PV-Anlagen auf dem Land Was gut fürs Klima ist, bereitet Landwirten große Sorgen
In der Stadt Weener gibt es ein großes Potenzial an Flächen für Freiland-Photovoltaikanlagen. Investoren können ohne viel Bürokratie loslegen. Was gut fürs Klima ist, schürt bei Landwirten Ängste.
Rheiderland - Bei Landwirten läuten schon jetzt die Alarmglocken. Wo im Stadtgebiet von Weener sollen Freiland-Photovoltaikanlagen (PV) gebaut werden und in welchem Umfang? Mit dieser Frage hat sich jetzt der Umweltausschuss befasst. In der Sitzung wurde ein PV-Standortkonzept vorgestellt. Bei allem Verständnis für den Klimaschutz blicken Bauern der Planung mit Sorge entgegen.
Was und warum
Darum geht es: Weener könnte niedersachsenweit Vorreiter bei PV-Anlagen werden. Landwirte sind deswegen in Sorge.
Vor allem interessant für: Landwirte und alle, die sich für den Klimaschutz interessieren
Deshalb berichten wir: Im städtischen Umweltausschuss wurde das Standortkonzept für Photovoltaikanlagen in Weener vorgestellt. Die Autorin erreichen Sie unter: t.gettkowski@zgo.de
Hintergrund ist ein neues Gesetz. Damit will die Bundesregierung den Ausbau der erneuerbaren Energien beschleunigen. Seit Anfang Januar ist es möglich, Freiland-Photovoltaikanlagen auf einem Korridor entlang von Autobahnen und Bahnstrecken ohne Bauleitverfahren zu bauen. Vorteil: Investoren sparen Zeit und Kommunen personelle Ressourcen.
Hunderte Hektar im Visier
Vorgestellt wurde das Standortkonzept von Johannes Ramsauer vom Planungsbüro NWP. Nach dem Ziel der gesetzlichen Vorgabe müssten nach seinen Worten im Stadtgebiet von Weener auf einer Fläche von 38,16 Hektar PV-Anlagen gebaut werden. Die Stadt kann aber mit einer deutlich größeren Fläche für privilegierte Anlagen aufwarten. Links und rechts der A 31 könnten auf einer Fläche von insgesamt 274,3 Hektar solche Anlagen ohne Bauleitplanung errichtet werden. Und damit nicht genug.
Es stehen sogar noch weitere Flächen mit einer Gesamtgröße von 442 Hektar zur Verfügung, die sich an den etwa 200 Meter breiten Streifen entlang der Autobahn 31 anschließen. Hier wäre allerdings eine Bauleitplanung erforderlich. „Damit liegen wir mit den Flächengrößen landkreis- und niedersachsenweit weit vorne“, sagte Bürgermeister Heiko Abbas deutlich.
Landwirte verlieren hofnahe Flächen
Broer Wübbena-Mecima, CDU-Ratsherr und Ortsvorsteher von St. Georgiwold, hat große Bedenken. „Unser Dorf ist schon jetzt durch die Autobahn geteilt, wenn jetzt auch noch die Hälfte unter Glas kommt, wächst der Druck“, lautete seine Kritik. Auch könnten rastende Gänse dort nicht mehr äsen. Zum Leidwesen der Landwirte würden sich die Gänse auf immer weniger werdende Flächen verteilen.
„Das ist für Bauern ein heißes Eisen“, warnt auch Wübbena-Mecimas Fraktionskollege Reinhard Schüür. Der Landwirt sorgt sich um den Flächenverbrauch. „Wir reden hier im Stadtgebiet von Weener über eine Größenordnung von 1000 Fußballplätzen.“ Bei einem 400 Meter breiten Streifen entlang der Autobahn könnten Landwirte viele hofnahe Pachtflächen verlieren, so seine Befürchtung. „Dann gibt es ein Hauen und Stechen um die Flächen.“
Entscheidung unter Ausschluss der Öffentlichkeit
Die Konkurrenz um freie Flächen mit Landwirten ist schon lange ein Thema, erklärte Rudolf Bleeker, Geschäftsführer des Landwirtschaftlichen Hauptvereins für Ostfriesland, Kreisverband Leer, bereits Ende vergangenen Jahres. „Wir sehen das kritisch. Denn bei den steigenden Lebensmittelpreisen zeigt sich derzeit, wie wichtig es ist, regional zu produzieren. Und dafür braucht es landwirtschaftlich genutzte Flächen“, sagt er. Gleichzeitig stehe aber außer Frage, dass erneuerbare Energien ebenso unerlässlich seien. Bereits durch Straßen und Co. beeinträchtigte Flächen kämen eher infrage als die freie Landschaft. Mehr Potential sehe man aber in der Windkraft, sagt er. „Norddeutschland hat den Wind, Süddeutschland die Sonne.“
Auf einen Nenner kam die Politik in der Sitzung des Umweltausschusses noch nicht. „Wir begrüßen die Bemühungen um das Standortkonzept. Wir müssen darüber in den Fraktionen aber noch beraten“, sagte SPD-Ratsherr Dieter Frikke. Eine Entscheidung fällt am 21. März – unter Ausschluss der Öffentlichkeit in der Sitzung des Verwaltungsausschusses.