Teure Sterbehilfe Das Ende der Kaufhäuser bringt so manche Innenstadt in Not
Satte 680 Millionen Staatshilfen hat die Warenhauskette Galeria bereits bekommen, um das Aus zu verhindern. Genutzt hat es nichts, weitere Hilfen wären rausgeschmissenes Geld.
Das Warenhaus war einst das glitzernde Versprechen, alles für alle Kunden anzubieten. Und das sogar mit Rolltreppe! Allein für dieses Erlebnis ist die Bevölkerung vom Lande früher zu Hertie oder Horten, später zu Karstadt und Kaufhof in die Stadt gefahren. Aber die Zeit der Warenhäuser ist endgültig vorbei – genau wie die große Zeit der Kataloge etwa von Quelle, an dem kein Weg vorbei führte, oder von Neckermann, der’s möglich machte. Aus und vorbei wie Röhrenfernseher und Kassettenrekorder.
Anders als bei den Katalogen bleiben bei Galeria aber die Gebäude übrig, meist in bester Filet-Lage in den Innenstädten. Und verzweifelte Stadtchefs, die um ihre City bangen und die deshalb beim Bund in den vergangenen zwei Jahren sagenhafte 680 Millionen Euro Staatshilfen losgeeist haben. Mit der bitteren Folge, dass Galeria als Fass ohne Boden schon Ende vergangenen Jahres erneut um 238 Millionen Euro gebettelt hat. Eine teure Sterbehilfe des Staates. Der österreichische Galeria-Eigentümer und Milliardär René Benko dürfte nie ernsthaft erwogen haben, die Häuser langfristig zu betreiben. Er ist reich geworden mit Immobilien, er will auch bei Galeria nur Kasse machen. Und nach dem Verkauf der Gebäude an einen Investor oder gleich die Stadt selbst? Muss der neue Eigentümer eine Verwendung finden, wobei es bisher selten bessere Ideen als den Abriss gibt. Das Staatsgeld hätte man sinnvoller ausgeben können.