Wedel Erste norddeutsche Mittelstadt erwägt Vier-Tage-Woche für Mitarbeiter der Stadt
Personal halten und gewinnen: Auch für Wedels Verwaltung stehen Strategien gegen den Fachkräftemangel ganz oben auf der Agenda. Eine ist die Vier-Tage-Woche, mit der Wedel im Landkreis Pinneberg (SH) deutschlandweit in Vorreiterrolle gehen würde.
Fachkräftemangel – dieses Schreckgespenst spukt längst auch durch den öffentlichen Dienst und die Kommunalverwaltungen. Die Stadt Wedel will es vertreiben und hat daher gemeinsam mit dem Personalrat grundsätzliche Ideen entwickelt, wie qualifizierte Mitarbeiter gebunden und neue Fachkräfte gewonnen werden können. Dabei könnte Wedel Zeichen setzen, die für viel Beachtung sorgen dürften. Auf der Liste der Strategien zur Personalgewinnung steht auch eine Vier-Tage-Woche für Mitarbeiter der Stadt.
Bei dem Modell, das der Verwaltung vorschwebt, würde die gesetzliche beziehungsweise tarifliche Arbeitszeit auf vier Tage verteilt, erläuterte Jörg Amelung, Fachbereichsleiter Innerer Service, jüngst vor dem Hauptausschuss. Damit wäre Wedel wohl die erste Kommune deutschlandweit mit einem solchen Modell, sagte Amelung. Wege, die auch immer häufiger Unternehmen in der Privatwirtschaft gehen.
Eben dort ist einer der großen Konkurrenten im Kampf um Fachkräfte, argumentierte Amelung mit Bezug auf die allgemeinen Rahmendaten und -erhebungen. 80 Prozent der Beschäftigten im öffentlichen Dienst sind demnach unzufrieden und können sich einen Wechsel vorstellen, ein Drittel davon in die Privatwirtschaft.
Was speziell Wedel zu schaffen macht, sind auch verstärkte Abwanderungen in Richtung Kreisverwaltung und Hamburg, auch aufgrund besserer Gehalts- und Besoldungsstrukturen. Hohe Mietpreise in Wedel sind ein zusätzlicher Beschleuniger von Abwanderungstendenzen.
So ist denn auch die Fluktuations-Kurve in Wedels Verwaltung im Zeitraum von 2016 bis 2021 stetig steigend – von 7 Mitarbeitern, die vor sieben Jahren gegangen sind, bis hin zu zuletzt 27. Nur etwa 89 Prozent der Stellen in der Verwaltung sind in Wedel besetzt – und das ist im Vergleich ein noch guter Wert, sagte Amelung. Dennoch bedeutet dies, dass 36 Vollzeitstellen nicht besetzt sind. Amelung:
Natürlich sei Wedel in der Vergangenheit bei Personalgewinnung und -bindung nicht untätig gewesen, sagte der Fachbereichsleiter. Tatsächlich werde vieles mittlerweile jedoch als Standard angesehen und Wedel müsse sich durch weitergehende Ideen hervorheben und seine Attraktivität als Arbeitgeber steigern.
Neben der Vier-Tage-Woche ist eine Idee auch zu prüfen, speziellen Wohnraum für Stadtmitarbeiter anzubieten. Fahrrad- und E-Autoleasing, Arbeitgeberdarlehen, mehr Firmenfitness-Kooperationen und steuerfreie Gutscheine für Mitarbeiter stehen ebenso auf der Strategie-Liste wie steuerfreie Einmalzahlungen. Nicht zuletzt ist von Einmalzahlungen und Anhebungen der Entgeltgruppen die Rede.
Auch organisatorisch will Wedel das Thema Fachkräftemangel angehen. So erschwere eine stark dezentrale Personalverantwortung Einheitlichkeit und Steuerung auf diesem Sektor. Tatsächlich sei Wedel die einzige Mittelstadt ohne zentrale Personalverantwortung. Mit einer Stabstelle Personal, angesiedelt beim Bürgermeister, könnte sich das ändern.