Erschwerte Arbeit für Rettungskräfte Falsche Notrufe in Leer nehmen deutlich zu
Den Notruf sollte man nur wählen, wenn man dringend Hilfe braucht. Dennoch wird er immer öfter ohne Grund angerufen.
Leer - Es war ein Polizeieinsatz, der weithin zu sehen war. Doch, er war unnötig. Zwei Frauen hatten den Notruf gewählt und riefen die Beamten zu Hilfe. Angeblich habe es am Leeraner Bahnhof eine Messerstecherei gegeben. Wie sich jedoch herausstellte, hat es diese nie gegeben.
Was und warum
Darum geht es: Die Zahl der falschen Notrufe ist in den vergangenen Jahren deutlich angestiegen.
Vor allem interessant für: Alle, die sich für die Arbeit der Rettungsdienste interessieren
Deshalb berichten wir: Vor Kurzem gab es wieder einen falschen Notruf. Den Autoren erreichen Sie unter: m.kierstein@zgo.de
Laut Polizei stellte sich am Einsatzort heraus, dass zwei Frauen im Alter von 22 und 25 Jahren den Vorfall erfunden hatten. Der Notruf wurde gegen 17.30 von dem Handy der 25-Jährigen abgesetzt. Die beiden Frauen waren bereits wegen gleichgelagerter Delikte aufgefallen. Die Mobiltelefone der Frauen wurden sichergestellt und entsprechende Verfahren eingeleitet. Zudem haben die Verursacherinnen die Kosten des Polizeieinsatzes zu tragen.
Zahlen zu falschen Notrufen steigen an
Es scheint sogar ein Trend zu sein. „Im Bereich der Polizeiinspektion Leer/Emden kam es im Jahr 2020 zu insgesamt fünf Fällen, 2021 zu elf Fällen und 2022 zu 37 Fällen“, sagt Polizeisprecherin Frauke Bruhns. Sie betont, dass der Missbrauch von Notrufen mit einer Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder einer Geldstrafe bestraft werden kann. Dennoch brauche niemand Angst davor haben, den Notruf zu wählen.
Die Polizei könne außerdem schnell reagieren, wenn Notrufe eingehen. „Je nachdem, welcher Sachverhalt gemeldet wird, wird die Anzahl der Einsatzkräfte bestimmt und zum Einsatzort geschickt. Sollte zeitgleich ein ,echter´ Notruf eingehen, wird auch dieser Einsatz anhand der geschilderten Ausgangssituation eingeordnet und Einsatzkräfte eingeteilt“, so Bruhns. Über Funk seien die Polizeibeamtinnen und Polizeibeamten immer erreichbar und einzelne Streifenwagen könnten jederzeit von einem Einsatzort abgezogen und zum nächsten Einsatzort geschickt werden.
Erschwerte Arbeit
Bruhns betont, dass jeder Notruf ernst genommen werde. „Missbräuchlich abgesetzte Notrufe erschweren und behindern die Arbeit von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst. Die Einsatzkräfte gehen jedem Notruf nach und sind bei diesen Einsätzen gebunden, obwohl vielleicht anderswo gerade wirklich ein Mensch Hilfe benötigt“, sagt die Polizeisprecherin. Auch der Leiter der Kooperativen Rettungsleitstelle Ostfriesland (KRLO), Tomke Albers, kennt die Probleme. So sagte er vor einiger Zeit: „Wenn wir böswillige Falschalarme bekommen, greifen wir mit der ganzen Härte des Gesetzes durch.“ Albers sagt, dass die Mitarbeiter der Leitstelle gut einschätzen könnten, ob der Notruf echt oder nur gespielt sei. „Wenn wir uns aber nicht zu 100 Prozent sicher sind, dass es sich nicht um einen Ernstfall handelt, müssen die Einsatzkräfte rausfahren“, sagt er. Das führe zu Fehleinsätzen, die im allerschlimmsten Fall den Tod eines Menschen bedeuten könnten.
Dass Einsatzkräfte unnötigerweise gerufen werden, kommt immer wieder vor. Der Deutschen Feuerwehrverband (DFV) lieferte dem Redaktions-Netzwerk Deutschland (RND) im August vergangenen Jahres ein Beispiel: Ein Feuerwehreinsatz mit einem Einsatzfahrzeug und sechs Einsatzkräften in Frankfurt am Main koste 121,25 Euro pro angefangene 15 Minuten. Auf den Kosten für den gesamten Einsatz könne jemand sitzen bleiben, der die Feuerwehr „in böswilliger Absicht“ rufe, wie die DFV-Pressesprecherin Silvia Oestreicher erklärte.
Fälle auch in Ostfriesland
In einem Fall musste ein 37 Jahre alter Mann 900 Euro Strafe zahlen, weil er den Polizeinotruf missbrauchte. Das entschied das Amtsgericht im Landkreis Prignitz in Brandenburg im vergangenen Jahr. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Mann die Polizei bei seinem Anruf in der Nacht angelogen hatte, als er ihr vermeintlich dramatische Szenen schilderte: Sein Vater habe seine Mutter sowie ihn auf dem Grundstück seiner Eltern geschlagen. Die Polizei schaute nach dem Rechten, stellte jedoch fest, dass nichts von dem passiert war.
Auch in Ostfriesland kommt es immer wieder zu falschen Notrufen. So wurden Polizisten im September 2021 zu einer angeblichen Schlägerei im Westerhammrich in Leer gerufen. Doch als die Beamten vor Ort ankamen, trafen sie dort lediglich drei Frauen im Alter von 18, 20 und 21 Jahren an. Diese gaben laut Polizei an, keine Auseinandersetzung gemeldet zu haben. Durch weitere polizeiliche Ermittlungen wurde dann aber festgestellt, dass der Anruf sehr wohl von dem Handy der 21-Jährigen aus Leer ausging.
Über 160 falsche Anrufe von einer Frau
Eine Frau aus dem Kreis Aurich wählte den Notruf hingegen nicht nur einmal. Rund 160 Mal hatte sie über den Notruf die Polizei alarmiert und so Leitungen der Leitstelle blockiert.
Die Beamten hätten aber schnell festgestellt, dass bei allen Anrufen der 49-Jährigen keine echte Notlage vorgelegen habe. Die 161 falschen Notrufe liefen über zwei Wochen bei der Regionalleitstelle Wittmund ein und dauerten insgesamt fast eineinhalb Stunden. Trotz Ansagen der Beamten am Telefon und eines Hausbesuches zeigte sich die Anruferin uneinsichtig.