Blaualgenvorkommen im Idasee? Klima begünstigt Ausbreitung von Cyanobakterien in Gewässern
Am Idasee wurde kürzlich vor Blaualgen gewarnt – Doch ist da was dran? Die Cyanobakterien sind gefährlich für Mensch und Tier und können – auch wenn das ungewöhnlich ist – auch schon im Winter entstehen.
Idafehn - Vor rund zwei Wochen wurde im sozialen Netzwerk Facebook vor Blaualgen beim Hundestrand am Idasee gewarnt. Das ist ungewöhnlich. Denn: Normalerweise kommen die für Menschen und Tier gefährlichen Cyanobakterien eher in den Sommermonaten vor. War an der Warnung etwas dran? Wie verhält man sich richtig, wenn man selbst oder auch der Hund mit den Bakterien in Berührung gekommen ist?
Blaualgen sind grundsätzlich immer in sehr niedriger Konzentration im Wasser vorzufinden, unter den richtigen Bedingungen können sie sich dann ausbreiten – dann spricht man von einer Blaqualgenblüte. Das teilt Philipp Koenen, Pressesprecher des Landkreises Leer, mit. Zu einer erhöhten Konzentration von Cyanobakterien komme es vor allem dann, wenn das Wetter gut ist – also bei viel Sonnenschein, wenig Regen und bei hohen Wassertemperaturen. „Unter den genannten Bedingungen steige der pH-Wert in den Gewässern an, was die Entwicklung der Blaualgen fördert. Und dann kann es ganz schnell gehen. Wenn im Wasser viel Phosphor und Stickstoff ist, vermehren sich die Bakterien rasant und bilden dann in den oberen 30 Zentimetern der Wasserschicht Algenteppiche“, so Koenen.
Immer wieder Blaualgenblüte im Idasee
Der Klimawandel begünstige diese Entwicklung, wodurch es auch schon im Februar zu ersten Blaualgenvorkommen kommen kann. Gerade im Idasee kommt es immer wieder vor, dass Cyanobakterien auftreten, teilt Gerta Waden von der Gemeinde Ostrhauderfehn mit. Doch nachdem der Bauhof der Gemeinde den Idasee kontrolliert hat, konnte keine Blaualgenblüte festgestellt werden. „Wir kontrollieren die Freizeitanlage regelmäßig. Wenn bei uns Hinweise eingehen, werden diese geprüft“, so Waden. Weitere Gewässer mit einer Blaulagenbelastung sind im Gemeindegebiet nicht bekannt. Weltweit besteht aber das Problem, dass Blaualgen sich immer mehr ausbreiten und sich mittlerweile invasive Arten, die eigentlich in tropischen Gebieten leben, auch hier ansiedeln.
Doch wie erkennt man, ob es sich wirklich um Blaualgen handelt? Das Wasser wird durch die Blaualgenblüte schon optisch unansehnlich und weist eine grünliche oder bläulich-grünliche Verfärbung beziehungsweise Eintrübung auf, teilt Koenen mit. Außerdem beträgt die Sichttiefe meist deutlich unter einem Meter. Schlierenbildung, sogenannte Aufrahmung, bis hin zu Algenteppichen und eine wolkenartige Verteilung im Wasser deuten ebenfalls auf einen Befall hin. „Außerdem kann das Wasser einen üblen Geruch nach faulen Eiern sowie nach Ammoniak aufweisen“, beschreibt Koenen. Ammoniak bilden Cyanobakterien aus dem Stickstoff in der Luft.
Cyanobakterien können Organen schaden
Das Wasser wird durch die Algen aber nicht nur unansehnlich und stinkt, sondern es kann auch gefährlich werden für Mensch und Tier. Die Cyanobakterien produzieren Gift – je nach Blaualgenart in unterschiedlicher Stärke. „Bei Kontakt mit den Blaualgen kann es zu akutem Hautausschlag kommen. Andere Folgen sind Magen-Darm-Krämpfe und Durchfall“, so der Sprecher des Landkreises Leer. Wenn man akut einer sehr hohen Dosis oder chronisch einer gewissen Dosis ausgesetzt ist, können je nach Toxin die Leber, das Gehirn oder auch die Nieren von den Bakterien angegriffen werden.
Wenn man mit Blaualgen in Kontakt gekommen ist, sollte man dringend duschen und auch die Badekleidung wechseln. Diese muss sehr gut ausgespült werden, empfiehlt Koenen. Tiere sollten abgeduscht werden – auch, wenn der betroffene Hund nur mit dem Pfoten im Wasser war. „Auf keinen Fall sollte der Hund das Wasser trinken“, so Koenen.
Außerhalb der Badesaison muss die Bevölkerung nicht durch das Gesundheitsamt des Landkreises vor den Bakterien gewarnt werden. Jedoch rät das Gesundheitsamt den Betreibern des Gewässeres immer, Warnschilder aufzustellen, teilt Koenen mit. So handhabt es auch die Gemeinde Ostrhauderfehn: Bei einem Befall werden allgemeine Hinweisschilder aufgestellt. Wenn Menschen oder Tiere – zum Beispiel im Bereich des Hundestrandes – gefährdet sind, zum Beispiel beim Baden oder Spielen, werden betroffene Bereiche des Sees gesperrt. „In der Regel ist dies der Strand. Dies war zuletzt im September 2022 der Fall“, heißt es von der Gemeinde.