Ganz viel Bürokratie Warum das THW in Leer seit Jahren kein neues Gebäude bekommt
Das THW in Leer muss seine Ausrüstung draußen stehen lassen oder auslagern. Geld für ein neues Gebäude ist theoretisch da, nur dann kommt die Bürokratie ins Spiel.
Leer - Die Stimmung ist gut in der Fahrzeughalle des Technischen Hilfswerks (THW) an der Alemannenstraße in Leer. Auf der Bühne hat auf dem schwarzen Sofa der CDU-Bundestagsabgeordneten Gitta Connemann der Präsident des THW auf Bundesebene, Gerd Friedsam, Platz genommen. Die beiden sprechen lange über die Herausforderungen der ehrenamtlichen Helfer. Für das THW in Leer ist es eine große Ehre, dass der Präsident gekommen ist. Denn vor Herausforderungen stehen auch die Leeraner, nicht nur wegen ihrer täglichen Arbeit. Im Gespräch mit der Bundestagsabgeordneten und Präsident Friedsam macht Stefan Sandstede, Ortsbeauftragter beim THW Ortsverband Leer, deutlich, wo der Schuh drückt. Das Gebäude des THW platzt aus allen Nähten – und eine Lösung lässt seit Jahren auf sich warten. Wo ist das Problem?
Was und warum
Darum geht es: Das THW braucht ein neues Gebäude. Doch die Hürden sind hoch.
Vor allem interessant für: Menschen, die sich fürs Ehrenamt interessieren und über Bürokratie manchmal den Kopf schütteln
Deshalb berichten wir: Der THW-Präsident Gerd Friedsam war auf Einladung der Bundestagsabgeordneten Gitta Connemann in Leer und hat sich über die Probleme vor Ort informiert. Die Autorin erreichen Sie unter: n.nording@zgo.de
Das Gebäude
Seit 1986 ist das Technische Hilfswerk an der Alemannenstraße in Leer-Loga stationiert. Gebäude, Hallen, Parkplätze und der Übungsdeich sind dort zu finden. Doch der Platz reicht seit Jahren nicht mehr. „Ein Fahrzeug steht seit 2012 draußen“, sagt Stefan Sandstede. Das sei kein Zustand, „das sind ja auch Steuergelder“, merkt er an. Einige Ausrüstungsteile sind bereits ausgelagert. Der Informations- und Kommunikationstrupp ist nach Nortmoor in eine Halle des Landkreises ausgelagert. Das Notstromaggregat des THW steht bei der Feuerwehrtechnischen Zentrale. „Das Gelände ist an seine Grenzen des Entwickelbaren gekommen“, sagt Sandstede. Kein Wunder, denn allein in den vergangenen Jahren sind zwei neue Einheiten dazu gekommen. Seit 2019 hat das THW die Einheit „Schwere Bergung“ und seit diesem Jahr die Einheit „Technische Ortung“.
Doch nicht nur der Platzmangel für die Geräte und Ausrüstung ist ein großes Problem. Die Sanitäreinrichtungen für die 63 aktiven THWler und 35 Mitglieder der Jugend reichen nicht aus. Besonders prekär ist es bei den Frauen: „Wir haben derzeit eine Dusche, eine Toilette und ein Waschbecken für die Frauen“, sagt Sandstede. Auch die Herren-Umkleiden sind an mehreren Stellen im ganzen Haus verteilt, weil es nicht anders geht.
Die Hürden
Organisatorisch gehört das THW als Bundesanstalt zum Geschäftsbereich des Innenministeriums. Jeder Neubau wird daher von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) verantwortet. Neben der Bima ist bei Neubauten des THW auch das Staatliche Baumanagement, eine Landesbehörde, miteinbezogen. Außerdem entscheidet beim THW nicht nur der Ortsverband vor Ort, sondern auch der Landesverband und die Regionalstelle, die für Leer in Oldenburg sitzt. Im Juli 2018 fiel die Entscheidung, dass das THW in Leer ein neues Gebäude braucht. Zunächst war geplant, es in die Nachbarschaft zur geplanten Feuerwehrtechnischen Zentrale (FTZ) in Nüttermoor anzusiedeln. Es gab ein passendes 8000 Quadratmeter großes Grundstück an der Zinnstraße. Außerdem hätte es dem THW gefallen, in der Nähe der Feuerwehreinsatzkräfte und des Katastrophenschutzes zu sein. Die Bürokratiemaschinerie beim THW legte los. Es passierte zunächst nicht viel. Die Zeit verstrich. Während der sogenannte Briefmarkenentwurf, eine Zeichnung, wie die Gebäude auf dem Grundstück verteilt werden sollen, noch durch alle zuständigen Instanzen lief, gab es allerdings eine Entscheidung im Landkreis. Im Juli 2021 entschied man sich, die FTZ nach Brinkum zu verlegen. Dort wurde sogar geschaut, ob das THW in der Nähe Platz findet. Doch das ging nicht.
Irgendwann kam die Zusage aller beteiligter Stellen. Doch als man das bereits ausgesuchte und beplante Grundstück in Nüttermoor kaufen wollte, war es verkauft. „Wir hatten Glück, denn die Leer Nord GmbH hatte noch ein passendes Grundstück auf der gegenüberliegenden Seite“, sagt Sandstede. Doch nun begann die Planung von vorn.
Die Lösung
Nach fünf Jahren ist nun wieder ein Briefmarkenentwurf unterwegs. Doch beim THW in Leer ist man optimistisch, dass es schneller gehen wird. Denn die zeitliche Verzögerung hatte auch etwas Gutes. Da das THW in Musterbauweise baut, war bis Anfang des Jahres das THW Leer nur so groß, dass man einen Bau des kleineren Musterbautyps (Typ I) genehmigt hätte. Das Grundstück war dafür aber eigentlich zu groß. „Wir mussten eine Einzelfallentscheidung erbitten“, so Sandstede. Da aber im Januar eine Abteilung dazu gekommen ist, können die Leeraner nun im größeren Muster (Typ II) bauen und da passt das Grundstück.
Nun geht Sandstede davon aus, dass das Leeraner Bauvorhaben in der zweiten Auszahlung eines THW-Bundesfördertopfes berücksichtigt werden wird. „Das bedeutet, dass wir 2024 mit der Ausschreibung starten können“, so Sandstede. Der Baubeginn wäre dann 2025. Kostenpunkt für das neue Gebäude wäre laut THW-Präsident Gerd Friedsam zehn Millionen Euro. Dafür werde es dann im neuen Hilfeleistungszentrum Platz für 115 Männer und 40 Frauen geben – inklusive ausreichend Toiletten und Duschen. Außerdem werde es Büros für den Stab, Hallen für die Ausrüstung und einen Schwarz-Weiß-Bereich für kontaminierte Einsatzkleidung geben. „Wir haben ein gutes Jahr durch Entscheidungslosigkeit und Kompetenzgerangel verloren, das ist schade“, sagt Stefan Sandstede. Trotzdem freue er sich auf den neuen Standort.