Klinikstreik in Ostfriesland  In den Kliniken Aurich, Emden und Norden wird heute gestreikt

Mona Hanssen Rieke Heinig
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Von Mona Hanssen und Rieke Heinig
| 14.03.2023 14:09 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Auch in Aurich wird gestreikt. Foto:Ortgies
Auch in Aurich wird gestreikt. Foto:Ortgies
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An drei Klinikstandorten in Ostfriesland wird an diesem Dienstag gestreikt. Die Gewerkschaft Verdi will damit in laufenden Tarifverhandlungen ein Zeichen setzen.

Ostfriesland - Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft Verdi hat an diesem Dienstag zu Warnstreiks in den Kliniken Aurich, Emden und Norden sowie bei der Klinikservicegesellschaft ANE aufgerufen. Die Beschäftigten wollten damit in den laufenden Tarifverhandlungen ein deutliches Zeichen setzen: Verdi fordert 10,5 Prozent mehr Gehalt – mindestens aber 500 Euro. Azubis sollen 200 Euro mehr bekommen.

In Aurich zeigen die Streikenden zahlreiche Plakate. Foto: Ortgies
In Aurich zeigen die Streikenden zahlreiche Plakate. Foto: Ortgies

Die Arbeitgeber hätten in den ersten Verhandlungen jedoch nur insgesamt fünf Prozent mehr Lohn in zwei Stufen, plus Einmalzahlungen angeboten. Bis zum 1. April 2025 sollten zudem keine Gehaltsverbesserungen möglich sein. Nach Willen der Arbeitgeber soll es außerdem für Beschäftigte in den Kliniken und Pflegeeinrichtungen eine Sonderregelung geben, wonach diese unter bestimmten Voraussetzungen auf Lohn verzichten sollen.„Das Angebot ist eine Frechheit. Die Beschäftigten im Gesundheitswesen wurden in der Pandemie beklatsch und bejubelt. Zum Dank soll ihnen der Lohn gekürzt werden können, wenn es einem Betrieb wirtschaftlich schlecht geht. Das ist respektlos“, sagt Kerstin Eiken-Janssen, Pflegeassistentin der Unfallchirurgie am Klinikum Emden.

Kundgebung in Aurich

Sie war eine von etwa 60 Demonstrierenden aus Emden, die am Dienstag zur Ubbo-Emmius-Klinik (UEK) in Aurich gefahren sind, um sich dort lautstark für bessere Arbeitsbedingungen einzusetzen. Rund 200 Bedienstete hatten sich dort vor dem Eingang für die Kundgebung versammelt, die um fünf vor zwölf – einer symbolischen Uhrzeit – startete. Darunter unter anderem Krankenschwestern und -pfleger sowie Mitarbeitende der Rettungsdienste Aurich und Wittmund.

Den Frust merkte man den Menschen an: Immer wieder wurde im Chor „Wir wollen mehr Geld!“ angestimmt. Mit Trommeln, Trillerpfeifen und chirurgischen Tabletts aus Edelstahl sorgten die Demonstrierenden für ordentlich Krach, um auf sich und ihre Situation aufmerksam zu machen.

Die Situation in Emden

In Emden kamen gegen 10 Uhr die Streikenden auf dem Vorplatz des Krankenhauses zu einer kurzen Kundgebung zusammen. Zuvor sei man noch durch die Abteilungen gegangen und habe einige Beschäftigte informiert und mobilisiert, so Jens Korporal aus dem Betriebsrat. Einige Mitarbeiter im Notdienst stellten sich in ihrer Pause dazu. Steffen Moldt von Verdi schätzte die Ansammlung auf etwa 90 Personen.

„Wir können unseren Beruf nicht ausüben, wie gedacht“, sagte Klinikmitarbeiterin Martina Klaue-Nanninga in der Kundgebung. Man habe kaum adäquat Zeit, sich um die Patienten zu kümmern. „Ich will gar nicht darüber nachdenken, wer uns später noch pflegen soll“, sagte sie. Die Beschäftigten dürften sich nicht verschleißen lassen, sondern müssten sich gemeinsam für bessere Arbeitsbedingungen einsetzen.

Beschäftigte bräuchten schon einen Zweitjob

Es sei für sie unverständlich, dass bei einem öffentlichen Träger einige Mitarbeiter noch Mindestlohn bekämen, sagte Claudia Thiemens. Sie kenne alleinerziehende Beschäftigte, die noch einen Zweitjob bräuchten. „Wir brauchen mehr Geld, es muss was passieren“, sagte auch Elke Berends im Gespräch mit dieser Zeitung. „Alles wird teurer und unsere Löhne sollen sogar noch sinken.“

Elke Berends (rechts) und Linda Tönjes streiken an diesem Dienstag im Klinikum Emden. Foto: Hanssen
Elke Berends (rechts) und Linda Tönjes streiken an diesem Dienstag im Klinikum Emden. Foto: Hanssen

Von Emden ging es mit dem Bus nach Aurich weiter. Die Beschäftigten aus dem Gesundheitswesen wollen mit der Aktion in der Tarifrunde Bund und Kommunen ein deutliches Zeichen setzen, heißt es in einer Mitteilung von Verdi. Er gehe davon aus, dass es nach der Verhandlungsrunde Ende März noch weiter gehe, so Steffen Moldt.

In Emden streikten rund 90 Mitarbeiter. Foto: Hanssen
In Emden streikten rund 90 Mitarbeiter. Foto: Hanssen

Notfallversorgung von Klinikleitung eingerichtet

Um den Streik zu ermöglichen, hatte die Klinikleitung des UEK das Personal überwiegend auf die Wochenendbesetzungen reduziert. Dadurch konnte eine Notfallversorgung aufrechterhalten werden, heißt es von der Trägergesellschaft.

„Die Patientenversorgung sowohl der bereits hospitalisierten als auch der Notfallpatienten soll somit ohne Qualitätsverlust aufrechterhalten werden“, teilte die Sprecherin im Voraus mit. Zudem wurde der Eingang der Einrichtung freigehalten, damit Mitarbeitende, Patienten und Besucher die Klinik ungehindert betreten und verlassen konnten.

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