Arbeit für den Tierschutz Die Katzen-Engel aus Bingumgaste
Marianne Görs hat vor 20 Jahren ein privates Tierasyl in Bingumgaste geschaffen. Sie betreut dort ausgesetzte, kranke und alte Katzen – auf eigene Rechnung. Jetzt hofft sie auf Unterstützung.
Bingumgaste - Wer bei Marianne und Jürgen Görs zu Besuch ist, merkt auf den ersten Blick, wer hier im Mittelpunkt steht: die Tiere. In der Hängematte des Kratzbaums döst eine getigerte Katze vor sich hin, eine andere genießt die Ruhe in einem selbstgebauten und liebevoll mit buntem Stoff bespannten Katzenhäuschen. Auf einer Decke auf dem Sofa schnurrt der betagte Kater Einstein. Das ursprünglich vom Niederrhein stammende Ehepaar hat in den zurückliegenden Jahren in Bingumgaste ein privates Tierasyl geschaffen – vor allem, aber nicht nur für Katzen.
Was und warum
Darum geht es: Seit 20 Jahren engagiert sich Marianne Görs aus Bingumgaste ehrenamtlich für den Tierschutz. Das geht ins Geld.
Vor allem interessant für: alle Tierfreunde
Deshalb berichten wir: Marianne Görs hofft auf Unterstützung durch den neugegründeten Tierhilfeverein Bingumgaste. Die Autorin erreichen Sie unter: t.gettkowski@zgo.de
Dabei hat eigentlich alles mit Kaninchen angefangen. Etwa 20 Jahre ist es her, dass die 74-jährige Marianne Görs mit ihrem Mann Jürgen vom Niederrhein nach Ostfriesland kam. „Ich habe damals beim Malteser Hilfsdienst gearbeitet“, erzählt die Frau mit den langen blonden Haaren. Durch die Arbeit bekam sie Kontakt zu einer pflegebedürftigen Studienrätin. „Wir suchten gerade ein Haus und fanden es in Bingumgaste.“ Dort habe die ältere Dame 30 bis 40 Kaninchen gehalten und so half Marianne Görs bei der Versorgung der Tiere. Bei den Kaninchen blieb es nicht.
Katzenbabys über den Zaun geworfen
„Ich habe hier über die Jahre wohl an die 60 Katzen, Vögel und Igel betreut und sogar drei Ponys“, sagt Marianne Görs. Unerwünschten Katzennachwuchs, der einfach über den Zaun geworfen wurde, hat sie ebenso aufgepäppelt wie kranke oder verletzte Tiere, die Nachbarn oder Spaziergänger vorbeibrachten. Nein sagen, wegschauen – das könne sie einfach nicht. Und so entwickelte sich das kleine Haus auf der Warf zur Krankenstation, zum Altenheim und zur Kinderstube. „In all den Jahren sind an die 13.000 Euro allein in Operationen geflossen“, sagt die tierliebe Bingumerin.
Sie ist mittlerweile weit über die Grenzen Ostfrieslands bekannt. Das liegt auch daran, dass sie viermal wöchentlich eine eigene Sendung im „Fehnradio“ moderiert. Auf Facebook hat sie ebenfalls zahlreiche Fans. Viele nehmen Anteil am Schicksal ihrer Schützlinge. In der gleichnamigen Facebook-Gruppe schreibt sie „Tiergeschichten und Gedichte“, die viele bewegen und ihr selbst helfen, die traurigen Momente ihrer Arbeit zu verarbeiten. Einige ihrer Facebook-Fans haben sie in Bingumgaste schon besucht. Wie Petra Wolf. Sie wollte eigentlich nur die Katze besuchen, für die sie eine Patenschaft übernommen hatte. Dann ist sie geblieben.
Hilfe für Streunerkatzen
„In meiner Heimat im Schwarzwald hat mich nichts mehr gehalten“, sagt Petra Wolf. Die 59-Jährige hat vor sechs Jahren das Obergeschoss des Hauses in Bingumgaste bezogen. „Ich werde ja nicht jünger“, sagt Marianne Görs, die froh über die Unterstützung bei ihrer Tierschutzarbeit ist. Denn die Herausforderungen haben in den vergangenen Jahren immer mehr zugenommen. „Wir haben bestimmt 40 bis 50 Streunerkatzen kastrieren lassen.“ Schließlich können in dem Haus in Bingumgaste aber nicht alle dauerhaft einziehen.
An drei Futterstellen werden die freilebenden Tiere von den beiden Frauen täglich versorgt. In selbstgebauten Katzenhäuschen aus Styropor finden sie an kalten Tagen Unterschlupf. „Wir können ja nicht alle aufnehmen“, weiß Marianne Görs, in deren Haushalt immerhin schon 18 Katzen leben. Hauptsächlich Tiere, die alt, krank oder dauerhaft auf medizinische Versorgung angewiesen sind. Um Geld für Futter und die Tierarztkosten reinzubekommen, organisieren die Frauen Flohmärkte und verkaufen Selbstgenähtes – praktisch alles für die Katz. „Damit wir keinen Ärger mit dem Finanzamt bekommen, haben wir jetzt den Tierhilfeverein Bingumgaste gegründet.“ Für einen Jahresbeitrag von zehn Euro können Tierfreunde den Verein unterstützen.
Doch die Versorgung der Tiere kostet nicht nur Geld, sondern auch viel Zeit. „Allein fürs Füttern, Fressnäpfe waschen und Klos saubermachen, gehen zweimal am Tag eineinhalb Stunden drauf“, erzählt Petra Wolf. Doch genau wie Marianne Görs bereut sie es kein Sekunde, Zeit und nicht wenig Geld zu investieren. „Die Dankbarkeit und die Liebe, die man von den Tieren zurückbekommt, ist das schönste Geschenk.“