Experiment  So mordet ChatGPT in Ostfriesland

| | 24.02.2023 15:02 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Die Kreativabteilung dieser Zeitung hat sich die von ChatGPT erdachten Titel für Ostfriesland-Krimis geschnappt und sie passend in Szene gesetzt. Um das deutlich zu machen: Die Bücher gibt es nicht! Visualisierung: Fischer
Die Kreativabteilung dieser Zeitung hat sich die von ChatGPT erdachten Titel für Ostfriesland-Krimis geschnappt und sie passend in Szene gesetzt. Um das deutlich zu machen: Die Bücher gibt es nicht! Visualisierung: Fischer
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Ostfriesland-Krimis sind beliebt, nicht nur von Klaus-Peter Wolf. Doch was passiert, wenn man eine künstliche Intelligenz mordend auf Ostfriesland loslässt?

Ostfriesland - Klaus-Peter Wolf hat Ostfriesland-Krimis zu einer Marke gemacht. Allein die Romane mit der Hauptfigur Ann Kathrin Klaasen füllen mittlerweile locker mehr als ein Fach in einem normalen Bücherregal. Nach Ostfriesenkiller, folgten -blut, -grab, -sünde, -falle, -angst, -moor, -feuer, -wut, -schwur, -tod, -fluch, -nacht, -hölle, -zorn, -sturm und zuletzt Anfang des Jahres Ostfriesengier – mit einem Cover, das beide Greetsieler Mühlen mit Flügeln zeigt.

Aber das nur am Rande, denn: Krimis mit Ostfriesland-Bezug gibt es mittlerweile viele. Wolf hat das Genre sicher nicht erfunden, aber dafür populär gemacht. Doch können Wolf und andere Autorinnen und Autoren mit der künstlichen Intelligenz mithalten? Diese Zeitung hat die Probe gemacht – und das Programm ChatGPT mehrere Romantitel und -anfänge schreiben lassen. Warum? Weil wir wissen wollten, was das Programm so kann. (Bei ChatGPT handelt es sich um eine „künstliche Intelligenz“, die Texte produzieren kann. Die durch ChatGPT generierten Texte gibt es nicht zu kaufen.)

„Erfinde den Titel eines Ostfriesland-Krimis“

Ein einfacher „Befehl“ reicht ChatGPT und schon sprudelt die Kreativität nur so aus dem Internetprogramm. „Ostfriesisches Verhängnis“, „Blutige Gezeiten“, „Der Fluch der stillen Insel“, „Rote Rosen, schwarze Seelen: Ein romantischer Ostfriesland-Krimi“, „Blutiger Küstennebel“ oder „Die Nebel von Norderney: Ein düsterer Ostfriesland-Krimi“ könnten bald die Spiegel-Bestsellerlisten anführen. Wenn sie denn jemand schreiben würde.

Liebling der Redaktion ist allerdings „Mord am Deich der Liebe: Ein Ostfriesland-Krimi“. Und so geht der Roman los: „Als die junge Lehrerin Marieke Janssen auf dem Deich spazieren geht, genießt sie die Aussicht auf das endlose Wattenmeer und den Sonnenuntergang. Doch als sie sich umdreht, bemerkt sie eine dunkle Gestalt, die sich ihr nähert. Sie erkennt ihren Ex-Freund Jannik, der in letzter Zeit zunehmend aggressiv geworden war. Sie ahnt nicht, dass diese Begegnung der Beginn einer blutigen Mordserie ist, die Ostfriesland in Angst und Schrecken versetzen wird.“ Wer jetzt denkt, dass der nachnamenlose Jannik der Mörder ist: Weit gefehlt, er stirbt im zweiten ChatGPT-Absatz.

Der Roman endet dann so: „Während der Wind über den Deich blies und die Wellen gegen das Ufer schlugen, stand Kommissarin Sophie Petersen allein am Tatort. Der Fall war gelöst, aber sie konnte den Gedanken nicht loswerden, dass es noch so viel mehr gab, das sie nicht wusste - über die Opfer, den Täter und sich selbst. Aber das Leben ging weiter, und sie würde lernen, damit zu leben. Sie schaute hinaus auf das endlose Meer und spürte, wie der Wind ihr um die Nase blies. Irgendwie fühlte es sich wie ein Neuanfang an.“

So heißen echte Romane

Tatsächlich ist die künstliche Intelligenz gar nicht so weit weg von echten Ostfriesland-Krimis. Neben den Romanen von Wolf gibt es bei Amazon zum Beispiel Krimis mit Ostfrieslandbezug mit folgenden Titeln: „Das Küstenhaus“, „Das Lied der toten Kinder von Norderney“, „Klabautermord“, Herbstzeittode“, „Die Leiche im Meer“, „Mordskutter“ oder auch „Kluntjesmord“.

In den Top 100 der meistverkauften Bücher bei Amazon ist unterdessen nur Klaus-Peter Wolf mit „Ostfriesengier“ aktuell vertreten. Platz 27 belegte er am 21. Februar, eingereiht zwischen den Text- und Gestaltungsregeln des Deutschen Instituts für Normung (Platz 26) und dem „Kindergartenblock ab 4 Jahren“ auf Platz 28.

Ein Romananfang geht noch

Nach dem „Mord am Deich der Liebe“ wollte diese Zeitung von ChatGPT gerne noch den ersten Absatz von „Die Nebel von Norderney“ geschrieben bekommen. Das Ergebnis: „Norderney war nicht mehr das idyllische Eiland, das es einmal gewesen war. Die Insel war in den letzten Jahren stark gewachsen, und mit dem Touristenansturm kamen auch dunklere Elemente. Vor allem nachts, wenn der dichte Nebel über die Insel zog, konnte man das Gefühl nicht abschütteln, dass etwas Bedrohliches und Unheimliches in der Luft lag. Als die junge Polizistin Lena Jansen auf die Insel geschickt wurde, um eine Serie von Morden aufzuklären, wusste sie noch nicht, auf welche Gefahren sie sich einlassen würde.“

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Ostfrieslandkrimi: Mord am Deich der Liebe
22.02.2023

Im Zuge des Romans scheint mit der jungen Polizistin Lena einiges zu passieren. Denn ChatGPT stellt sich das Ende so vor: „Lena hatte den Fall gelöst, aber der Preis war hoch gewesen. Die Insel, die sie einmal so sehr geliebt hatte, würde für sie nie mehr dieselbe sein. Mit einem letzten Blick auf das verlassene Haus, in dem sie so viel Leid und Schrecken erlebt hatte, fuhr Lena zum Hafen und stieg in die Fähre zurück zum Festland. Als der Nebel immer dichter wurde und die Insel langsam hinter ihr verschwand, dachte sie darüber nach, wie schnell sich das Leben ändern kann. Aber sie wusste auch, dass sie bereit war für alles, was die Zukunft für sie bereithielt.“

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