Ring frei in Weener Meise gegen Giftraupe
Die Blaumeise soll in Weener im Kampf gegen den Eichenprozessionsspinner eingesetzt werden. Dafür will man die Piepmätze an besonders kritische Orte locken.
Weener - „Eichenprozessionsspinner Allergiegefahr!“ Diese Schilder haben derzeit nur kurz Pause. Die giftigen Raupen werden vor allem im Sommer wieder Ärger machen. Dabei ist Allergie eigentlich falsch, denn: „Die Raupen verfügen über Nesselhaare. Diese Härchen sind schlichtweg giftig“, erklärte Arne Mertens, der Inhaber von Baumpflege Mertens aus Westoverledingen, als er im vergangenen Jahr Raupennester bei der Grundschule in Wymeer mit schwerem Gerät erreichte und einsaugte. Der Landkreis Leer beauftragt einige Firmen damit.
Was und warum
Darum geht es: Die giftigen Eichenprozessionsspinner breiten sich aus. Nun sollen sich die Blaumeisen die Bäuche mit ihnen vollschlagen, wenn es geht.
Vor allem interessant für: die mit Eichen in der Nähe und Vogelfreunde
Deshalb berichten wir: In Weener wurden Nistkästen gebaut. Wir wollten wissen, ob die Vögel wirklich etwas gegen die giftigen Raupen ausrichten können. Die Autorin erreichen Sie unter: v.vogt@zgo.de
Jetzt sollen Mertens und seine Zunftkollegen Unterstützung im Kampf gegen die Giftraupen kriegen. Ring frei: In der linken Ecke die Raupe, in der rechten die Meise. Dieser Vogel hat einen besonders guten Ruf, was die Entfernung des Eichenprozessionsspinners betrifft: „Wie bereits vor einigen Jahren erforscht wurde, fressen Blau- und Kohlmeisen die jungen Eichenprozessionsspinner-Raupen, die im frühen Entwicklungsstadium noch keine so giftigen Haare aufweisen“, erklärt die Arbeitsgemeinschaft Naturschutz im nördlichen Emsland/südlichen Ostfriesland von NABU.
Es werden immer mehr Raupen
„Im Jahr 2017 wurde in den Niederlanden von der Universität Wageningen jedoch zum ersten Mal festgestellt, dass Kohlmeisen nicht nur die jungen Raupen fressen, sondern auch die bereits älteren Raupen mit Brandhaaren“, erklären die Naturschützer. Wie genau die Kohlmeisen die Brandhaare vor dem Fressen loswerden, weiß man nicht. Auch Fachfirmen, die Raupen-Kolonien zu Leibe rücken, wird es wohl weiterhin brauchen. Die Raupe breitet sich weiter aus: Eigentlich komme das Tierchen aus wärmeren Gefilden, erklärte Baumpfleger Mertens im vergangenen Sommer. Mittlerweile fühle die invasive Art sich aber hier heimisch. „Sie kommen auch aus den Niederlanden herüber, weshalb Bunde, Weener und Rhede betroffen sind.
Aber auch die Gemeinden Westoverledingen und Rhauderfehn.“ Dort gibt es in jedem Jahr viele Einsätze, um die Raupen mit Spezialgerät einzusaugen. In Berlin oder dem Ruhrgebiet ist diese Herangehensweise nicht mehr möglich. Zu viele Raupen, zu viele Nester in direkter Nähe zu Menschen: „Dort geht man chemisch vor. Also mit Insektiziden“, so Mertens. Das sei aber nur im früheren Larvenstadium effektiv, später bleiben zu viele Brennhaare liegen. Sie enthalten das Eiweißgift Thaumetopoein. Für die Meise kein Problem.
Jeder will ‘ne Meise haben
Gerade an Grundschulen, Kindergärten oder Spielplätzen könnte man die natürlichen Feinde gebrauchen. „Aber damit sich die kleinen Höhlenbrüter überhaupt zum Nestbau in den befallenen Gebieten niederlassen können, benötigen sie solche besonders dimensionierten Nistkästen“, erklärt Kim Kanschat, Leiter des Jugendzentrums Wasserturm in Weener.
20 Kinder und Jugendliche haben sich deshalb in einer Ferienaktion am Bau von Nistkästen für Meisen beteiligt. Im vergangenen Jahr wurden von und in der Gemeinde Rhauderfehn 100 Nistkästen aufgehängt.
Es braucht mehr als Wohnraum
Mit dem Aufhängen der Kästen allein ist es aber nicht getan, teilt der Naturschutzbund mit. Nach dem Anbieten eines Brutplatzes ist es wichtig, dass die Vögel in der Nähe auch Wasser vorfinden können. „Falls natürliche Wasserstellen fehlen, kann dies über das Aufstellen einer oder mehrerer Vogeltränken gewährleistet werden.“