Dilemma im Heseler Wald Privatfirma hat Zukunft der Kräuterführung in der Hand
Das Unternehmen Waldwohl hat von den niedersächsischen Landesforsten weitreichende Rechte erhalten. Und nun Karl-Heinz Peper Führungen in Hesel untersagt. Warum, ist unklar.
Hesel - Die Nachricht, dass er seine Heilkräuterführung im Heseler Wald nicht mehr anbieten darf, hat den Heilpraktiker Karl-Heinz Peper aus Detern tief erschüttert. Untersagt wurde ihm das nicht vom Eigentümer des Waldes, den niedersächsischen Landesforsten, sondern von einer privaten Firma, dem Unternehmen Waldwohl. Mit dieser Firma haben die Landesforsten seit 2021 eine Kooperation. Waldwohl verlangt von Peper den Erwerb eines Zertifikats auf eigene Rechnung. Den dafür notwendigen Lehrgang müsste er beim selben Unternehmen machen.
Was und warum
Darum geht es: Dem Heilpraktiker Karl-Heinz Peper wurden Kräuterführungen im Heseler Wald untersagt, die er seit 30 Jahren anbietet. Welche Rolle spielt die Firma Waldwohl dabei?
Vor allem interessant für: Menschen, die sich für Wald und Natur interessieren
Deshalb berichten wir: Wir wollten wissen, warum ein privates Unternehmen entscheidet, welche Veranstaltungen in niedersächsischen Wäldern möglich sind und welche nicht. Die Autorin erreichen Sie unter: k.lueppen@zgo.de
Formal braucht Peper beziehungsweise die Volkshochschule Leer (VHS) einen Gestattungsvertrag für die Heilkräuterführung. Allerdings war das in den vergangenen 30 Jahren wohl nie ein Thema. Ende vergangenen Jahres bekam die VHS Post von Waldwohl, dass die Führung im Heseler Wald nicht mehr gestattet sei, es sei denn, Peper würde den erforderlichen Nachweis bringen. Dafür müsste er an dem kostenpflichtigen Seminar bei Waldwohl teilnehmen. So wie ihm geht es zahlreichen weiteren Dozenten an niedersächsischen Volkshochschulen.
Abgeordnete schaltet sich ein
Deren Landesvorstand hat sich des Themas angenommen und bekommt dabei Unterstützung von der Vizepräsidentin des niedersächsischen Landtages, Meta Janssen-Kucz (Grüne) aus Borkum. „Es ist nicht einzusehen, dass ein privatwirtschaftliches Unternehmen die gemeinnützigen Einrichtungen derart an die Leine nimmt“, kritisiert sie. Alles in allem würden ihren Angaben zufolge auf die niedersächsischen Volkshochschulen durch die Teilnahme an den Seminaren bei Waldwohl Kosten zwischen 200.000 und 500.000 Euro zukommen.
Peper ist nicht nur staatlich anerkannter Heilpraktiker mit eigener Praxis, sondern auch Dozent für Kräuterkunde. Die Volkshochschule Leer arbeitet seit 30 Jahren mit Peper als Dozenten bei der Heilkräuterführung in Hesel zusammen. Dennoch soll er jetzt einen Sachkundenachweis erbringen, und dafür verlangt Waldwohl die Teilnahme an dem hauseigenen Seminar. Von der Pressestelle der Landesforsten war dazu zu erfahren, dass die Regelung des Zugangs zu den landeseigenen niedersächsischen Wäldern für öffentliche oder gewerbliche Zwecke aufgrund der Kooperation durch Waldwohl geregelt wird.
Peper sammelt Unterschriften für Petition
Peper ist aufgebracht. Er sammelt online Unterschriften für eine Petition an das Land Niedersachsen gegen diese Auflage. Zahlreiche Menschen haben diesen Aufruf nicht nur unterzeichnet, sondern Kommentare hinterlassen: „Herr Peper ist nach meiner Meinung einer der Erfahrensten im Bereich Heilkräuter, Heilpflanzen und Pilze im Norddeutschen Raum“, hat ein Teilnehmer geschrieben. Eine andere Meinung: „Es ist ohne jeden Sinn, einem Pflanzenkundigen mit 30 Jahren Erfahrung in der Lehre nun mit solchen Auflagen zu kommen. Es sieht nach reiner Willkür aus, das darf nicht sein. Herr Peper macht diese Führungen sehr gut.“
Waldwohl ist seit 2021 offiziell Partner der Niedersächsischen Staatsforsten sowie der Stadtforste Goslar und Wolfsburg. Das Unternehmen mit Sitz in Deinste (Landkreis Stade) wurde von der Forstwissenschaftlerin Birte Schmetjen gegründet. „Unser Ziel ist es, den Menschen und den Wald zusammenzubringen“, heißt es auf der Internetseite. Das geschieht durch die Ausbildung von Trainer/innen, Therapeut/innen sowie Coach, jeweils für Wald-Gesundheit. Außerdem bietet Waldwohl unter anderem Waldbaden als Firmenevents und ähnliches an.
Wird Vorbildung nicht anerkannt?
Der Sprecher der Landesforsten, Mathias Aßmann, versicherte zwar, dass Pepers Qualifikationen geprüft und gegebenenfalls anerkannt würden. Auf der Internetseite sichert Waldwohl ebenfalls zu: „Wenn Sie sich als Therapeut*in, Mediziner*in oder ähnlichem für die Qualifzierung interessieren, prüfen wir gerne Ihren Abschluss und in der Regel wird Ihnen dann das Modul Gesundheit - Teil A anerkannt.“ Aber Peper konnte bisher nicht in Erfahrung bringen, ob das auf ihn zutrifft – und vom Lehrgang entbindet ihn das offenbar nicht.
„Es geht in allen Fällen um Personen, die eine Vorbildung haben“, sagt Janssen-Kucz. Es gehe um Wanderungen, Yogakurse, Waldbaden und anderes, die als Teil des Programms der Volkshochschulen in Niedersachsen auf den Flächen der Staatsforsten angeboten werden. Die Abgeordnete hat sich an die niedersächsische Landwirtschaftsministerin Miriam Staudte gewandt, wartet aber noch auf Antwort. Peper hofft, dass möglichst viele seinem Aufruf folgen und ihm die Unterschrift für seine Petition geben.
Kräuterführung im Heseler Wald nach 30 Jahren untersagt
Tausend Menschen stimmen für Pflanzenwanderung in Hesel
1500 Menschen unterstützen Kräuterkundler mit ihrer Unterschrift