BERLIN  Brisante Forderung von Ärzteboss: „Müssen Kliniken abbauen“

Tobias Schmidt
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Von Tobias Schmidt
| 14.03.2023 00:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Gibt es zu viele Kliniken? Ja, und zwar deutlich, meint Kassenärztechef Andreas Gassen. Einer von vier Fällen könnte ambulant behandelt werden. Foto: Rainer Weisflog / Imago Images
Gibt es zu viele Kliniken? Ja, und zwar deutlich, meint Kassenärztechef Andreas Gassen. Einer von vier Fällen könnte ambulant behandelt werden. Foto: Rainer Weisflog / Imago Images
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Nach Warnungen vor einem Kliniksterben hat Kassenärztechef Andreas Gassen den Abbau von Krankenhäusern gefordert. Karl Lauterbach müsse mit seiner Krankenhausreform auf ambulante Behandlungen setzen.

„Im Zuge der Krankenhausreform werden wir selbstverständlich Krankenhäuser abbauen oder umwandeln müssen. Wer etwas anderes sagt, verschließt die Augen vor der Wirklichkeit“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) im Gespräch mit unserer Redaktion.

Und weiter: „Wir haben historisch deutlich zu viele Krankenhäuser mit in der Regel deutlich zu wenig Personal. Es wäre daher nur logisch, wenn wir das Personal, das wir haben, an den Kliniken bündeln, die wir ohne Frage brauchen.“

Ein Bettenabbau werde durch Hebung des „enormen“ Ambulantierungspotenzials möglich, sagte Gassen: „Von den 20 Millionen Krankenhausfällen können fünf Millionen unmittelbar ambulantisiert werden, rund 20 Prozent der Operationen und Prozeduren, die aktuell noch stationär erbracht werden“, so der KBV-Chef.

„In Deutschland werden Operationen im Krankenhaus vorgenommen, die im Rest der Welt seit Jahren ambulant gemacht werden“, berichtet der Ärzteboss und Orthopäde, der selbst noch in einer Düsseldorfer Klinik operiert. Die Leistungen könnten künftig in Praxen, in Versorgungszentren oder auch in Krankenhäusern, in denen Klinikärzte und Niedergelassene zusammenarbeiten, erbracht werden.

Gesundheitsminister Karl Lauterbach müsse im Zuge seiner Krankenhausreform dann aber auch für gleiche Standards und Vergütungen sorgen, findet der KBV-Chef. „Wenn niedergelassene Fachärzte zum Skalpell greifen, müssen sie bei ambulanten Eingriffen genauso vergütet werden wie die Krankenhaus-Kollegen, wie es außerhalb Deutschlands gang und gäbe ist“, fordert Gassen. „Es kann ja nicht sein, dass Ambulantierung heißt, die Patienten gehen in die Klinik, nur ohne dort zu schlafen, und das Haus bekommt das gleiche Geld wie vorher.“ Zuschläge für Krankenhäuser dürfe es nur noch mit medizinischer Begründung geben, „nicht als Ersatz für ausbleibende Hotel-Einnahmen“.

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