Neubau verzögert sich weiter Sperrung der maroden Ledabrücke in Leer droht
Die Genehmigung des Projekts durch den Kreis Leer und der Bau der neuen Brücke zieht sich seit 2011 hin. Und eine Garantie, dass das alte Bauwerk noch Jahre hält, gibt es nicht.
Leer/Aurich/Oberledingerland - Vor zwölf Jahren wurde beschlossen, dass Fahrzeuge, die mehr als 25 Tonnen wiegen, nicht mehr über die Ledabrücke in Leer fahren dürfen. Und seit Mai 2022 wurde diese Gewichtsbeschränkung noch einmal halbiert. Grund: Die Brücke, die im Zuge der Bundesstraße 70 das Oberledinger- und das Emsland mit Leer verbindet, ist marode.
Geht es nach der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr, die das Projekt plant und im Auftrag des Bundes ausführt, wäre die neue Stabbogenbrücke längst fertig. Jedenfalls waren dieser Zeitung in den vergangenen Jahren immer wieder neue Termine genannt worden. Doch vor Ort ist keine Baustelle zu sehen. Stattdessen sei das Ziel nun 2025, teilt der Leiter der Landesamts mit Sitz in Aurich, Frank Buchholz, auf Nachfrage mit. Denn: Es fehlen noch wichtige Unterlagen, damit der Landkreis Leer den Planfeststellungsbeschluss – also das Verwaltungsverfahren für die Zulässigkeit – genehmigen kann, teilt Kreissprecher Philipp Koenen mit. Aber hält das Bauwerk, das nach dem Zweiten Weltkrieg auf den Fundamenten der Vorgängerbrücke, die 1945 gesprengt worden war, noch so lange durch?
„Garantieren kann ich für nichts“
Garantieren könne er das nicht, sagt Buchholz. Er hat für den Fall, dass die Ledabrücke gesperrt werden muss, bereits einen Plan für die Umleitung des Verkehrs parat. Sollte wirklich Einsturzgefahr bestehen, werden nicht nur die schweren Lastwagen, sondern auch alle anderen Fahrzeuge über die Bundesstraße 72 in Richtung Autobahn geleitet. In Richtung Westoverledingen ginge es dann über Filsum und Detern. Buchholz weiß, dass das ein riesiger Umweg ist. Von der Kreuzung Folmhusen (Westoverledingen) sei die Fahrt über die Bundesstraße 70 über die Ledabrücke bis zur Spierkreuzung in Leer 6,8 Kilometer lang und dauere sieben Minuten. Der Umweg über die Bundesstraße 72 sei 40 Kilometer lang und dauere mehr als ein halbe Stunde länger, so der Behördenleiter.
Jedes halbe Jahr wird die Ledabrücke auf ihre Standfestigkeit hin überprüft, sagt Buchholz weiter. Noch sei diese gegeben, aber natürlich werde der Zustand des altersschwachen Bauwerks im Lauf der Jahre nicht besser.
Leda- und Emssperrwerk müssen zu
Und wie geht es jetzt weiter? Knackpunkt, um das Planfeststellungsverfahren zu genehmigen, sei, dass bisher ein „funktionierendes Konzept“, wie das neue Brückenteil über die Leda kommen soll, fehle, hatte der Kreis bereits im vergangenen Oktober angemahnt. Denn: Der Nebenfluss der Ems ist genau wie der Hauptstrom tideabhängig. Das heißt: Die Leda unterliegt Ebbe und Flut, führt also im ständigen Wechsel Hoch- oder Niedrigwasser. Beim Einschwimmen braucht das 1400 Tonnen schwere Brückenteil der geplanten Stabbogenbrücke Hochwasser. Verlässlich geht das nur, wenn Ems und Leda aufgestaut werden, teilen sowohl die Landesbehörde, der Landkreis Leer und das zuständige Niedersächsische Landesamt für Wasser-, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) mit Sitz in Norden mit. Dieses ist für die Sperrung des Sperrwerks, das 2002 in Gandersum fertig gestellt wurde, zuständig.
Die Ems darf laut Planfesstellungsbeschluss aber nur für Überführungen der riesigen Kreuzfahrtschiffe der Meyer-Werft in Papenburg und für den Küstenschutz aufgestaut werden, teilt Pressesprecher Carsten Lippe mit. Entweder das Einschwimmen der neuen Ledabrücke falle mit einer Schiffsüberführung von Papenburg über die Ems an die See zusammen, ober die Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr müsse eine wasserrechtliche Genehmigung stellen. Um nicht von einer Schiffsüberführung abhängig zu sein, habe man sich auf die wasserrechtliche Genehmigung geeinigt, teilen alle Beteiligten mit.
