Hamburg So viele Flüchtlinge aus der Ukraine leben in Niedersachsen, SH und MV
2022 suchten mehr als eine Million Ukrainer hierzulande Schutz. Die norddeutschen Bundesländer haben allerdings unterschiedlich viele von ihnen aufgenommen – wie viele genau zeigt unsere interaktive Karte.
Ukrainische Staatsbürger stellen inzwischen die zweitgrößte ausländische Bevölkerungsgruppe in Deutschland nach türkischen Staatsangehörigen. Mit knapp 230.000 wurden die meisten Ukraine-Flüchtlinge im vergangenen Jahr in Nordrhein-Westfalen registriert. Sie stellen damit einen Anteil von 1,3 Prozent der Bevölkerung in dem einwohnerstärksten Bundesland.
Noch höher ist der Anteil in Bremen: 11.230 ukrainische Flüchtlinge bedeuten dort einen Anteil von rund zwei Prozent. Das geht aus Zahlen des Bundesinnenministeriums hervor.
Der sogenannte Königsteiner Schlüssel legt fest, wie viele Ukrainer die deutschen Bundesländer aufnehmen müssen. Von allen Flüchtlingen aus dem kriegsgebeutelten Land wurden Niedersachsen 2022 9,4 Prozent, Schleswig-Holstein 3,4 Prozent und Mecklenburg-Vorpommern 1,98 Prozent zugewiesen. Proportional zur Bevölkerungszahl liegen alle drei zwischen 1,1 und 1,4 Prozent. Zusammen mit Bremen und Hamburg befinden sich insgesamt 18,4 Prozent der Ukraine-Flüchtlinge im Norden.
Bei der Verteilung wird zwischen Kriegsvertriebenen aus der Ukraine (bundesweites System FREE) und Asylsuchenden (bundesweites System EASY) unterschieden. Die Aufnahmequote ist dem niedersächsischen Innenministerium zufolge allerdings in beiden Fällen identisch.
Diverse Länder melden bereits eine Belegungsquote am Limit: In Hamburg und Berlin liegt sie in den zentralen Aufnahmestationen bei 99 Prozent. Die Einrichtungen werden vor allem für Flüchtlinge aus anderen Ländern benötigt. Der Präsident des Niedersächsischen Städte- und Gemeindebunds schlägt deshalb Alarm.
Neben dem ungewissen Kriegsausgang dürfte die schwierige Wohnungssuche dazu beitragen, dass viele Ukrainer noch nicht wissen, ob sie dauerhaft in Deutschland bleiben wollen. Eine Studie mehrerer Bundesinstitute und des Sozio-ökonomischen Panels am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung ergab kürzlich, dass rund ein Drittel aller Ukrainer in Deutschland diesbezüglich noch unentschlossen sind.
Zwar sprechen sich 37 Prozent der 18- bis 70-jährigen Ukrainer, die zwischen Februar und Juni 2022 nach Deutschland geflüchtet sind, für einen dauerhaften Verbleib aus. 34 Prozent möchten jedoch nur bis Kriegsende bleiben, der Rest ist unentschieden.