Weltfrauentag Wer kein Mann ist, muss kämpfen
Am 8. März ist Weltfrauentag: ein schwacher Lichtblick für den Feminismus. Wer kein Mann ist, muss sich entweder an ein ungerechtes System anpassen – oder auf einen Kampf einstellen.
Es macht keinen Spaß, wütend zu sein. Trotzdem gibt es keinen Tag, an dem ich nicht wütend bin. Auf eine Wirtschaft, in der Frauen mit vergleichbarer Qualifikation, Erfahrung und Tätigkeit im Schnitt sieben Prozent weniger verdienen als männliche Kollegen. Auf eine Gesellschaft, in der die Ermordung von Frauen durch ihre Partner oder Ex-Partner als „Beziehungstat“ verharmlost wird. Auf Weltreligionen, die zwischen Frauen und Männern unterscheiden.
Zu dieser Wut auf ein System kommt die Wut auf einzelne Männer, deren Verhalten Ungleichheit zwischen den Geschlechtern fördert. In meinem privilegierten Umfeld denke ich an Männer, die mir erklären, dass Gendern gaga ist und mit der männlichen Form doch eh alle gemeint sind. Doch das ist nichts im Vergleich zur Unterdrückung von Frauen in anderen Länder wie dem Iran, wo Frauen wie Mahsa Amini für einen verrutschen Schleier zu Tode geprügelt werden. Oder wie in Katar, wo Frau einen männlichen Vormund hat, der ihre private und berufliche Zukunft lenkt. Oder wie in Thailand, wo deutsche Männer so schamlos sind, dass sie sich für eine Doku über Sextourismus begleiten lassen.
Wissen Sie, wie ich mit all der Wut umgehe? Ich erinnere mich daran, dass es besser ist, wütend zu sein, als ängstlich. Denn wer nicht wütend sein kann oder will, dem bleibt als Frau die Angst. Doch selbst Angst ist noch besser als Akzeptanz. Es gibt auch Frauen, die bei sexistischen Witzen lachen. Nicht alle Frauen sind Feministinnen, nicht alle Männer per se unfeministisch.
Niemand hat die Absicht, das Patriarchat durch ein Matriarchat abzulösen. Es geht um gleiche Chancen, gleiche Freiheiten, gleiche Lasten. Wenn sich Männer dadurch bedroht fühlen, zeigt es doch nur, dass sie wissen, dass die Welt ungerecht ist – und sie von der Unterdrückung von Frauen profitieren.
Die Autorin erreichen Sie unter mantel@zgo.de