Wohnen in Ostfriesland Darum hält die Stadt Leer 31 freie Wohnungen zurück
Auch die Stadt besitzt Wohnungen. Ein Teil davon steht derzeit allerdings leer. Dafür gibt es einen Grund.
Leer - „Ich finde die Diskussion nicht gerechtfertigt. Und, ich bitte auch Sie, diese Diskussion nicht weiter zu führen“, bat Leers Bürgermeister Claus-Peter Horst die Mitglieder des Sozialausschusses.
Was und warum
Darum geht es: Die Stadt Leer hält einige Wohnungen zurück. Dafür hat sei einen Grund.
Vor allem interessant für: Alle, die sich für den Wohnungsmarkt in Leer interessieren
Deshalb berichten wir: Im Sozialausschuss wurde über das Thema geredet. Den Autoren erreichen Sie unter: m.kierstein@zgo.de
Für das Verwaltungsoberhaupt war es nicht hinnehmbar, dass Wohnraum für Flüchtlinge gegen Wohnungen für Senioren aufgewogen wurde.
Wohnungen stehen leer
Zum Hintergrund: Im Ausschuss wurde mitgeteilt, dass derzeit 31 Wohnungen leer stehen. Diese habe die Stadt angemietet, da es zu Beginn des Kriegs geheißen habe, die Kommunen sollten allen Wohnraum mieten, den sie kriegen könnten, um die Flüchtlinge aus der Ukraine unterbringen zu können.
Die Stadt Leer hatte reagiert. Hatte die Stadt Ende des vorletzten Jahres noch knapp unter 70 Wohnungen zur Verfügung, sind es jetzt 144. Und davon stehen aktuell eben 31 leer. „Das sind aber große Wohnungen für Familien und keine für Singlehaushalte“, so Grit Fokken von der Stadt Leer.
Wohnungen abstoßen
Im Ausschuss kam dennoch die Frage auf, ob die leerstehenden Wohnungen nicht abgestoßen werden könnten. So könnte man auf der einen Seite Mietkosten sparen und gleichzeitig dem überhitzten Wohnungsmarkt entgegenwirken.
„Tatsächlich kamen seit November nahezu keine Ukraine-Flüchtlinge mehr in den Landkreis“, so Andreas Mergelmeyer, Leiter der Fachstelle Soziales in der Stadtverwaltung,. Auch die Auflösung der Unterkunft auf Borkum habe keinen Ansturm gebracht. Einzig fünf der in der Jugendherberge untergebrachten Menschen wurden nach Leer gebracht. „Wir haben die Quote bereits erfüllt“, sagt Mergelmeyer.
Weitere Flüchtlinge kommen
Dennoch wolle man vorerst an den Wohnungen festhalten. Und man sei nicht die einzige Kommune. „Es gibt eine große Zahl freier Unterkünfte im Kreis. Wir haben 31 freie Wohnungen, aber in anderen Gemeinden sieht es ganz ähnlich aus“, betont er.
Man müsse derzeit abwarten. „Niedersachsen ist zwar 16.000 Personen über der Quote, aber der Landkreis Leer hat seine Quote noch nicht erfüllt. Nun sollen ab Ende März sieben Wochen lang 21 Flüchtlinge pro Woche in den Landkreis Leer kommen. Das werden dann hauptsächlich Asylbewerber sein und keine Menschen aus der Ukraine“, erklärt Grit Fokken. In die Stadt würden von diesen Menschen allerdings nicht allzu viele kommen, da sie schon mehr Menschen aufgenommen habe als andere Gemeinden.
Bestand wird überprüft
Dennoch hält man gerade deshalb die Wohnungen zurück. Man wolle den anderen Gemeinden helfen können. „Wir alle wollten nicht, dass die Menschen in Sammelunterkünfte oder Turnhallen kommen“, erklärt Bürgermeister Horst das Vorgehen.
Derzeit warte man darauf, dass der Landkreis bekannt gibt, wie die Menschen verteilt werden sollen. „Wir überlegen, welche Wohnungen wir behalten und welche wir abstoßen“, erklärt Mergelmeyer. Derzeit trage der Landkreis die Kosten für die Wohnungen. „Sobald wir die Zahlen haben, werden wir die nicht gebrauchten Wohnungen abstoßen“, betont er.
Das wünschten sich auch Teile der Politik, die auf die angespannte Situation auf dem Leeraner Wohnungsmarkt verwiesen. Gerade ältere Menschen würden kaum passende Wohnungen finden. Die derzeit durch die Stadt geblockten Wohnungen könnten da Abhilfe schaffen, so der Wunsch einiger Politiker. Doch Bürgermeister Horst entgegnete: „Wir haben in Leer keine Senioren, die auf der Straße sitzen. Glauben Sie mir, wenn das der Fall wäre, würden wir sofort helfen“, betont er. Nun gilt es, abzuwarten, bis klar ist, wie viele der Wohnungen gebraucht werden. Erst dann wird die Stadt sagen können, ob sie einige Wohnungen abstoßen kann.