Berlin Bachelor 2023: Gute Reaktion von David auf Alltagsrassismus
Die Münsteraner Kuppel-Kandidatin Saskia macht einen Schoko-Witz über die Hautfarbe von Bachelor David. Der reagiert perfekt – und macht das Trash-TV für zehn Minuten zum sehenswerten Debatten-Fernsehen. Ein Dankeschön für die Lehrstunde über den Alltagsrassismus.
Das Trash-TV ist nicht für seine Debatten-Stärke bekannt, schon gar nicht der „Bachelor“. Normalerweise unterschreiten die Gespräche hier noch das Niveau von „Bravo“-Fragebögen. Wen wundert’s. In der Kuppelshow wird der Batida aus riesigen Gläsern genossen. Wer danach noch den Mund aufmachen kann, ohne dass es ein Unglück gibt, hat viel geleistet. Umso erstaunlicher: In Folge 2 der 13. „Bachelor“-Staffel gelingt ein Musterstück medialer Aufklärung. Es geht um Rassismus. Was war passiert?
Alles beginnt am Eiswagen. Der Bachelor lädt zum Dessert, und alles plaudert aufgeregt über Schoko und Vanille. Saskia rutscht die denkbar schlimmste Bemerkung raus. „Dich als Schokolade“, sagt sie auf die Frage, welche Sorte sie sich wünscht: „O Gott, das hab ich nicht gesagt“, ruft sie noch und hält sich die Hand vor den Mund. Zu spät. Der Witz über Davids Hautfarbe war schon raus.
Es ist noch nicht lange her, da waren alltagsrassistischen Gags wie dieser gang und gäbe – zum Leidwesen aller Menschen mit dunkler Hautfarbe natürlich. Der Komiker Chris Tall beispielsweise hat seine ganze Karriere auf der These aufgebaut, dass Witze über Baumwollpflücker und Schwarze mit riesigen Penissen nichts, aber auch gar nichts mit Rassismus zu tun haben. Das konnte man vor ein paar Jahren noch ungestraft in Talkshows behaupten.
Spätestens mit dem Tod von George Floyd ist die Stimmung aber gekippt. Heute wird auf Rassismus erfreulich sensibel reagiert. Auch wenn Saskia, die „Bachelor“-Kandidatin mit dem Schoko-Humor, das offenbar verpasst hat. Mit einem deplatzierten Gag wie ihrem kann eine B-Promi-Karriere heute jedenfalls schneller enden, als ihre Eiskugel schmilzt.
Der Bachelor, der allen Grund zur Wut hätte, nimmt der Situation aber die Schärfe. „Ich verstehe, du willst mich nicht beleidigen. Du meinst es nicht böse“, sagt er Saskia später in einer Aussprache. „Aber ich glaube, da fehlt einfach ein bisschen Aufklärung.“ Das übernimmt dann er.
David erzählt von seinen Erfahrungen mit Rassismus und erklärt der Kandidatin, wie sehr so ein Spruch verletzt: “Wenn ich dann eine Frau kennenlerne, und die sagt so eine Sache – das löst was in mir aus. Ob ich das will oder nicht. Und unabhängig davon, wie du das meinst.” Gesichtswahrender kann man nicht ausdrücken, dass Saskia einem Alltagsrassismus gefolgt ist, den sie bei sich selbst sicher gar nicht vermutet hätte.
Uns allen schwirren nach 500 Jahren Kolonialgeschichte immer noch hässliche Stereotype durch den Kopf; auch wenn wir uns das vielleicht nicht immer bewusst machen. Saskia ist über diesen Ballast gestolpert – und ausgerechnet David hat ihr hochgeholfen. Die Geste hilft auch allen Weißen, die sich womöglich noch immer von der Debatte um Rassismus und weiße Privilegien angegriffen oder verunsichert fühlen. Vielen Dank dafür, das war super, David.
Sendetermin: RTL zeigt die „Bachelor 2023“-Folge am Mittwoch, 8. März, um 20.15 Uhr. In der Mediathek RTLplus ist der „Bachelor“ immer schon eine Woche im Voraus verfügbar.