranstaltungen wie Waldbaden, Yoga oder Naturkunde anbieten, so wie Peper einen Lehrgang bei Waldwohl machen. Eine Anfrage dazu an den Landesverband der Volkshochschulen in Hannover wurde bisher nicht beantwortet.
Privatfirma soll Qualitätsstandards sichern
Warum erhält nun ein privates Unternehmen solche Kompetenzen? Darauf antwortet Landesforstensprecher Aßmann, dass es einen anhaltenden Trend im Bereich von Wald-Gesundheitsangeboten – hierunter verstehen die NLF im weitesten Sinne Angebote im Bereich des Waldbadens – gibt. Dazu „erreichen die NLF zahlreiche Angebote und Anfragen von Personen und Unternehmen, die Veranstaltungen aus diesem Bereich auf Flächen der NLF anbieten wollen“, so der Sprecher.
Es sei bei einer Vielzahl von Zertifikaten und Lehrgängen nicht mehr möglich gewesen, seriöse Angebote von unseriösen zu unterscheiden, denen die NLF auch aufgrund ihrer gesetzlichen Verantwortung im Bereich der Umweltbildung im Landeswald keine oder nur unter Vorbehalten eine Gestattung anbieten“. Ausdrücklich nimmt Aßmann die Veranstaltung in Hesel dabei aus: „Ich weise aufgrund vorhergegangener Missverständnisse explizit darauf hin, dass die in Rede stehenden Heilkräuterwanderungen von Herrn Peper hiermit nicht gemeint sind, weswegen das Forstamt ihm auch den Vertrag angeboten hat.“
Erklärung zum Vertrag mit der Firma
Die Landesforsten wollen bei Veranstaltungen auf ihrem Grund und Boden die Qualität sicherstellen, so Aßmann weiter: „Ein inhaltlich zwischen Waldwohl und NLF speziell auf ein umfassenderes Waldwissen abgestimmtes Zertifikat stellt dieses für den Bereich von Wald-Gesundheitsangeboten sicher.“ Der Nachweis einer Qualifizierung durch Waldwohl stelle sicher, dass die Qualitätsstandards eingehalten werden.
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Für die Kurse zahlen die Teilnehmer, im Fall von Peper sollen es 240 Euro sein. Landesweit geht es nach Informationen unserer Redaktion um mindestens 200.000 Euro. Einen Geringen Teil der Einnahmen, die Waldwohl im Zusammenhang mit dem Vertrag generiere, entrichtet die Firma laut Aßmann „zur Deckung der Verwaltungskosten“ an die NLF. Von den Landesforsten fließen demnach keine Mittel an Waldwohl.
Vergabe an Waldwohl wird geprüft
Wie und warum gerade mit Waldwohl ein Vertrag zustande kam, wollte das Landwirtschaftsministerium in Hannover – das Land Niedersachsen ist Auftraggeber der Landesforsten, die rund 330.000 Hektar Wald und Forst bewirtschaften – auf unsere Anfrage nicht beantworten. Dazu nimmt Aßmann jetzt Stellung: Die Initiative zu dem Vertrag sei von den NLF ausgegangen.
Eine öffentliche Ausschreibung, das bestätigt der Pressesprecher, habe es seinerzeit aber nicht gegeben. „Dem Vertragsabschluss ist damals keine Ausschreibung vorangegangen, da dies aus Sicht der NLF nicht geboten war.“ Daran gibt es jetzt offenbar Zweifel, denn: „Inwiefern dies zutrifft, ist derzeit Gegenstand von Prüfungen, deren Ergebnissen ich nicht vorgreifen will und kann.“