Strategien der ostfriesischen Kliniken  Sprachschwierigkeiten in der Notaufnahme

Katja Mielcarek
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Von Katja Mielcarek
| 23.02.2023 14:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Ein Besuch in der Notaufnahme ist für viele eine mit viel Stress verbundene Ausnahmesituation. Symbolfoto: Dittrich/dpa
Ein Besuch in der Notaufnahme ist für viele eine mit viel Stress verbundene Ausnahmesituation. Symbolfoto: Dittrich/dpa
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Wer unvermutet in der Notaufnahme landet hat Stress. Stress hat auch das Klinikpersonal, wenn ein solcher Patient kein Deutsch spricht oder auf die Gebärden-Sprache angewiesen ist.

Ostfriesland - Starke Schmerzen nach einem Sturz, ein Unfall in den eigenen vier Wänden oder im Straßenverkehr oder eine unerwartete Ohnmacht – wer überraschend in die Notaufnahme kommt, ist in der Regel sehr aufgeregt und nicht gut vorbereitet. Umso wichtiger ist, dass er sich im Krankenhaus verständlich machen kann. Die Ärzte können besser helfen, wenn sie wissen, was passiert ist, wo es weh tut und ob es eine medizinische Vorgeschichte gibt.

Was und warum

Darum geht es: Patienten, die kein Deutsch sprechen, sind eine Herausforderung, auf das sich die Krankenhäuser einstellen müssen. Noch schwieriger wird es, wenn jemand auf die Gebärdensprache angewiesen ist.

Vor allem interessant für: Mitarbeiter in Kliniken, Begleiter, Freunde, Bekannte und Verwandte von Menschen, die des Deutschen nicht mächtig oder auf die Gebärdensprache angewiesen sind

Deshalb berichten wir: Im Beirat für Menschen mit Beeinträchtigungen war die Situation von Gehörlosen in der Notaufnahme geschildert worden.

Die Autorin erreichen Sie unter: k.mielcarek@zgo.de

Wenn jemand aber kein Deutsch spricht oder auf die Gebärdensprache angewiesen ist, kann es schwierig werden. Das bestätigten ostfriesische Krankenhäuser. „Vordergründig treten die Sprachbarrieren bei den Vorgesprächen auf. Die Behandlung wird dadurch grundsätzlich nicht erschwert. Allerdings ist eine gute Verständigung Voraussetzung für die Patientenaufklärung und die Diagnosestellung“, sagt Tanja Henschel, Sprecherin des Leeraner Borromäus-Hospitals.

Hoffnung auf die Begleitpersonen

Krankenhäuser in Ostfriesland setzen in einem solchen Fall zunächst auf die Begleitpersonen der Betroffenen. „Je schwerwiegender die zu treffenden Entscheidungen für die Behandlung eines Patienten sind, desto wichtiger ist es aber, neutrale Vermittler einzusetzen“, sagt Annika Weigelt, Sprecherin der Trägergesellschaft der Kliniken in Aurich, Emden und Norden. Deshalb setzt man dort, aber auch im Leeraner Klinikum und im Borromäus-Hospital auf die Sprachkenntnisse der eigenen Mitarbeiter.

Man habe eine interne Liste mit Sprachkompetenzen erstellt, in die sich die Kollegen auf freiwilliger Basis eintragen könnten. Sie würden zur Hilfe gerufen, wenn bei der Verständigung mit fremdsprachigen Patienten oder Patientinnen Unterstützung gebraucht werde, berichtet Julia Schlörmann, Assistentin der Geschäftsführung des Leeraner Klinikums: „Diese Liste ist kein Ersatz für einen professionellen Dolmetscher, sondern eine Hilfestellung für die Mitarbeiter beziehungsweise die Patienten und Patientinnen.“ Bei wichtigen Entscheidungsfragen werde im Zweifel ein unabhängiger Dolmetscher hinzugezogen, bestätigt Weigelt.

Liste mit gängigen Vokabeln

Im Borromäus-Hospital in Leer habe man darüber hinaus Übersetzungshilfen mit den gängigen Vokabeln in verschiedenen Sprache, zum Beispiel Russisch, angelegt, sagt Tanja Henschel: „Auch Piktogramme und Karten erleichtern die Verständigung mit nicht-deutschsprachigen Patienten und Patientinnen und Gehörlosen.“ Letztere könnten sich unter anderem auch durch Lippenlesen oder den Einsatz von Zettel und Stift helfen.

Wer auf die Gebärdensprache angewiesen ist, hat es in den ostfriesischen Krankenhäusern schwer, sich verständlich zu machen. Diese Geste bedeutet übrigens "regelmäßig". Symbolfoto: Arne Dedert/dpa
Wer auf die Gebärdensprache angewiesen ist, hat es in den ostfriesischen Krankenhäusern schwer, sich verständlich zu machen. Diese Geste bedeutet übrigens "regelmäßig". Symbolfoto: Arne Dedert/dpa

Die Frage, wie man auf Menschen reagiert, die sich mit der Gebärdensprache verständigen, beantwortete nur das Borromäus-Hospital. Das deckt sich offenbar mit den Erfahrungen, die die Betroffenen machen. In der jüngsten Sitzung des Beirats für Menschen mit Beeinträchtigungen war kritisiert worden, dass es in vielen Krankenhäusern kein Konzept für solche Situationen gebe.

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