Ledasperrwerk hält einseitigem Wasserdruck nicht stand
Aber warum kann man nicht einfach das Sperrwerk in Leer schließen und nur die Leda aufstauen? Das geht nicht, hatte der Leiter des Wasser- und Schifffahrtsamtes, Hermann Poppen, dieser Zeitung bereits im vergangenen Herbst klar gemacht. Das Bauwerk von 1954, das nur einige Hundert Meter von der Ledabrücke entfernt steht, hält laut Poppen einseitigem Wasserdruck nicht stand. Das alte Sturmflutsperrwerk halte Wasserdruck nur stand, wenn dieser auf beiden Seiten des Sperrwerks bestehe. Folglich bleibt nur, die Ems in Gandersum und die Leda in Leer mit beiden Sperrwerken aufzustauen.
Wie lange die wasserrechtliche Genehmigung dauere, könne er nicht sagen, so der NLWKN-Sprecher Lippe weiter. Der Leiter des Landesamtes in Aurich, Buchholz, geht davon aus, dass frühestens 2025 das neue Bauwerk über die Leda eingeschwommen werden kann. Und er geht von einem positiven Bescheid des NLWKN aus Norden aus. Immerhin hätten sich der Landkreis Leer und die Behörden in Aurich und Norden Anfang des Jahres getroffen, um sich auszutauschen.
Niederländer jetzt im Boot
Inzwischen seien auch niederländische Firmen, die sich mit der Materie gut auskennen würden, eingeschaltet worden, so Buchholz weiter. Der technische Ablauf sei klar, „muss aber zum Beispiel noch statisch nachgewiesen werden“.
Derzeit würden die Unterlagen für eine wasserrechtliche Genehmigung zusammengestellt. Wann diese eingereicht werden könnten, wisse er aber noch nicht.
Hat die Behörde geschlampt?
Hat seine Behörde eigentlich geschlampt? Hätte man sich nicht viel früher darüber Gedanken machen müssen, wie die neue Brücke über die tideabhängige Leda kommt? Und wusste niemand, dass von dieser Lösung die Genehmigung des Planfeststellungsbeschlusses beim Landkreis Leer abhängt? Nein, sagt Buchholz. Natürlich habe seine Behörde bereits mehrfach Brücken über Flüsse gebaut. Das sogenannte Einschwimmen sei aber nur Teil der Ausführungsplanung gewesen. Nur weil die Leda tideabhängig sei, sei der Stau für das Einschwimmen nun Teil der Planfeststellung. Die Planung und der Bau der neuen Ledabrücke sei sehr komplex und eine echte Herausforderung. Wegen der fortschreitenden Baufälligkeit der jetzigen Ledabrücke, sei nun „Eile geboten“.
Das ist sehr ärgerlich
Ein Kommentar von Elke Wieking
Der Bau einer neuen Brücke ist kompliziert. Ich will das jetzt auch nicht mit Brückenbauten vergleichen, die anno Tobak ruckzuck fertig waren. Fritz und Erna wurden damals nicht gefragt und Einwände mit „Wat mutt, dat mutt“ niedergebügelt. Heute ist das anders. Heute darf sich oder muss sich jeder äußern: Anwohner, Firmen, der Naturschutz etc. Und ja: Manchmal mag es übertrieben sein, wenn ein winziges Tierchen ein riesiges Projekt ins Stocken bringt. Am schlimmsten ist die Bürokratie, die zügige Planungen so verzögert, dass selbst erfahrene Bürokraten und Planer nicht mehr sagen können, wann ein Ende abzusehen ist. Deshalb hat auch diese Zeitung viele Jahre lang, ohne zu murren, immer wieder neue Termine zur Fertigstellung einer neuen Ledabrücke klaglos veröffentlicht. Schaut man sich die alte Berichterstattung an, dann würde bereits über das moderne Bauwerk der Verkehr fließen und der neue Verlauf der Bundesstraße 70 fertig sein. Nun ist es bereits zwölf Jahre her, dass die erste Gewichtsbeschränkung eingeführt wurde, weil die alte Ledabrücke als marode eingestuft wurde. Und jetzt stellt sich heraus, dass es noch keinen fertigen Plan gibt, wie die neue Brücke über die Leda kommt. Ernsthaft? Hat niemand daran gedacht, dass ein 1400 Tonnen schweres Brückenteil nur bei beständigem Hochwasser von Ufer zu Ufer eingeschwommen werden kann, weil die Leda tideabhängig ist und auf die Flut nach wenigen Stunden Ebbe folgt? Es ist ärgerlich, dass sich der Neubau und die Umgestaltung dieser wichtigen Verkehrsader, die jeden Tag von Zigtausenden genutzt wird, immer wieder und wieder verzögert. Denn: Es ist mit dem Bau der neuen Brücke ja nicht getan. Die gesamte Maßnahme inklusive der Umgestaltung der Bundesstraße 70 zwischen dem Abzweig nach Esklum und dem Südring in Leer soll geschätzt dreieinhalb Jahre dauern. Hoffentlich nur dreieinhalb Jahre! Und nicht fünf. Oder sechs. Oder sieben… Die Autorin erreichen Sie unter e.wieking@zgo.de