Das wird aus Rindern und Wildpferden  Nabu-Geschäftsführer hat die Reißleine gezogen

Tatjana Gettkowski
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Von Tatjana Gettkowski
| 24.02.2023 15:02 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Uwe Betten war auch für das Zufüttern der Koniks im Hessepark zuständig. Foto: Ortgies/Archiv
Uwe Betten war auch für das Zufüttern der Koniks im Hessepark zuständig. Foto: Ortgies/Archiv
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Uwe Betten war beim Nabu unter anderem für die Versorgung der wild lebenden Heckrinder und Koniks im Rheiderland verantwortlich. Aus gesundheitlichen Gründen gibt er auf. Was wird aus den Projekten?

Rheiderland - „Der Abschied tut schon weh. Die Arbeit hat mir Spaß gemacht“, sagt Uwe Betten. Der 49-Jährige weiß aber gleichzeitig, dass es genau die richtige Entscheidung war, „die Reißleine zu ziehen“. Zum Januar dieses Jahres hat er die Geschäftsführung beim Nabu abgegeben. Als landwirtschaftlicher Leiter war er seit 2017 außerdem für die Heckrinder und Konik-Pferde verantwortlich. Doch auch damit ist Schluss. Zum Ende dieses Monats hat der landwirtschaftliche Leiter des Nabu gekündigt.

Was und warum

Darum geht es: Uwe Betten hat sich maßgeblich um die Beweidungsprojekte des Nabu Ostfriesland gekümmert. Jetzt hat er diese Aufgaben abgegeben.

Vor allem interessant für: alle, die sich für die Aktivitäten des Nabu und insbesondere die Beweidungsprojekte mit Koniks und Heckrindern im Rheiderland interessieren

Deshalb berichten wir: Wir wollten wissen, wie der Nabu nach Bettens Weggang die Versorgung der Tiere sicherstellt.

Die Autorin erreichen Sie unter: t.gettkowski@zgo.de

Naturfreude, die regelmäßig die Tiere in den Weidegebieten in Coldam oder dem Hessepark beobachten, fragen sich besorgt, wie es weitergeht. Einige erinnern sich noch mit Schrecken an die Geschehnisse aus dem Jahr 2007. Der Nabu war damals bundesweit in Negativschlagzeilen geraten, nachdem 16 Heckrinder an den Folgen von Mangelernährung und schlechter Haltungsbedingungen verendet waren. Diese Ereignisse hätten den Ruf des Nabu schwer geschadet. Das Weidemanagement wurde damals komplett umgestellt. „Die Tiere werden seitdem bei Bedarf zugefüttert und die Weideflächen wurden mit Stau- und Abflussmöglichkeiten ausgestattet“, berichtet Dr. Holger Buschmann, Landesvorsitzender des Nabu Niedersachsen.

Die Heckrinder in Coldam leben das ganze Jahr über im Freien. Foto: Gettkowski/Archiv
Die Heckrinder in Coldam leben das ganze Jahr über im Freien. Foto: Gettkowski/Archiv

Heckrinder stets im Blick

Heute gibt es für die Flächen am Uhlsmeer, am Thedingaer Vorwerk, in Coldam und im Hessepark Weener Tierbetreuer, die täglich nach den Tieren sehen. „Dieses System hat Uwe Betten eingeführt und es hat sich bewährt“, bilanziert Buschmann. Bis ein Nachfolger gefunden ist, kümmern diese Tierbetreuer sich maßgeblich ums Wohl der Heckrinder und Koniks.

Die Nabu-Mitarbeiter Britta Redeker, Stefan Freese und Uwe Betten mussten auch schon Kälbchen aus dem Weidegebiet holen, die die geschwächt waren, weil sich ihre Mutter nicht ausreichend um sie gekümmert hat oder sie im Schlamm festlagen. Foto: Gettkowski/Archiv
Die Nabu-Mitarbeiter Britta Redeker, Stefan Freese und Uwe Betten mussten auch schon Kälbchen aus dem Weidegebiet holen, die die geschwächt waren, weil sich ihre Mutter nicht ausreichend um sie gekümmert hat oder sie im Schlamm festlagen. Foto: Gettkowski/Archiv

„Obwohl ich ein tolles Team hatte, waren Überstunden eher die Regel als die Ausnahme“, erzählt der Oldersumer. Nach seinen Worten ein Resultat aus Personalmangel und einem immer weiter wachsenden Tätigkeitsfeld. „Es war höchste Zeit, mit Blick auf die Gesundheit und die Familie einen Schlussstrich zu ziehen“, sagt Betten, „ich möchte mich zum Abschluss bei allen bedanken, die mich auf diesem Weg begleitet und unterstützt haben.“

Gespräch über Nachfolge

Nach den Worten von Dr. Holger Buschmann habe Betten in seine Arbeit enormes Herzblut investiert. „Er hat einen hohen persönlichen Einsatz gezeigt, weswegen sein Ausscheiden umso bedauerlicher ist.“ Nach seinen Worten habe es bereits Gespräch mit einem möglichen Nachfolger aus der näheren Umgebung gegeben, der selbst aus der Landwirtschaft komme und mit den örtlichen Gegebenheiten vertraut sei.

Doch wie geht es mit den Beweidungsprojekten weiter? „Für den Naturschutz haben sich die Beweidungsprojekte bewährt“, stellt Buschmann klar. Der Arten- und Blütenreichtum habe enorm zugenommen. Mehr Wiesenvögel könnten dort entgegen der Erwartungen aber nicht beobachtet werden. Die Zahl der Heckrinder in den Gebieten soll kontinuierlich reduziert werden. Für den Nabu sei der finanzielle und personelle Aufwand allerdings groß. „In den Woldenhof und die Beweidungsprojekte investiert der Nabu immerhin jedes Jahr 200.000 Euro“, stellt Buschmann klar. Man müsse überlegen, ob das Ziel mit geringerem Aufwand zu erreichen sei.

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